KSB 153 Kuhstall bauen oder lassen? 5 Fragen für Klarheit

Heute möchte ich dir fünf Fragen mitgeben, die du dir stellen solltest, bevor es in die Planung deines neuen Kuhstalls geht.

Bevor du mit Plänen, Grundrissen oder Angeboten startest, steht eine ganz entscheidende Phase an. Es ist die Überlegung, ob ein neuer Stall wirklich Sinn macht.

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    Viele Landwirte stürzen sich direkt in die Planung und merken erst später, dass die Grundlage dazu fehlt, dass vielleicht der Standort nicht passt oder die Ziele unklar sind. Möglicherweise stellen sie irgendwann fest, dass der Milchviehbereich den Stallbau gar nicht tragen kann. Damit dir das nicht passiert, möchte ich dir heute fünf große Fragen mitgeben. Ich erzähle dir auch, wie ich diese Fragen für unseren Betrieb beantwortet habe und du siehst, wie das von der praktischen Seite aussehen kann.

    1. Was ist meine Motivation, zu bauen oder umzubauen?

    Zuerst hinterfragst du deine Ausgangslage. Warum denkst du überhaupt über einen Stallbau nach? Du kannst überlegen, was in deinem alten Stall nicht mehr passt. Vielleicht gibt es dort Probleme, die dich oder deine Kühe im Alltag belasten? Das können z.B. vermehrtes Auftreten von dicken Gelenken sein oder umständliche Arbeitsroutinen. Probleme mit der Tiergesundheit kann man oft auch in alten Ställen korrigieren. Bei Arbeitszeit und Arbeitsroutinen kann das in alten Ställen oft eine Herausforderung sein, wenn viel Handarbeit im Spiel ist, weil eine Mechanisierung aufgrund der Gegebenheiten in den Altgebäuden nicht möglich ist. Die zentrale Frage ist dann, ob du mit diesen Herausforderungen noch in fünf oder zehn Jahren leben oder arbeiten möchtest.

    Bei uns war es so, dass der alte Stall ein Umbau von 1987 war, also schon über 30 Jahre alt war, als wir angefangen haben, einen neuen Stall zu bauen. Der damalige Umbau war bereits ein Kompromiss und es war sehr eng im Stall. Die Liegeboxen und Laufgänge waren viel zu klein, die Übergänge zu schmal. Für unsere damalige Tierzahl war der Stall zu klein, wir haben über zwei Stunden pro Melkzeit gemolken. Ein einfacher Anbau wäre bei uns nicht möglich gewesen, sodass wir überlegt haben, dass wir eine Veränderung brauchen. Die Fragen, die du dir jetzt stellen kannst, sind folgende:

    –       Was ist deine Ausgangslage und warum denkst du über einen Stallbau nach?

    –       Siehst du Probleme im alten Stall?

    –       Bist du in deiner Arbeit oder die Kühe in ihrer Gesundheit eingeschränkt?

    2. Welche Ziele habe ich?

    Wie du dir die Zukunft vorstellst, ist die nächste Frage. Überlege dir, welche langfristigen Ziele du für deinen Betrieb hast. Langfristige Ziele können sein, zu wachsen, die Betriebsgröße zu halten oder auch sich zu verkleinern. Es kann bedeuten, dass du den Betrieb auch für die nächste Generation attraktiv halten möchtest, sodass in 15 bis 20 Jahren die Nächsten weitermachen wollen. Es kann auch bedeuten, dass du mehr Arbeitskomfort oder Freizeit haben möchtest oder du den Kuhkomfort für deine Kühe langfristig verbessern möchtest. Ob du langfristig überhaupt Kühe halten möchtest, ist noch eine andere Frage, die du dir vor der Planung unbedingt stellen solltest. Auf der einen Seite ist es eine wirklich schöne Arbeit, wenn es dir gefällt. Man kann relativ frei agieren. Auf der anderen Seite werden die Auflagen und Kontrollen immer schärfer, sodass man durchaus eingeschränkt wird. Der ungute Ruf in Teilen der Gesellschaft ist nicht immer leicht zu ertragen. Zudem ist man mit Kühen immer gebunden, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche trägt man die Verantwortung.

