KSB 171 Plane deinen Stall nach deinem Tagesablauf

In dieser Folge geht es um den Tagesablauf, du erfährst, warum eine saubere Planung auch eine Arbeitsplanung beinhaltet.

In der heutigen Folge geht es um deinen Tagesablauf nach deinem Neubau, Umbau oder Anbau. Denn Stallplanung bedeutet nicht nur, dass Liegeboxen, Fressgänge, Futtertisch und Melktechnik irgendwo sinnvoll eingezeichnet werden. Stallplanung bedeutet auch, dass du dir vorher überlegst, wie deine tägliche Arbeit später wirklich ablaufen soll.

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    Stell dir vor, du kommst auf einen fremden Betrieb und sollst dort die Arbeit genau so machen, wie sie dir kurz gezeigt wurde. Du machst es dann auch so, aber irgendwie fühlt es sich nicht logisch an. Vielleicht würdest du zuerst eine andere Arbeit erledigen. Vielleicht wunderst du dich, warum ein Weg dreimal gegangen wird, obwohl es auch einfacher ginge. Vielleicht kennst du das aus der Ausbildung, vom Aushelfen auf einem anderen Betrieb oder von Erzählungen von Betriebshelfern.

    Genau solche Situationen zeigen, wie stark ein Tagesablauf von der Stallstruktur abhängt. Auf dem eigenen Betrieb fällt einem das oft gar nicht mehr auf. Man macht es halt so, weil man es immer so gemacht hat. Aber wenn du neu baust oder umbaust, hast du die Chance, diesen Ablauf bewusst neu zu denken.

    Warum der spätere Tagesablauf schon in die Planung gehört

    Wenn du heute in einem bestehenden Stall arbeitest, kennst du deine Wege. Du weißt, wo du zuerst hingehst, was du vorbereitest, wo du was findest, wo die Kühe getrieben werden und welche Arbeit parallel zu einer anderen läuft. Wenn du jetzt aber anbaust, umbaust oder auf ein anderes System umstellst, verändert sich dieser Ablauf.

    Vielleicht kommst du aus der Anbindehaltung und planst einen Laufstall. Vielleicht hast du einen Melkstand und überlegst einen Melkroboter. Vielleicht bleibt ein Altgebäude erhalten und ein neuer Bereich kommt dazu. Jede dieser Entscheidungen verändert die spätere Arbeit.

    Deshalb reicht es nicht, nur einen Stall zu zeichnen, der auf dem Papier gut aussieht. Du musst dir vorstellen können, wie du darin arbeitest. Wo startest du morgens? Wer macht welche Arbeit? Was läuft gleichzeitig? Welche Wege gehst du jeden Tag? Welche Wege gehen die Kühe? Und welche Arbeiten müssen schnell, sicher und möglichst ohne Umwege funktionieren?

    Der Punkt ist: Du bist derjenige, der die nächsten 20 oder 25 Jahre in diesem Stall arbeitet. Vielleicht zusammen mit deiner Frau, deinem Mann, deinen Eltern, deinen Kindern oder Mitarbeitern. Aber am Ende hast du das größte Interesse daran, dass dieser Stall zu deinem Arbeitsablauf passt.

    Ein Planer, Architekt oder eine Stallbaufirma kann dir viel abnehmen. Aber niemand kennt deinen Betrieb so gut wie du. Niemand weiß so genau, welche Wege du täglich gehst, welche Gebäude bestehen bleiben, wo das Futter liegt, wo Maschinen stehen und wie eure Familie oder euer Team im Stall arbeitet.

    1. Passe deine Stallplanung an deinen Arbeitsablauf an

    Der erste wichtige Punkt ist deshalb: Passe deine Stallplanung an deinen Arbeitsablauf an.

    Das klingt erstmal selbstverständlich. In der Praxis wird es aber sehr oft unterschätzt. Denn schon kleine Zeitverluste summieren sich gewaltig. Wenn du morgens fünf Minuten und abends fünf Minuten sparst, sind das zehn Minuten am Tag. Auf ein Jahr gerechnet sind das rund 60 Stunden. Auf 25 Jahre gesehen ist das ein halbes Jahr Arbeitszeit.

    Und fünf Minuten sind schnell verloren. Ein unnötiger Weg. Ein zu kleiner Vorwartebereich. Ein Tor, das an der falschen Stelle sitzt. Eine Abtrennung, die nicht zur Arbeit passt. Ein Fahrsilo, das ungünstig liegt. Ein Tierbereich, der nur mit Umwegen erreichbar ist oder immer eine extra Versorgung braucht.

