Der bestehende Stall mit Karussell soll zum AMS-Stall umgebaut werden. Dafür ist ein Anbau geplant. Wir wollen darüber sprechen, welche Herausforderungen er im aktuellen Betrieb hat, welche Umbaulösungen es gibt und wie er Arbeitskräfte gewinnen konnte, um mehr Zeit für sein Bauprojekt zu gewinnen.
Wenn du überlegst, einen Kuhstall neu oder umzubauen und dir wegen der Maße unsicher bist, dann hol dir dazu den Grundriss-Schnellcheck auf der Kuhstallbau-Homepage.
Mein heutiger Interviewgast kommt aus dem Landkreis Ravensburg im südlichen Baden-Württemberg und hält aktuell 200 Milchkühe in einem Laufstall aus dem Jahr 2001. Der motivierte Betriebsleiter möchte den Betrieb erweitern und modernisieren. Deshalb soll das alte 16er-Melkkarussell durch fünf automatische Melksysteme ersetzt und der Stall modernisiert werden. Für die Planungs- und Umsetzungszeit hat er zusätzliche Mitarbeiter aufgebaut. Wir kennen uns vom Kuhstallbau-Onlinekurs. Willkommen, Thomas Pfaff!
Thomas, was ist aktuell das Problem im bestehenden Stall, sodass du dich für den Umbau entschieden hast?
Die aktuelle Situation bei uns sieht so aus, dass wir pro Melkzeit etwa vier Stunden für das Melken und die Nebenarbeiten benötigen, in der Abkalbezeit sogar viereinhalb Stunden. Dann sind wir meist mit drei Personen für 9 Stunden im Stall gebunden. Diese Arbeitszeit möchte ich reduzieren, sodass wir auf etwa eineinhalb Stunden pro Melkzeit kommen, am besten zu dritt.
Wie ist der Zustand des alten Stalles?
Ich würde gerne die Maße im Stall anpassen, also Boxenlänge, Boxenbreite, Übergänge etc. Der Vorteil bei uns ist, dass der Wartebereich innen im Stall liegt und wir dort dann aus dem Fünfreiher einen Sechsreiher einbauen können. Nach dem Umbau kommt dann noch ein Antritt am Futtertisch dazu, da wir aktuell einen außenliegenden Futtertisch haben, der direkt an die Liegehalle angrenzt. Nach dem Umbau soll dieser länger werden und an einem Laufgang mit Antrittkante liegen. Zudem sollen die Hochboxen in Tiefboxen umgebaut werden, die bestehenden zwei Mittelgänge zwischen den drei Doppelliegereihen bleiben bestehen. Die hat mein Vater damals schon großzügig gebaut.
Und wo kommt der Anbau dazu?
Wir planen so, dass das Melkkarussell so lange genutzt wird, bis die Melkroboter installiert sind. Die Roboter sollen hinter dem Querkanal platziert werden, sodass die Kühe über den Zwischenbereich zwischen den Abwürfen aus den Liegeboxenreihen rausgehen und dann nach zehn Metern vor den fünf Robotern stehen. Wir haben dahinter nicht klassisch die Sonderbereiche wie Selektion und Frischabkalbebereich, da der Raum dahinter begrenzt ist. Hinter den AMS liegen die Fahrsilos. Die Sonderbereiche haben wir rechts und links von den Robotern geplant, links ist ein Separationsbereich geplant, rechts werden die Kühe für die Strohbereiche wie Frischmelker, Abkalber oder Krankenbucht selektiert. Damit haben wir immer noch schlüssige Wege für die Kühe und kann schnell auf die Roboter und Kühe zugreifen.
Was willst du im alten Stall noch ändern?
Im alten Stall wollen wir, nachdem wir den Special-Needs-Bereich seitlich der Roboter gebaut haben, das Melktechnikgebäude zurück bauen und dort neue Liegeplätze für die Kühe sowie einen freien Bereich für die Klauenpflege einbauen. Der Klauenpfleger soll die Klauen dann schneiden können, ohne den Melkbetrieb zu stören. Außerdem soll hinter den Jungviehbereich noch ein Auslauf gebaut werden, vor den Robotern wäre das zu knapp. Deshalb bauen wir mit Hilfe von zwei Futtertischbrücken einen Zugang zum Auslauf auf der Ostseite des Stalls.
