KSB 155 Gummimatten allein machen keinen guten Stall

Servus, in dieser Folge möchte ich hinterfragen, ob ein Stallbau dann gelungen ist, wenn der Laufgang mit Gummimatten gebaut ist. Grund dieses Themas ist ein Beitrag aus der Milchpur (Ausgabe 2, 2025, Seite 18-20. ‚So geht moderner Stallbau‘. Die Milchpur ist ein Magazin des Milchprüfringes Bayern. Den besagten Online-Artikel findest du hier.

Mit dieser Folge mache ich mich vermutlich bei Gummimatten-Herstellern unbeliebt. Das ist aber in Ordnung, denn ich möchte dir keine Gummimatten verkaufen. Mir ist wichtig, dass dein Kuhstall als Ganzes funktioniert und du zufrieden deiner täglichen Arbeit nachgehen kannst.

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    Einer meiner Kunden hat mir erzählt, dass er vor ca. 15 Jahren einen neuen Kuhstall gebaut hat. Dort hat er alle Laufgänge mit Gummimatten ausgestattet. Das Problem wurde schnell deutlich: Die Matten bzw. die Laufgänge waren sehr rutschig. Er bekam starke Probleme mit Mortellaro und Ballenhornfäule. Der Entmistungsschieber hat erst einzelne, dann immer mehr Gummimatten mit rausgerissen. Die mussten wieder hinein gebastelt werden. Nach etwa zehn Jahren hat er die Gummimatten aus den Laufgängen entfernt, gleichzeitig gingen viele seiner Probleme zurück. War der Stallbau bei ihm also „gelungen“, weil er Gummimatten eingebaut hatte? Oder hatte er am Ende mehr Geld ausgegeben als notwendig für die Matten und die folgenden Probleme?

    Wer sich bei deiner Stallplanung beeinflusst und warum

    Wenn man den Stall in dem Milchpur-Artikel anschaut oder Werbung für Gummimatten liest, kann man schnell die Überzeugung bekommen, dass es alles besser wird, wenn man den Stall mit Gummimatten auslegt. Ist das aber wirklich so? Diese Frage möchte ich genauer eingehen und überlegen, wer die Überlegungen beim Stallbau wirklich beeinflusst. Durch Berichterstattung in Zeitschriften und Hersteller-Werbung für Gummimatten werden wir stark beeinflusst. Frag dich einmal selbst:

    Wer beeinflusst deine Stallbauplanung? Da sind Hersteller, Anbieter verschiedener Produkte dabei oder auch Gutachter, Behörden oder Förderprogramme (Stichwort Auslauf). Zu den Einflussfaktoren können auch Besamungstechniker und deine Familie gehören. Frage dich einmal, welche Interessen diese Personen jeweils haben. Die Gummimatten-Hersteller wollen dir ihre Gummimatten verkaufen. Die Behörden wollen, dass du die rechtlichen Vorgaben erfüllst. Der Besamungstechniker möchte unkompliziert in den Stall und an die Kuh kommen. Jeder hat eigene Interessen und Bedürfnisse.

    Wichtig ist: Wenn du nur eine Quelle hast, die du fragst, bekommst du auch nur eine Lösung. Ein Gummimatten-Hersteller denkt an das Einbauen von Gummimatten in deinen Stall anstatt daran, was der vollständige Stall wirklich benötigt. Meine Botschaft an dich ist: Beachte, wen du fragst und was du wirklich brauchst. Bei Vertretern ist es nicht immer einfach, standhaft zu bleiben. Vor kurzem habe ich mit einem ehemaligen Kunden gesprochen, der sein Stallbauprojekt mittlerweile abgeschlossen hat. Der hat von sehr hartnäckigen Vertretern berichtet. Bestimmte Dinge wollte er einfach nicht in seinem Stall haben, aber sein Vertreter hat ihm immer und immer wieder gesagt „Doch, das brauchst du!“. Da wäre es viel einfacher gewesen, dem Vertreter alles abzukaufen, was er zu bieten hat, dann hätte er nicht so viel mit ihm diskutieren müssen.

    Es kommt nicht allein auf die Gummimatte an!

    Viel wichtiger ist, dass du einen Stall mit einem ganzheitlichen Konzept planst und baust. Melken, Füttern, Entmisten, Herdenmanagement und alles, was noch dazu gehört, sollten gut zusammenspielen und sich nicht nur auf einzelne Produkte fokussieren. Wie kann das funktionieren? Bei jedem Detail, das du planst, musst du genau wissen, warum es genau so geplant ist. Das beginnt schon am Anfang mit der grundsätzlichen Anordnung des Stalls. Frag dich:

    –       Warum ist der Stall so gedreht und nicht um 90° weiter?

    –       Warum sind die Curtains so eingebaut?

    –       Warum ist der Liegeboxenquerschnitt so geplant?