    Bei uns auf dem Betrieb ist der Tagesablauf relativ klar aufgeteilt. Morgens gehen wir in der Regel zu viert in den Stall. Ich kümmere mich vor allem ums Füttern der Kühe und danach um Jungvieh, Trockensteher und alles, was rund um den Futtertisch dazugehört. Meine Frau melkt. Mein Vater treibt die Kühe, macht Liegeboxen, Tränken und weitere Stallarbeiten. Meine Mutter füttert die Kälber und ist am Anfang kurz beim Melken dabei, wenn die Kannenkühe kommen.

    Abends ist der Ablauf ähnlich, nur dass wir nicht füttern. Dann stehen eher Arbeiten wie Frischmelkerkontrolle, Klauenpflege, Verbandswechsel, Silo zurückdecken oder andere Kleinigkeiten an. Nicht immer sind alle da. Gerade abends kann es sein, dass noch Feldarbeit läuft oder jemand später kommt. Deshalb muss der Stall auch dann funktionieren, wenn nicht immer alle gleichzeitig mitarbeiten.

    Für unsere Planung war wichtig, dass bestimmte Arbeiten flüssig durchgezogen werden können. Ein Beispiel ist der Vorwartebereich. Wenn beim Melkstand nicht alle Kühe in den Wartebereich oder Auslauf passen, kann der Stallbereich nicht vollständig leer werden. Dann lassen sich Liegeboxen schlechter pflegen und Arbeitsabläufe geraten ins Stocken.

    Bei uns war das mit ein Grund für den Zweireiher. Wenn die Kühe im Auslauf und Vorwartebereich sind, ist der Stallbereich leer. Dann können Liegeboxen gepflegt und eingestreut werden. In Folge 90 habe ich bereits über die Vor- und Nachteile vom Zweireiher gesprochen. Wenn dich dieser Stallaufbau genauer interessiert, kannst du dir diese Folge zusätzlich anhören.

    Auch kleine Entscheidungen haben große Wirkung. Bei uns werden zum Beispiel die separierten Kühe und Frischmelker zuerst gemolken, damit die Milch gleich für die Kälber da ist. Das ist keine riesige bauliche Entscheidung, aber sie muss zum Ablauf passen. Genau solche Dinge machen einen Stall später rund.

    Ein anderes kleines Beispiel ist unser Golfcart. Wir haben an einer Stelle nicht nur einen Meter Gangbreite, sondern eineinhalb Meter. Dadurch können wir das Golfcart unter Dach parken. Wenn es regnet, steigen wir direkt trocken aus. Das ist kein riesiger Platzbedarf, aber für den Alltag sehr praktisch.

    2. Bleibe flexibel bei unterschiedlicher Anzahl an Helfern

    Der zweite Punkt ist: Bleibe flexibel mit unterschiedlicher Anzahl an Helfern.

    Auf vielen Betrieben ist es nicht jeden Tag gleich. Mal ist man zu zweit, mal zu dritt, mal zu viert. Manchmal ist jemand krank. Manchmal ist Feldarbeit. Manchmal fällt ein Altenteiler irgendwann weg oder kann nur noch kleinere Aufgaben übernehmen. Auch langfristig verändert sich die Personenzahl auf einem Betrieb.

    Bei uns ist der Stall so aufgebaut, dass es allein nicht wirklich gut geht. Ich möchte immer schauen, dass wir mindestens zu zweit sind. Zu zweit geht es gut, zu dritt leichter und zu viert noch leichter. Aber allein ist es im Melkstandbetrieb einfach schwierig, weil Melken und Kühe treiben nicht sauber parallel laufen.

    Das ist ein großer Unterschied zu einem Roboterstall. Im Roboterstall ist es oft leichter möglich, allein zu arbeiten. Wenn zum Beispiel 70 oder 100 Kühe mit einem oder zwei Robotern gemolken werden, kann die tägliche Stallarbeit auch allein funktionieren, dauert dann eben länger. Das ist ein echter Vorteil vom Roboter.

    Beim Melkstandbetrieb muss man sich dagegen sehr bewusst überlegen, wie die Arbeit organisiert wird. Natürlich kann man auch allein melken. Aber die Frage ist, ob es im Alltag Freude macht, ob es effizient ist und ob es langfristig tragbar bleibt.

    Flexibilität bedeutet nicht, dass alles jeden Tag perfekt gleich laufen muss. Natürlich mögen Kühe gleichmäßige Abläufe. Wenn normalerweise um halb sieben gefüttert wird und es plötzlich deutlich später wird, ist das nicht ideal. Aber das echte Leben auf einem Familienbetrieb ist nicht immer perfekt planbar.

    Deshalb ist wichtig, vorher zu überlegen: Was passiert, wenn wir heute nur zu zweit sind? Was können wir am Vortag vorbereiten? Welche Arbeit kann später erledigt werden? Welche Arbeit muss für die Kühe möglichst gleich bleiben? Wo nehmen wir eine kleine Verschiebung in Kauf?