Wenn man von oben draufschaut, sind dann Teile überdacht und Teile nicht?
Nein, das alte Stallgebäude und der Anbau werden mit einer Dachhülle direkt angeschlossen, sodass man im Roboterbereich auch im Winter geschützt ist. Das war ein wichtiges Kriterium für mich, zum einen wegen der Sonneneinstrahlung, zum anderen wegen eines scharfen Ostwinds, den wir im Januar und Februar manchmal haben.
Welche Hürden sind für dich mit dem Umbau verbunden?
Abgesehen davon, dass wir den Umbau während des laufenden Betriebs planen, ist die Höhenanordnung eine Herausforderung. Auf dem Standort, an dem der Stall steht, haben wir sowohl ein Längs- als auch ein Quergefälle von etwa 1,5%. Im neuen Selektionsbereich kommen wir aus dem Boden heraus. Dort wollen wir entweder den Boden anfüllen auf dasselbe Niveau vom Futtertisch oder ein Futterband einbauen.
Auf der anderen Seite beim Strohbereich sind wir auf demselben Niveau wie das restliche Betriebsgelände. Dort wird die Herausforderung sein, wie wir die Entmistung gestalten, besonders vor den Robotern und in den Selektionsbereichen. Wir haben schon Schieber, einzelne Abwürfe, Klappschieber und Entmistungsroboter angeschaut. Ein Roboter könnte die obere Selektion, den Bereich vor den Robotern und die Fressbereiche auf der anderen Seite abfahren und in den Querkanal entmisten. Die Schiebergänge im Stall bleiben vorhanden, werden aber um 50 cm versetzt. Da wir das im laufenden Betrieb machen werden, wird das im Zuge der Erneuerung der Doppelliegereihen passieren, nachdem man eine Liegereihe fertig gebaut hat, wird eine neue Schieberinne gefräst und installiert. Danach geht es zur nächsten Liegereihe. Das wird die größte Herausforderung, das im laufenden Betrieb zu stemmen und den zeitlichen Aufwand dafür so kurz wie möglich zu halten.
Du warst im Kuhstallbau-Onlinekurs dabei. Was war für dich der Auslöser, daran teilzunehmen?
Ich höre schon seit Jahren Podcasts und bin während meiner Planungsphase auf deinen Podcast gestoßen. Mich hat zu dem Onlinekurs bewogen, dass ich mir neue Impulse von außen einhole. Als du dich und den Kurs vorgestellt hast, war mir klar, dass da Know-How und Wissen dabei ist, da du dich selbst sehr intensiv mit deinem Stallbau beschäftigt hast. Damit deine Kühe einen Stall nach den neuesten Erkenntnissen haben, was Tierkomfort betrifft.
Du warst tatsächlich im ersten Kuhstallbau-Onlinekurs dabei. Hat der Kurs deine Planung stark verändert?
Wenn man es genau nimmt, planen wir den AMS-Umstieg und die Modernisierung schon seit 2019. Wir hatten zum Herbst 2020 bereits ein Projekt fast einreichfähig, waren aber nicht ganz zufrieden damit. Das war eine einfache Lösung: Melkhaus raus, einen kleinen Bereich umbauen, in dem Fall einen großzügigen Vorwartebereich planen. Mir persönlich hat das nicht gefallen, dass die Kühe über diese breite Front zu den AMS laufen können. Damals hatten wir drei plus einen Roboter geplant, der Roboterbereich wäre aber sehr beengt gewesen. Wir haben die Planung dann auf Eis gelegt, bis ich in deinen Kurs eingestiegen bin. Dann habe ich mir auch noch andere Meinungen und Beratungen eingeholt und habe aber zur konventionellen Melktechnik tendiert. Ausschlaggebend für die finale Entscheidung für die Roboter war 2022, als wir keine Mitarbeiter hatten. Da haben wir entschieden, dass wir zu zweit oder dritt etwas flexibler mit den AMS sind, besonders mit den saisonalen Höhepunkten in der Außenwirtschaft oder zu Abkalbezeiten.