    Es gibt viele verschiedene Bereiche und genauso viele Stolperfallen, die dazu führen, dass etwas nicht ins Gesamtkonzept passt. So wie zum Beispiel die Gummimatten. Die Darstellung der Hersteller ist auf jeden Fall positiv, sie bewerben nur die Vorteile, nicht die Nachteile. Wie sieht aber die Realität aus? In dem Beispiel aus dem Artikel in der Milchpur schwingt mit, dass ein gelungener, moderner Stall auf jeden Fall Gummimatten beinhaltet. Die Gummimatte muss drin sein. Mein Kritikpunkt daran ist, dass Gummimatten kein Allheilmittel sind. Wenn die einem dadurch mehr Komfort versprechen, weil die Kühe stoßgedämpft laufen wie auf natürlichem Boden, frage ich mich: „Ist das wirklich so?“. Wenn die Emissionen im Stall durch die Gummimatten gesenkt werden sollen, ohne die anderen Emissionsfaktoren (wie zum Beispiel Entmistungsintervall, Laufganggefälle, verschmutzte Fläche je Kuh, Temperatur, etc.) zu nennen, finde ich das eine sehr einseitige Darstellung. Die Aussagen müssen nicht unbedingt falsch sein, aber zu sagen, dass ein Kuhstall mit Gummimatten auf den Laufgängen pauschal besser ist, greift zu kurz. Das belegt zum Beispiel dies von meinem Kunden, der die Gummimatten wieder herausgenommen hat.

    Ein gut durchdachter Kuhstall mit guten Liegeboxen kann definitiv auch ohne Gummimatten funktionieren. Denn in jeder Minute, in der die Kuh in einer guten Liegebox liegt, werden ihre Klauen nicht belastet. Deshalb frage ich mich, ob in einem modernen gelungenen Kuhstall das Augenmerk nicht viel mehr auf den Liegeboxen liegen sollte, bevor man Gummimatten im Stall verlegt. Und ist der Erfolgsfaktor für einen gelungenen Stall tatsächlich die Gummimatte oder sind das vielleicht doch die Gesamtplanung und das Management im neuen Stall? Wer zum Beispiel keine gute Klauenpflege bei seinen Kühen hinbekommt, hat sowohl bei Gummimatten als auch auf planbefestigten Böden schlechte Karten.

    Achtung bei Zahlen und Ergebnissen

    Eine andere Sache, die mir bei dem Artikel in der Milchpur aufgefallen ist: Auf der nächsten Seite war ein Interview mit der Firma Kraiburg. Dort betont der Hersteller, dass Gummimatten Emissionen reduzieren, den Kuhkomfort und das Tierwohl verbessern. Wenn man das kritisch einordnen möchte, muss man die Prozentangaben zur Emissionsminderung hinterfragen. Unter welchen Bedingungen wurden diese erhoben, sind sie vergleichbar? Das ist ein großer Kritikpunkt, denn man bekommt bei höheren Temperaturen hohe Emissionen und bei niedrigen Temperaturen eher niedrige Emissionen. Ich habe zwei Studien gefunden, die sich mit dem Thema beschäftigen:

    –       Eine Studie aus Norditalien (2018) zeigte, dass bei einer Gummimattenbeschichtung höhere Ausstöße von Treibhausgasen entstehen als im Vergleich zu unverkleideten Spaltenböden. Also das Gegenteil von den Aussagen in dem Milchpur-Artikel.

    –       Eine weitere Studie aus den Niederlanden (2016) zeigte, dass man die Emissionen in einem Kuhstall mit Gummiböden zwar um ca. 39 % senken kann, aber nur, wenn der Schieber alle zwei Stunden läuft. Es kommt also auf die genauen Bedingungen während der Versuche an: Temperaturen, Entmistung. Man muss immer genau hinschauen, wie gemessen und die Ergebnisse interpretiert wurden. Ansonsten vergleicht man da schnell Äpfel und Birnen miteinander.

    Eine spannende Zusammenfassung gibt es aus Italien von der Universität Catanien, diese fasst die wichtigsten Faktoren zusammen, die Emissionen im Stall beeinflussen, unter anderem die Reinigungshäufigkeit, Temperaturen und Belüftung im Stall und Laufneigung der Spalten. Behalte also im Hinterkopf, dass unterschiedliche Konzepte mit unterschiedlichen Ergebnissen und Zahlen kursieren. Wenn diese Zahlen blind in die Politik geraten, kann das zusätzlich gefährlich für die Landwirte werden. Denn wenn man im Kuhstall besondere Böden für mehr Geld einbauen muss, kann es zu nicht unerheblichen Steigerungen der Stallbaukosten kommen. Das ist gut für die Wirtschaft, aber schlecht für den Geldbeutel der Landwirte.

    Wo machen Gummimatten wirklich Sinn?

    Eins möchte ich klarstellen: Es gibt Bereiche im Stall, da sind Gummimatten sinnvoll und erforderlich, beispielsweise in engen Kurven beim Melkstandausgang. Nur sollte man nicht blind darauf vertrauen, was der Vertreter sagt, denn dieser verfolgt seine Verkaufsinteressen. Doch Gummimatten ersetzen kein Gesamtkonzept! Erst, wenn eine gut geplante Spaltenentmistung oder eine gut geplante Schieberentmistung zusammenkommen, würde ich einfach vorschlagen, Gummimatten einzubauen, wo sie sinnvoll sind und nicht überall, wo sie in der Werbung angepriesen werden.

    Fazit:

    Nur weil Gummimatten verbaut wurden, heißt es nicht automatisch, der Stall ist gut geplant. Das hat nichts miteinander zu tun.

    Frage dich, wer will dir aus welchen Interessen was verkaufen?

    Die Prozentangaben, die du in den Beschreibungen liest, sind nur aussagekräftig, wenn die Bedingungen vergleichbar und transparent sind.

    Wenn du jetzt wissen möchtest, wo Gummimatten in deinem Stall wirklich Sinn machen, dann melde dich gerne bei mir. Ich stehe für einen Stallbau, der unterm Strich komplett funktioniert, sozusagen die Baupraxis von Bauer zu Bauer und ich mische wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischem Stallbau. Sichere dir dazu einfach das kostenlose Strategiegespräch.

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