KSB 172 Der unsichtbare Gorilla in Deiner Stallplanung

In dieser Folge geht es um den Gorilla in deiner Planung und ob du auf der Baustelle noch gut entscheiden kannst oder doch lieber die Planung tiefer geht.

In der heutigen Folge möchte ich mit dir über etwas sprechen, das beim Stallbau sehr häufig passiert, aber oft erst viel zu spät auffällt. Es geht um Punkte, die eigentlich offensichtlich wären, die man aber trotzdem übersieht, weil man mit dem Kopf gerade an einer ganz anderen Stelle ist.

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    Kläre die entscheidenden Fragen bevor du baust.

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    Vielleicht kennst du das berühmte Gorilla Experiment. Zwei Teams spielen sich Basketbälle zu. Die Aufgabe der Zuschauer ist einfach: Sie sollen zählen, wie oft sich das weiße Team den Ball zuspielt. Währenddessen läuft ein Gorilla mitten durchs Bild, bleibt sogar kurz stehen und verschwindet wieder.

    Und jetzt kommt das Spannende: Über die Hälfte der Versuchspersonen sieht diesen Gorilla gar nicht. Sie sind so stark auf das Zählen der Pässe fokussiert, dass sie das Offensichtliche übersehen. Mir ist das beim ersten Anschauen übrigens genauso gegangen. Ich habe den Gorilla auch nicht gesehen.

    Genau dieses Bild passt sehr gut zur Stallplanung.

    Viele Landwirte beschäftigen sich intensiv mit einzelnen Details. Da wird stundenlang über die perfekte Liegebox gesprochen. Tiefbox oder Hochbox? Welche Matte? Wie genau soll der Aufbau sein? Welche Erfahrungen haben andere Betriebe gemacht?

    Das sind alles wichtige Fragen. Aber manchmal ist das nicht der Punkt, der im aktuellen Planungsstand am dringendsten ist. Der eigentliche Gorilla in der Planung ist dann vielleicht der Grundriss, der noch nicht sauber durchdacht ist. Oder Tiergruppen, Wege, Abtrennungen, Arbeitsabläufe und Abläufe auf der Baustelle, die noch gar nicht richtig geklärt sind.

    Wenn der Fokus auf dem falschen Detail liegt

    Wahrscheinlich kümmerst du dich schon intensiv um deine Stallplanung. Du sprichst mit anderen Landwirten, holst dir Meinungen ein, schaust dir Ställe an und denkst über viele Dinge nach. Und trotzdem kommt irgendwann dieser Gedanke: Das ergibt sich dann schon auf der Baustelle.

    Genau diesen Satz hört man immer wieder. Und ich verstehe ihn auch. Nicht jedes Detail lässt sich am Schreibtisch perfekt festlegen. Manchmal muss man etwas vor Ort sehen. Manchmal erkennt man auf der Baustelle besser, wo eine Tür, eine Abtrennung oder ein kleiner Durchgang am besten passt.

    Aber es gibt eine Grenze.

    Auf der Baustelle kannst du Ausführungsvarianten anpassen. Du kannst vielleicht noch entscheiden, ob ein Tor ein Stück weiter links oder rechts sitzt. Du kannst eine kleine Abtrennung anders lösen. Du kannst manchmal eine praktische Verbesserung einbauen, weil du vor Ort die Situation besser erkennst.

    Was auf der Baustelle aber nicht mehr gut funktioniert, sind grundsätzliche Entscheidungen. Wenn Fundamente betoniert sind, Säulen stehen, Kanäle gebaut sind oder die gesamte Einteilung schon festliegt, dann wird jede Änderung aufwendig. Und manchmal wird sie gar nicht mehr sinnvoll möglich.

    Dann wird aus einem übersehenen Punkt ein teurer Kompromiss.

    Unser eigenes Beispiel auf der Baustelle

    Bei unserem Trockensteheranbau hatten wir genau so eine Situation. Es ging um eine kleine Melkgrube für die Abkalber. Wir wollten eine Lösung schaffen, damit wir das erste Gemelk nach der Kalbung angenehm melken können. Wer das schon einmal auf Stroh oder mit ungünstiger Haltung gemacht hat, weiß, warum so eine kleine Melkmöglichkeit im Abkalbebereich sehr angenehm sein kann.

    Am Plan war diese Lösung nur grob eingezeichnet. Wir hatten bewusst gesagt: Das schauen wir uns auf der Baustelle genau an.

    Dann standen wir dort. Meine Frau und ich haben zwei Stunden überlegt, aufgesprüht, verschiedene Varianten durchgedacht und versucht, die beste Lösung zu finden. Es ging darum, wo die Grube genau sitzen muss, wie die Kuh gut steht, wie wir genug Platz zum Arbeiten haben und wie der Weg der Kuh später sinnvoll funktioniert.