Sind alle deine Fragen zu den Baudetails im Onlinekurs beantwortet worden?
Ich konnte durch den Onlinekurs die richtigen Entscheidungen treffen. Durch die verschiedenen Kapitel und Videos konnte ich mich gut auf die einzelnen Themen fokussieren, z. B. welche die richtige Tierzahl für mich ist oder ob Hoch- oder Tiefboxen für mich infrage kommen. Auch die Punkte Tränkeplatzierung, Kühlung und Lüftung haben wir im Kurs durchgearbeitet, dazu hätte ich mir sonst wenig Gedanken zu gemacht. Dein Leitfaden durch den Stallbau ist ein großer Mehrwert, ebenso wie das Netzwerk und die Community. Bei jedem Teilnehmer, der seine Planung oder das fertige Projekt vorstellt, nimmt man etwas mit und fragt sich „Wie mache ich das eigentlich bei meinem Stall?“. Man darf sich bei den Baudetails nicht verzetteln, aber am Ende seiner Planung sollte man schon zufrieden sein und sich hinterher im fertigen Stall nicht ärgern, dass man einige Dinge nicht gemacht hat.
Hat sich die Investition in den Kurs für dich gelohnt?
Die Investition hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt, besonders durch dein Wissen und die Hinweise der anderen Teilnehmer. Ein paar Dinge, die ich mit meinen Beratern zuhause übersehen habe, habe ich im Kurs noch betrachtet. Wo platzieren wir zum Beispiel Tränken und Bürsten? Wo macht der Laufhof Sinn, damit der nah an den Kühen ist und sie auch im Winter bei Frost dorthin laufen können? Wo platziere ich Tränken, die auch im Winter nicht einfriergefährdet sind? Das sind alles so Details, die man sich selbst überlegt. Im Kurs kommen dann gute Hinweise, zum Beispiel eine Liegebox wegzunehmen und stattdessen dort eine Tränke einzubauen.
Was mir im Onlinekurs besonders geholfen hat, war die Berechnung des gesamten Platzbedarfs mit der Excel-Tabelle. Ich hatte zwar eigene Vorstellungen zu der passenden Stückzahl von Kühen, konnte das aber noch einmal gut mit dem Ergebnis aus der Berechnung gegenüberstellen. Auch die Impulse von außen zu verschiedenen Themen wie Roboter, Tierkomfort etc. waren gut, z. B. von Christian Manser, Jan-Hendrik Puckhaber oder Steffi Geidel.
Du bist während deiner täglichen Arbeit im Stall mit acht Arbeitsstunden schon gut eingespannt. Daher hast du die Planungszeit zusätzliche Mitarbeiter angestellt, um dir Freiraum für Gespräche und die Planung zu schaffen und dich körperlich und psychisch zu entlasten. Warum hast du dich für die zusätzlichen Mitarbeiter entschieden?
Bevor wir die neuen Mitarbeiter eingestellt haben, haben mein Vater, ein Angestellter und ich im Stall gearbeitet. Der Mitarbeiter arbeitet schon seit 20 Jahren bei uns, kommt allerdings aus Polen und fährt alle vier bis fünf Monate für acht Wochen nach Hause. In dieser Zeit waren nur mein Vater und ich im Stall. Meine Mutter versorgt die Kälber von der Geburt bis zum Absetzen. Meine Frau hat eine 60%-Stelle woanders und kümmert sich um unsere beiden Kinder und hilft sporadisch auch im Stall aus. Eine meiner Schwestern hat früher am Wochenende auch geholfen, so konnten wir den Sonntag immer wechseln. Allerdings gab es immer Engpässe, wenn der Mitarbeiter im Urlaub war. Für die Buchhaltung, die Hofarbeit und die Außenwirtschaft haben wir noch weitere Helfer, sodass alles funktioniert hat. Aber für zusätzliche Projekte wie z. B. Gespräche mit Verpächtern oder eine Stallbauplanung war nie richtig Zeit da. Als wir in die Stallplanung eingestiegen sind, wusste ich nicht mehr, wo ich die Zeit dafür hernehmen sollte, die Zeit mittags und abends hat nicht mehr gereicht.
