In dieser Folge erfährst du den Baufortschritt von unserem Trockensteherstall und wichtige Learnings daraus.
In der heutigen Folge möchte ich dir ein Update zu unserem Trockensteherstall geben. Ich erzähle dir, warum wir diesen Stall überhaupt bauen, wie der aktuelle Baufortschritt aussieht und welche Erfahrungen und Erkenntnisse wir bisher daraus mitnehmen konnten. Außerdem bekommst du einen kleinen Blick hinter die Kulissen unserer Baustelle.
1. Warum wir einen neuen Trockensteherstall bauen
Der Ausgangspunkt für dieses Projekt liegt einige Jahre zurück. Unser alter Milchviehstall wurde vor etwa fünf Jahren relativ einfach umgebaut. Damals ging es vor allem darum, mit möglichst wenig Aufwand eine funktionierende Lösung zu schaffen. Wir haben einen Teil herausgerissen, Strohbuchten eingebaut und kleinere Anpassungen vorgenommen. Insgesamt hat uns dieser Umbau rund 7.000 Euro gekostet.
Schon damals war mir klar, dass wir einige Kompromisse eingehen würden. Manche davon waren bewusst, andere haben wir erst im Laufe der Zeit erkannt.
Zu den bewussten Kompromissen gehörten zum Beispiel:
- ein Futtertisch mit problematischen Fugen und schlechtem Fressgitter
- zu schmale Laufgänge und Übergänge
- Liegeboxen, die für unsere Kühe eigentlich zu klein sind
Andere Punkte haben wir damals schlicht übersehen. Ein Beispiel ist die Gülle. Früher lief die Gülle im Stall selbstständig ab, doch nach dem Umbau funktionierte das nicht mehr zuverlässig. Auch die Futteraufnahme der Kühe ist nie wirklich zufriedenstellend gewesen. Außerdem sind wir mit der Anzahl der Abkalbebuchten knapp aufgestellt.
Im Alltag merkt man solche Dinge stärker, als man es bei der Planung vielleicht erwartet. Deshalb standen wir irgendwann vor der Entscheidung: den alten Stall grundlegend umbauen oder neu bauen.
Nach einiger Überlegungszeit haben wir uns schließlich für einen Neubau entschieden.
Das erste wichtige Learning daraus ist für mich sehr klar. Wenn eine Lösung nur für eine Übergangszeit gedacht ist, kann man Kompromisse leichter akzeptieren. Wenn ein Stall aber länger als zehn oder fünfzehn Jahre genutzt werden soll, dann lohnt es sich fast immer, ihn ordentlich zu bauen. Kurzfristig kostet das mehr Geld und mehr Arbeit. Langfristig spart man Arbeit, verbessert die Abläufe und bleibt zufriedener mit der eigenen Lösung.
2. Der aktuelle Baufortschritt
Mittlerweile haben wir den ersten wichtigen Meilenstein erreicht und mit den Bauarbeiten begonnen.
Zu Beginn haben wir den Humus abgetragen und den Aushub auf die passende Höhe gebracht. Der Boden wurde auf Feldern verteilt, auf denen noch nichts angesät war. Anschließend haben wir den Querkanal und die Gülleleitung ausgebaggert und einen Fertigteilquerkanal eingesetzt.
Danach ging es Schritt für Schritt weiter:
- Rohrleitung zum bestehenden Kanal verlegt
- Dichtheitsprüfung durchgeführt
- Spülleitung und Regenwasserleitung eingebaut
- Fläche mit Kies aufgefüllt und auf Unterkante Beton vorbereitet
Im Moment stehen wir also auf einer vorbereiteten Kiesfläche. Für die Fundamente müssen wir nur noch einen kleinen Teil davon ausbaggern.
Der eigentliche Baustart mit den Betonarbeiten ist für Mai geplant.
Beim Aushub selbst ist vieles besser gelaufen als gedacht. Es gab keine größeren Zwischenfälle und die Arbeiten sind insgesamt gut vorangekommen. Allerdings gab es auch ein paar Situationen, die nicht ganz so reibungslos liefen.
Ein Beispiel war der Autokran für den Fertigteilschacht. Ursprünglich hatte ich gedacht, der Kran könnte sich von der Straße aus abstützen. Das hätte allerdings nicht funktioniert. Eine kurzfristige Straßensperre wäre theoretisch möglich gewesen, hätte aber rechtliche Probleme bringen können. Am Ende haben wir den Kran einfach in die Baugrube fahren lassen, was glücklicherweise gut funktioniert hat.