    Das Problem war nicht, dass kein Platz da war. Das Problem waren die Fixpunkte.

    Eine Säule mit Fundament war fix. Eine zweite Säule mit Fundament war fix. Die Einfahrt in die Strohbucht musste funktionieren. Und dann war da noch die Restfuttermauer am Ende vom Futtertisch. Genau diese Mauer war der Knoten im Kopf.

    Unsere erste Lösung hätte irgendwie funktioniert, aber sie war nicht ganz rund. Beim Entmisten der Strohbucht hätten wir mit einem Deckel arbeiten müssen oder ein kleines Eck in Kauf nehmen müssen, das sich nicht sauber räumen lässt. Es war also eine Lösung, aber keine richtig gute.

    Erst später, beim finalen Durchsprechen mit dem Maurer, kam der entscheidende Gedanke: Wir könnten die Mauer einfach unterbrechen.

    Das klingt im Nachhinein banal. Aber genau so ist es oft. Wenn man mitten in einer Baustellensituation steckt und mehrere Fixpunkte im Kopf hat, sieht man manchmal die naheliegende Lösung nicht sofort. Der Gorilla läuft direkt durchs Bild, aber man zählt gerade die Pässe.

    Durch diese Unterbrechung der Restfuttermauer konnten wir den Bereich anders lösen. Die Kuh kann später besser getrieben werden, die Einfahrt in die Strohbucht bleibt frei und die gesamte Lösung wird runder. Es war also gut, dass wir es noch erkannt haben.

    Aber dieses Beispiel zeigt auch: Solche Entscheidungen kosten Zeit. Und sie funktionieren nur, wenn die Grundstruktur vorher passt.

    Warum Grundsatzentscheidungen vor die Baustelle gehören

    Eine kleine Melkgrube lässt sich auf der Baustelle noch eher anpassen. Bei großen Grundsatzentscheidungen ist das anders.

    Wenn du erst auf der Baustelle merkst, dass der Grundriss nicht passt, wird es schwierig. Wenn die Tiergruppen nicht sauber eingeteilt sind, die Wege für Mensch und Kuh nicht funktionieren oder du erst dann feststellst, dass ein Fundament an der falschen Stelle liegt, dann wird es teuer und nervig.

    Deshalb braucht es vor dem Baustart ein möglichst klares Bild. Nicht jedes kleine Baudetail muss von Anfang an perfekt sein. Aber du musst wissen, wo du hin willst.

    Bei einer Stallplanung läuft es im Kern immer ähnlich ab.

    Zuerst klärst du die Zielstellung. Was soll mit dem Bau erreicht werden? Welche Tierzahlen sind geplant? Welche Gruppen brauchst du? Welche Arbeitsabläufe willst du verbessern? Beim Trockensteheranbau war bei uns zum Beispiel klar: Wir wollen die Trockensteher vor der Kalbung besser unterbringen, die Gruppen möglichst sozial stabil halten und den Bereich so gestalten, dass er für Kuh und Mensch gut funktioniert.

    Danach kommen die Grundsatzentscheidungen. Dazu gehört zum Beispiel die Frage der Entmistung. Wird mit Schieber gearbeitet? Gibt es Spalten? Wo braucht es Abwürfe? Welche Bereiche kommen auf Stroh? Welche Bereiche bekommen Liegeboxen?

    Anschließend müssen die Tiergruppen eingeteilt werden. Wo stehen die Frühtrockensteher? Wo stehen die hochtragenden Kühe? Wie läuft der Wechsel Richtung Abkalbung? Wie kommen die Kühe später wieder zurück zu den laktierenden Kühen?

    Erst wenn diese Dinge sauber geklärt sind, macht ein konkreter Entwurf Sinn. Dann wird gezeichnet. Dann wird geprüft, ob die Wege passen, ob die Flächen reichen und ob der Grundriss in der Praxis funktionieren kann.

    Danach gehört die Wirtschaftlichkeit dazu. Denn ein schöner Stall hilft wenig, wenn er später nicht tragfähig ist. Bevor viel Geld ausgegeben wird, sollte klar sein, ob das Projekt grundsätzlich machbar ist und ob der Betrieb die Belastung tragen kann.

    Erst danach kommen Genehmigung, Angebote, Detailplanung, Einkauf und Baustart.

    Warum der Grundriss vor der Liegebox kommt

    Viele springen in der Planung zu früh in die Details. Es wird über Liegeboxen, Matten, Fressgitter, Böden oder Technik diskutiert, obwohl der Grundriss noch gar nicht richtig steht.

    Natürlich müssen diese Dinge irgendwann entschieden werden. Aber sie kommen nicht ganz am Anfang.