    Der Stall muss also nicht nur für den Idealtag funktionieren. Er muss auch für die Tage funktionieren, an denen weniger Leute da sind. Genau das ist eine wichtige Überlegung in der Planung.

    3. Kaufe oder baue sofort, was du sicher brauchst

    Der dritte Punkt ist: Denke deine Stallplanung durch und kaufe oder baue alles, was du sicher brauchst.

    Damit meine ich nicht, dass man unnötig Geld ausgeben soll. Aber wenn du heute schon sicher weißt, dass du ein bestimmtes Hilfsmittel brauchst, dann plane es gleich mit ein und besorge es rechtzeitig.

    Ein Beispiel ist der Viehwagen. Bei uns stehen die Trockensteher nicht direkt neben den laktierenden Kühen. Zwischen den Bereichen liegen etwa 100 Meter und rund zehn Meter Höhenunterschied. Da kann man nicht einfach eine Tür öffnen und die Kuh in den nächsten Stall treiben. Wir brauchen dafür einen Viehwagen.

    Wir haben einen absenkbaren Viehwagen gekauft. Das funktioniert sehr gut. Man kann Tiere auch allein verladen, wenn die Verladestellen passend vorbereitet sind. Natürlich kostet das Fahren Zeit, aber wenn ich weiß, dass ich dieses Gerät brauche, dann macht es Sinn, es von Anfang an zu haben.

    Ein weiteres Beispiel ist eine Einstreuschaufel. Wenn du planst, deine Liegeboxen mit einer Einstreuschaufel einzustreuen, dann sollte diese Schaufel da sein, wenn die Kühe einziehen. Sonst beginnt der neue Stall sofort mit einer Übergangslösung. Du ärgerst dich, die Arbeit dauert länger und du kannst nicht testen, ob dein geplanter Ablauf wirklich funktioniert.

    Das Gleiche gilt für Hitzestressmaßnahmen. In den meisten Regionen im deutschsprachigen Raum braucht es irgendeine Form von Kühlung oder Unterstützung gegen Hitzestress. Das können Ventilatoren, Schläuche, passende Luftführung oder andere Maßnahmen sein. Wenn du weißt, dass du das brauchst, dann plane es nicht erst ein, wenn die Kühe im Sommer hecheln. Dann wird es teuer, hektisch und umständlich.

    Gerade die Anfangszeit nach dem Einzug ist ohnehin anstrengend genug. Die Kühe müssen sich an den neuen Stall gewöhnen. Kleine Fehler kommen ans Licht. Irgendwo funktioniert ein Ventil nicht. Irgendwo passt ein Detail nicht so, wie man es gedacht hat. Solche Dinge wird es immer geben.

    Deshalb solltest du alles, was du sicher weißt, vorher erledigen. Alles, was nicht fertig ist, wird später fünfmal oder zehnmal so mühsam. Man gewöhnt sich schnell an unfertige Lösungen. Dann liegt ein provisorischer Deckel plötzlich fünf Jahre da. Ein Geländer fehlt immer noch. Eine Abtrennung ist noch nicht verzinkt. Es funktioniert zwar irgendwie, aber fertig ist es nicht.

    Genau das kostet später Energie. Und diese Energie brauchst du nach dem Einzug für die Dinge, die du vorher wirklich nicht sehen konntest.

    Die Richtung muss vor dem Bauen klar sein

    Du wirst nie alles zu 100 Prozent vorhersehen. Das ist auch nicht realistisch. Es wird immer Punkte geben, die du später anders lösen möchtest. Aber du brauchst eine klare Richtung.

    Wie soll dein Tagesablauf aussehen? Wer arbeitet wann im Stall? Welche Arbeiten sollen parallel laufen? Welche Wege willst du vermeiden? Wo brauchst du Flexibilität? Welche Hilfsmittel müssen sofort vorhanden sein?

    Wenn du diese Fragen vor dem Bauen durchdenkst, wird dein Stall später nicht nur schöner oder moderner. Er wird vor allem alltagstauglicher. Und genau darum geht es. Ein Stall muss für die Kühe passen, aber eben auch für die Menschen, die jeden Tag darin arbeiten.

    Fazit

    Der geplante Tagesablauf muss durchgängig auf die Stallplanung passen.

    Erhalte dir Flexibilität für unterschiedliche Personenzahlen.

    Kaufe und baue die kleinen und größeren Helferlein sofort, wenn du sicher weißt, dass du sie brauchst.

    Wenn du gerade deinen Stall planst und prüfen möchtest, ob dein Grundriss wirklich zu deinen Arbeitsabläufen passt, dann lade dir den kostenlosen Grundriss Check herunter. Trag dich dazu einfach hier mit deiner E Mail Adresse ein. Ich schicke dir den Grundriss Check kostenlos zu, damit du deine Planung sauberer prüfen kannst.

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