Als dann die Planung intensiver wurde mit Gesprächen und Ortsterminen mit den Architekten und den Beratern vom Förderprogramm, haben wir zwei Mitarbeiter eingestellt. Denn ich will ja mit dem Stallbau vorankommen, einen Abschluss finden und kam einfach nicht mehr weiter ohne Hilfe im Betrieb. In den vergangenen Monaten konnte ich also vormittags zuhause bleiben, war kaum im Stall, da zusätzlich zwei Personen vormittags und eine Person zusätzlich nachmittags im Stall waren. Ich habe mich dann mit der Stallplanung, Fütterungskontrolle und der Organisation der Außenarbeit beschäftigt. Damit hatte ich den Kopf frei. Ich bin froh, dass wir das so gemacht haben. Ich konnte mich zum Beispiel intensiv mit den Robotern beschäftigen und habe mir zwei Betriebe genauer angeschaut, um die feinen Unterschiede zwischen den Herstellern kennenzulernen. Daneben habe ich noch etwa 25 weitere Betriebe besichtigt und konnte durch die Mitarbeiter auch drei Tage am Stück wegbleiben.
Welche Arbeiten erledigst du noch selber, was hast du abgegeben? Habt ihr viele Arbeiten wie Klauenpflege ausgelagert?
Die Außenwirtschaft wie Säen, Spritzen, Düngen, Mähen, Schwaden und Abfahren machen wir selbst, das funktioniert seit Jahren ganz gut mit meinen Minijobbern. Das sind Tätigkeiten, die ich gut abgeben kann. In der Innenwirtschaft war ich früher morgens und nachmittags im Stall zum Melken und Füttern. Teilweise waren wir schon mal bis 22 Uhr im Stall, wenn der Mitarbeiter zuhause war und gerade eine Kuh gekalbt hat.
Jetzt haben wir eine Frau aus der Region angestellt, die vormittags sieben Stunden da ist und eine fünfeinhalb Tage-Woche hat: montags bis freitags und alle zwei Wochen mal ein Sonntag. Ein weiterer Mitarbeiter kommt aus Tunesien ist für viereinhalb Stunden täglich angestellt und hat wechselnde Wochentage. Damit ist es besser für alle geworden und entlastet alle.
Hatten die beiden neuen Mitarbeiter schon Erfahrung in der Landwirtschaft?
Die Mitarbeiterin stammt von einem Betrieb mit etwa 100 Kühen, daher hatte sie etwas Arbeitserfahrung. Der Mitarbeiter hatte vorher schon zweieinhalb Jahre auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Deutschland gearbeitet. Daher haben beide nicht bei Null angefangen, es brauchte jedoch noch so acht Wochen, bis alle Handgriffe saßen.
Was möchtest du zukünftigen Kuhstallbauern mit in die Planung mit auf den Weg geben?
Ich finde es wichtig, dass man weiß, was man in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren machen möchte. Denn so ein Stallbau wird mittlerweile nicht immer nur auf 20 Jahre finanziert. Das bedeutet, man bindet sich nicht nur finanziell daran, sondern richtet sein Leben danach aus. Das ist eine wichtige Grundsatzentscheidung. Zudem sollte man einfach in die Planung starten, die Details im Blick haben, aber sich darin nicht verlieren. Manchmal kommen andere Dinge wie Grünlandmähen dazu oder Urlaube von den Architekten oder Beratern, das bremst einen in der Planung etwas aus. Dann kann man sich gut auf ein paar Details konzentrieren. Mein Credo lautet da: Plane lang, baue kurz. Wenn du vorab alles bedacht hast, kann man die Bauphase relativ kurz halten.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg die Genehmigung und den Bau!
Wenn du den Austausch in einer Stallbau-Community spannend findest und es dich interessiert, ob dein geplanter Stall auch wirklich gut für dich und deine Kühe ist, dann melde dich bei mir. Wir finden bei einem Telefonat heraus, ob auch ich dir bei deiner Planung helfen kann. Geh dazu auf www.kuhstallbaum.com und trag dich für das kostenlose Strategiegespräch ein!