    Wenn der Grundriss noch nicht stimmig ist, dann bringt dir die perfekte Liegebox allein nichts. Wenn die Wege unpraktisch sind, die Gruppenwechsel nicht funktionieren oder du später jeden Tag unnötige Meter läufst, dann hilft dir auch die beste Matte nicht in deiner täglichen Arbeit.

    Der Grundriss entscheidet darüber, wie du später arbeitest. Er entscheidet darüber, wie die Kühe laufen. Er entscheidet darüber, ob der Stall im Alltag ruhig funktioniert oder ob du ständig mit kleinen Kompromissen leben musst.

    Deshalb bin ich ein großer Freund davon, zuerst zu klären, was du überhaupt willst. Nicht zuerst drei fremde Pläne hernehmen und schauen, welcher irgendwie passt. Sondern zuerst die eigenen Anforderungen sauber sortieren.

    Was brauchst du für deine Kühe?
    Was brauchst du für deine Arbeit?
    Was passt wirtschaftlich zu deinem Betrieb?

    Wenn diese Fragen klarer werden, kann daraus ein guter Grundriss entstehen. Und dann macht es auch Sinn, später in die Baudetails einzusteigen.

    Was auf der Baustelle noch entschieden werden kann

    Trotz guter Planung wird es immer Dinge geben, die sich auf der Baustelle noch verändern. Das ist normal. Kein Plan ersetzt den Blick vor Ort vollständig.

    Aber die Frage ist: Welche Art von Entscheidung ist das?

    Sinnvoll sind auf der Baustelle vor allem kleinere Ausführungsvarianten. Also Dinge, bei denen das Ziel klar ist und nur die genaue Umsetzung noch angepasst wird. Zum Beispiel eine Abtrennung, ein kleines Tor, ein Durchgang oder eine praktische Änderung, die den Ablauf verbessert.

    Nicht sinnvoll ist es, auf der Baustelle noch Grundsatzfragen zu klären. Wo kommt welche Tiergruppe hin? Wie läuft die Entmistung? Wo sind die Hauptwege? Wie groß muss der Abkalbebereich sein? Wie ist der Roboter eingebunden? Wie funktioniert die Separation? Solche Dinge müssen vorher stehen.

    Wenn eine Lösung schon auf dem Papier nicht funktioniert, wird sie in echt nicht plötzlich besser. Papier ist geduldig, aber die Baustelle ist es nicht. Wenn du in der Zeichnung schon merkst, dass etwas zu knapp ist, dann wird es später im Stall meistens noch knapper.

    Darum braucht es klare Bilder im Kopf. Du musst wissen, wie gute Lösungen aussehen können. Du musst auch wissen, was du nicht willst. Und du brauchst ein Gefühl dafür, welche Folgen eine Entscheidung später im Alltag hat.

    Arbeitswirtschaft, Wirtschaftlichkeit und Tierwohl zusammen denken

    Bei der Stallplanung darf man sich nicht nur auf einen einzigen Punkt versteifen. Manche stellen die Arbeitswirtschaft über alles. Andere schauen fast nur auf die Baukosten. Wieder andere möchten beim Tierwohl möglichst keine Kompromisse machen.

    Alle drei Punkte sind wichtig. Aber keiner davon darf allein entscheiden.

    Ein Stall muss für die Kühe gut sein. Sonst leidet die Leistung, die Gesundheit und am Ende auch die Freude an der Arbeit.

    Ein Stall muss arbeitswirtschaftlich funktionieren. Sonst kostet dich jeder Tag unnötig Kraft und Zeit.

    Und ein Stall muss wirtschaftlich tragbar bleiben. Sonst bringt dir die schönste Lösung nichts, wenn sie den Betrieb dauerhaft überlastet.

    Die Kunst liegt darin, diese drei Bereiche zusammenzubringen. Genau dafür braucht es eine gute Planung. Denn viele Fehler entstehen nicht, weil jemand zu wenig arbeitet oder sich zu wenig Gedanken macht. Viele Fehler entstehen, weil der Fokus zu eng wird.

    Man zählt die Pässe und übersieht den Gorilla.

    Fazit

    Der Gorilla im Raum ist oft nicht offensichtlich.

    In vielen Planungen werden wichtige Punkte übersehen.

    Auf der Baustelle lassen sich nur noch Ausführungsvarianten sinnvoll anpassen.

    Wenn du die Gorillas in deiner Stallplanung aufdecken möchtest, dann melde dich bei mir für ein kostenloses Strategiegespräch. Dort klären wir gemeinsam, wo du gerade in deiner Planung stehst, was deine nächsten sinnvollen Schritte sind und ob ich dich mit der Kuhstallbau Erstplanung oder dem Kuhstallbau Onlinekurs unterstützen kann.

    In der nächsten Folge nehme ich dich mit auf unsere Baustelle. Dann geht es um den aktuellen Baufortschritt bei unserem Trockensteheranbau und wie es bisher gelaufen ist.

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