Eine andere Herausforderung war eine sehr weiche Bodenschicht aus Lehm. Dort mussten wir deutlich mehr Material ausbaggern und anschließend mit Kies stabilisieren. Außerdem fehlten uns am Ende noch drei Sattel-LKW Kies, wodurch wir einen Tag später fertig wurden als geplant.
Das zweite wichtige Learning daraus lautet: Sei auf das vorbereitet, was auf der Baustelle passieren kann. Kleine Verzögerungen oder unerwartete Situationen sind ganz normal. Wenn man gut vorbereitet ist und seine Details kennt, spart man sich viel Zeit und Geld. Ein Tag Arbeitstag auf der Baustelle kann schnell rund 1.000 Euro kosten. Jeder Tag mehr kostet erstmal mehr.
3. Warum wir schon so früh mit den Erdarbeiten begonnen haben
Vielleicht fragst du dich, warum wir die Erdarbeiten bereits jetzt erledigt haben, obwohl der eigentliche Baustart erst später erfolgt.
Der Hauptgrund war das Zeitfenster. Die Flächen, auf denen wir den Aushub verteilen konnten, waren noch nicht angesät. Gleichzeitig hatten wir eine sehr gute Wetterphase. Über eine Woche lang hat es praktisch nicht geregnet.
Bei unserem lehmigen Boden ist das ein großer Vorteil. Sobald es nass wird, ist der Boden deutlich schwieriger zu bearbeiten.
Das dritte Learning daraus ist deshalb: Wenn es möglich ist, sollte man Bauarbeiten an die Jahreszeiten anpassen. Gute Zeitfenster liegen häufig im Frühjahr, im späteren Sommer oder im Herbst. Wenn man dann noch den Aushub gut unterbringen kann, entstehen oft deutliche Vorteile.
4. Was als nächstes auf der Baustelle passiert
Der weitere Ablauf ist aktuell relativ klar geplant.
Im Mai starten die Betonarbeiten mit den Fundamenten sowie den Liegeboxen, Laufgängen und Strohbuchten. Im Juni soll das Dach montiert werden. Wir planen eine Holzkonstruktion mit Dachziegel, ähnlich wie bei unserem bestehenden Stall.
Im Juli möchten wir die Stalleinrichtung fertigstellen. Danach folgt im August voraussichtlich der Einzug unseres Jungviehs. In dieser Zeit wird der Jungviehstall komplett saniert.
Wenn alles nach Plan läuft, ziehen die Trockensteher im September oder Oktober in den neuen Stall ein.
Hier steckt das vierte Learning: Nutze einen Bauzeitenplan und stimme dich frühzeitig mit allen beteiligten Firmen ab. Gerade bei größeren Stallbauprojekten ist das entscheidend dafür, dass der Zeitplan eingehalten wird.
5. Der Blick hinter die Baustelle
Neben der eigentlichen Bauarbeit spielt die Organisation eine große Rolle.
In unserer Familie haben wir bewusst entschieden, dass während der Bauphase der Fokus auf der Baustelle liegt. Dinge, die nicht dringend sind, versuchen wir in dieser Zeit zu vermeiden. Gleichzeitig muss die Landwirtschaft natürlich weiterlaufen.
Hinzu kommt die Abstimmung mit verschiedenen Firmen. Selbst bei einem relativ kleinen Bauabschnitt sind oft viele Beteiligte dabei:
- Baggerbetrieb
- Transportunternehmen für den Aushub
- Schubraupe zum Anfüllen
- Autokran
- Fertigteillieferant
- Firma für Gülleleitungsbau und Dichtheitsprüfung
- Kieslieferant
- zusätzliche Helfer
All diese Arbeiten müssen zeitlich und organisatorisch aufeinander abgestimmt werden.
Das fünfte Learning lautet deshalb: Nimm dir Zeit für die Organisation. Gute Planung spart oft mehr Zeit als eine zusätzliche Stunde Arbeit auf der Baustelle.
Fazit
Überlege dir genau, wie lange du deinen Stall oder Umbau nutzen möchtest.
Bereite deine Baustelle möglichst gründlich vor.
Und plane genügend Zeit für Organisation und Abstimmung ein.
Wenn du gerade einen Stall planst oder deine Planung bereits steht und du bei den Details noch unsicher bist, melde dich gerne bei mir. Ich habe bereits über 100 Landwirte bei ihrem Stallbau unterstützt. Trag dich für ein kostenloses Strategiegespräch ein und wir schauen gemeinsam, wie deine nächsten Schritte in der Planung aussehen können.
