In dieser Folge geht es um die richtige Zahl für einen erfolgreichen Betrieb. Du erfährst, was der richtige Kuhzahl sein kann und welche Fragen dafür relevant sind.
In der heutigen Folge möchte ich eine spezielle Frage stellen: Was ist die richtige Kuhzahl für einen erfolgreichen Betrieb? Vielleicht hast Du eine gewisse Kuhzahl im Kopf, die Du für Dich als optimal einschätzt. Was ist für dich persönlich eine erfolgreiche Kuhzahl? Ich möchte dir meine Meinung zu dem Thema mitteilen und diese Frage von verschiedenen Seiten beleuchten.
Die Mitglieder vom Kuhstallbau-Onlinekurs treffen sich einmal im Monat zum Austausch und besprechen Stallbauplanungen. Letztes Mal hat ein Teilnehmer mit ungefähr 200 Kühen seine Planung mit Melkstand vorgestellt. Bei ihm ist seit einigen Monaten eine ausländische Arbeitskraft ausgefallen und damit die Arbeitsbelastung gestiegen. Daraus ist eine spannende Diskussion über sinnvolle Betriebsgrößen und Herausforderungen mit verschiedenen Größen entstanden.
Für jede Betriebsgröße gilt zunächst: Jeder hat unterschiedliche Voraussetzungen. Je nach Region sind die Voraussetzungen unterschiedlich – unterschiedlich hohe Förderungen, zum Beispiel durch Steilflächen oder besonders hohe Konkurrenz um Fläche. Man hat vielleicht eine sehr gute Flächenstruktur direkt um den Stall oder auch viele ganz kleine Flächen, weite oder ungünstige Wege. Man hat vielleicht eine sehr gute Arbeitssituation oder andersherum kaum Helfer. Man ist vielleicht aktuell im Betrieb sehr gut in den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, vielleicht gehört man aber auch zu den unteren 25%.
Größer ist immer besser. Oder?
Ist denn größer immer besser? Nicht unbedingt, denn mit zunehmender Kuhzahl ändern sich die Anforderungen. Vor allem für wachsende Betriebe ist es eine große Umstellung. Dann ändern sich alle Aufgaben für den Betriebsleiter. Mit 60 Kühen hat jemand noch viel allein oder mit Hilfe der Altenteiler gemacht und ist damit gut über die Runden gekommen. Mit denselben Bedingungen hat man bei 150 Kühen keine Chance. Die betrieblichen Abläufe muss man dann unbedingt optimieren.
Die Mitarbeiterführung wird zu einer der wichtigsten Aufgaben. Je größer ein Betrieb, desto wichtiger sind die eigenen Fähigkeiten zur Mitarbeiterführung. Das ist etwas, das man in der Ausbildung oder Weiterbildung kaum lernt. Die praktische Umsetzung, die muss man selbst lernen und da muss man selbst immer weiter dran arbeiten. Der Aufbau eines guten Teams, das ist eigentlich das Entscheidende. Denn solange man alle Probleme selbst lösen muss, kommt man nicht vom Betrieb weg. Bei 100 und mehr Kühen auf dem Betrieb ist es eine große Herausforderung, ein Team aufzubauen, das mehrere Aufgabenbereiche übernimmt. Der Betriebsleiter ist im besten Fall nicht derjenige, der alle Fehler oder Schäden reparieren muss. Denn mit zunehmender Betriebsgröße werden die Kleinigkeiten immer größer.
Besonders in Zeiten, in denen die Altenteiler nicht mehr mitarbeiten können und die eigenen Kinder vielleicht noch zu klein sind, sind gute Mitarbeiter umso wichtiger. Das können auch interessierte Nachbarn oder Geschwister sein, die Spaß daran haben, mal beim Siloabdecken oder während der Ernte mitzuhelfen. Aber auch für andere Tätigkeiten ist es immens wertvoll, mehr Aufgaben oder auch umfangreichere Aufgaben abzugeben, damit man selbst nicht erstickt in seiner Arbeit.
Kleine Betriebe haben aufgrund verschiedener Betriebszweige oft eine Doppelbelastung, zum Beispiel wenn man noch einer außerlandwirtschaftlichen Arbeit nachgeht. Oder wenn man mehrere Standbeine hat, z.B. Urlaub auf dem Bauernhof oder eine Biogasanlage.
Verfügbare Arbeitsstunden kalkulieren
Worauf kommt es also bei der passenden Kuhzahl an? Kann man die optimale Kuhzahl berechnen? Wenn man die Arbeitsstunden pro Kuh und Jahr betrachtet, dann kommen gut organisierte Betriebe oft auf rund 40 Arbeitsstunden je Kuh im Jahr. Diese Zahl liegt selten unter 30 Stunden, wenn sie ehrlich berechnet wird, liegt sie sogar öfter bei über 60 Stunden pro Kuh und Jahr. Wenn ein Betrieb besonders ungünstig aufgestellt ist, kann auch noch viel mehr rauskommen, über 100 Stunden pro Kuh im Jahr sind nicht ungewöhnlich.
Für den Betriebsleiter rechnet man oft irgendwo 2.500 Arbeitsstunden im Jahr. Umgerechnet pro Tag sind es bei einer 7-Tage-Woche im Schnitt sieben Stunden. Sieben Stunden am Tag hören sich vielleicht gar nicht so viel an. Dies sind jedoch nur Arbeitsstunden für die regelmäßigen Arbeiten. Für einen Vollzeitmitarbeiter rechnet man rund 1.800 Stunden.
Wenn man 100 Kühe mal 40 Stunden nimmt, kommt man auf 4.000 benötigte Arbeitsstunden pro Jahr. Dazu nehmen wir noch 33 erzeugte Nachzuchtrinder in einem Jahr, das sind rund 600 Stunden. Dann haben wir noch 75 Hektar zu bewirtschaften, mit rund 12 Stunden je ha. Damit kommt man auf rund 900 Stunden, dann haben wir noch allgemeine Arbeiten am Hof, das können grob 500 Stunden sein. Damit sind wir insgesamt bei rund 6.000 Stunden Arbeit. Wenn man da zwei Familienarbeitskräfte hat, die Vollzeit anzurechnen sind und eine Fremdarbeitskraft, dann ist der Betrieb mit 100 Kühen gut machbar, oder?
Mehr Kühe? Mehr Organisation!
Was ist jetzt besonders wichtig für wachsende Betriebe oder wenn man die Kuhzahl erhöhen möchte? Je besser man seine Arbeitsabläufe geregelt hat, desto besser läuft es. Denn geregelte Arbeitsroutinen können wertvolle Zeit einsparen und die Arbeitsstunden pro Kuh reduzieren.
Wenn Du einen Neu- oder Umbau deines Kuhstalls vorhast, solltest du unbedingt runde Arbeitsabläufe schaffen und die viel Baudetails auch passend umsetzen. Und genau da unterstützt dich der Kuhstallbau-Onlinekurs . Mithilfe des Kurses denkst Du bei Deiner Planung an alles Entscheidende und wirst keine wichtigen Details vergessen!
Mein persönlicher Tipp für dich: Kalkulatorisch würde ich mich niemals voll auslasten. Das bedeutet, dass man die 2.500 Stunden, die man pro Jahr zur Verfügung hat, nicht vollkommen verplant. Ich persönlich verplane nur rund 1.500 Stunden. Warum so wenig? Wenn man sich voll auslastet, bleibt keine Zeit mehr für Baustellen, für Urlaub, Hobbys und Freunde. Wenn man sich nicht vollständig verplant, behält man einen kreativen Zeitraum für zusätzliche oder außergewöhnliche Baustellen.
Ich kenne viele Landwirte, die zu fast nichts anderem als den Betrieb kommen, die sind da ständig und kommen kaum raus. Es ist leicht, immer viel zu arbeiten, wenn man über den Betrieb geht und überall die zu erledigenden Aufgaben sieht. Was man auch bedenken sollte, ist: Wenn man immer selbst die Arbeit macht, was ist dann, wenn man selbst krankheitsbedingt ausfällt? Oder mal weg möchte oder muss? Dann ist kein anderer da, der die Arbeiten macht. Das ist bei der Wahl der optimalen Kuhzahl ebenfalls zu bedenken.
Eigene Ziele definieren
Was eine sinnvolle Kuhzahl für einen erfolgreichen Betrieb ist, hängt auch von der eigenen Definition von „Erfolg“ ab. Für mich bedeutet es, dass ich meine eigenen Ziele verfolge, nicht die von Kollegen oder Beratern. Bei der optimalen Kuhzahl kommt zudem, welcher Unternehmertyp der Betriebsleiter ist. Ist man auf Fremdarbeitskräfte angewiesen oder macht man lieber Vieles selbst?
Wir haben seit Neuestem einen Festangestellten mit im Betrieb, sodass ich mehr Zeit für die Beratung habe und gleichzeitig die Baustellen gut vorwärts gehen. Das ist eine Entscheidung, die man bewusst treffen sollte und sich der Konsequenzen bewusst sein sollte, egal welche Größenordnung. Wenn du jetzt beispielsweise in einer 50 oder 100-Kuh-Größenordnung bist und du stellst dir 300, 400, 500 Kühe vor, dann musst du gut überlegen, ob die ganzen Konsequenzen, die damit verbunden sind, auch tragen möchtest. Ich persönlich könnte mir 500 Kühe gut vorstellen. Aber die Konsequenzen machen das dann nicht mehr so schmackhaft. Wir sind mit der 100-Kuh-Größenordnung sehr zufrieden, das läuft und macht Spaß. Und es gibt ja auch bei 100 Kühen immer wieder etwas, was nicht optimal läuft. Wenn da ein paar Kühe nicht laufen oder ein schlechtes Futter reingekommen ist, dann ist man auch froh, dass es nicht mehr Kühe sind.
Fakt ist, es gibt erfolgreiche Betriebe mit 20 Kühen, es gibt erfolgreiche Betriebe mit 70 Kühen, mit 150 Kühen, mit 400 Kühen, mit 2.000 Kühen. Ich habe in den USA auch schon einen erfolgreichen Betrieb mit 8.000 Kühen gesehen. Fakt ist auch, dass man sich seinen Betrieb so zusammenstellen muss, dass es für einen passt. Man muss schauen, dass es wirtschaftlich geht, so wie man das aufstellt. Wer jetzt von 20 Kühen leben möchte, der muss entweder seine Milch brutal gut vermarkten oder extrem sparsam wirtschaften. Das ist aber genauso möglich wie eine Herde mit 100, 200, 400 oder 800 Kühen und sich dabei voll auf die Milch und Kühe zu fokussieren. Alles ist möglich, alles hat seine Vor- und Nachteile.
Fazit der heutigen Folge: Ein Betrieb hat dann die optimale Kuhzahl, wenn er die eigenen Betriebsziele mit einer entsprechenden Anzahl Kühe erreicht, ohne dass der Betriebsleiter und die Mitarbeiter überlastet sind, sondern so, dass alle noch Spaß an der Arbeit haben. Und es gibt nicht die eine richtige Kuhzahl, sondern jeder hat seine eigene richtige Kuhzahl.
Wenn du von mir unterstützt werden möchtest, melde dich gern . Wir schauen uns gerne deine Planung an, ich gebe dir den ein oder anderen Hinweis und gleichzeitig schauen wir, ob und wie wir am besten zusammenarbeiten können.
Fazit
- Jeder Betrieb hat individuelle Voraussetzungen und Chancen.
- Mehr Kühe sind nicht automatisch immer besser, wichtig sind effiziente Arbeitsroutinen, bei kleinen und großen Herden.
- Wie groß die optimale Kuhzahl ist, hängt von den betriebsindividuellen Zielen ab und wie (mit wie viel Input) diese erreicht werden sollen.

Hallo schönen guten Tag
Ich bin der Herr und ich versuche eine Platz zu arbeiten. Ich kann diese Arbeiten sehr sehr gut.
Ich komme aus Ägypten
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