    Wir haben uns als Familie für die Kühe entschieden. Wir wollen weitermachen, aber wir wollen, dass die Arbeit einfacher geht. Es war uns sehr wichtig, dass wir gute Arbeitsabläufe hinbekommen, unseren Kühen besseren Komfort bieten können und wir die Arbeitswege verkürzen. Der neue Stall hat dann alle Arbeit an einem Ort gebündelt, daher war die Entscheidung einfach, weiterzumachen. Es ist also wichtig, sich vor der Planung darüber Gedanken zu machen, wie die Zukunft aussehen soll und stelle dir die Fragen:

    –       Wie soll der Betrieb in Zukunft aussehen?

    –       Welchen Arbeitsalltag wünschst du dir langfristig?

    3. Stimmen meine persönlichen Faktoren?

    Worüber du zudem nachdenken solltest, bevor du einen neuen Stall planst, ist deine Lebensqualität nach dem Stallbau. Das bezieht sich auf die Freude an einem neuen Stall mit möglicherweise neuer Technik, aber auch der Verantwortung und das Risiko für das Bauprojekt. Überleg dir, ob du das tragen kannst und das durchziehen kannst. Wichtig dafür ist unter anderem der Rückhalt von Familie und Mitarbeitern, besonders während der Bauphase. In dieser Zeit muss man sich auf bestimmte Menschen einfach verlassen können, damit man nicht mit Baustelle und Betrieb auf sich alleine gestellt ist. Wenn man keine Unterstützung oder sogar Ablehnung erfährt, ist so ein Projekt doppelt schwierig. Überlege in diesem Zusammenhang auch, in welcher Generationenfolge du dich befindest. Es kann hilfreich sein, wenn zwei Generationen aktiv mitarbeiten und in dieser stressigen Zeit zusammen an einem Strang ziehen.

    Wir hatten das Glück, dass die persönlichen Faktoren gut gepasst haben. Trotz des alten Stalls konnten wir als junge Familie mit meinen Eltern gut zusammenarbeiten. Unsere Lebensqualität ist nun auch eine andere, seitdem wir die Handarbeit im alten Stall durch Mechanisierung im neuen Stall verbessern konnten. Wir haben uns für einen Melkstand entschieden, bei dem trotzdem noch viel „Handarbeit“ übrig bleibt.  Doch wir melken unsere knapp 100 Kühe nun in eineinhalb Stunden (inkl. Vor- und Nachbereitung), das ist eine deutliche Verbesserung zu früher. Überlege du also vor deiner Planung folgende Fragen:

    –       Wie passen deine Pläne zur persönlichen Situation?

    –       Hast du den Rückhalt in deiner Familie für ein Bauprojekt?

    4. Passt mein Standort zu meinem Projekt?

    Bevor du in die Planung für dein Bauvorhaben trittst, überlege dir, ob du den richtigen Standort für dein Projekt hast. Eine wichtige Frage dabei ist, ob am bestehenden Standort eine Erweiterung möglich ist oder ob ein ganz neuer Standort benötigt wird. Nicht jeder Standort, der zunächst möglich erscheint, ist am Ende ein wirklich guter Standort. Vorab solltest du also überlegen, ob es Hürden seitens der Nachbarn oder der Genehmigungsbehörde gibt.

    In unserem Fall war es so, dass eine betriebliche Erweiterung in Richtung Süden gut möglich war. Wir haben dort zwar eine starke Hanglage, aber die Fläche darunter konnten wir begradigen. Wir hatten zudem das Glück, dass dort eine Straße entlangläuft und die Fläche dadurch schon ein Stück begradigt war. Südlich von unserem Betrieb und neben dieser Straße haben wir dann einen neuen Stall gebaut. Die sechs Meter Höhenunterschied haben wir mit dem Bagger ausgeglichen, auf der einen Seite haben wir drei Meter aufgefüllt, auf der anderen Seite drei Meter Höhe heruntergenommen. Insgesamt haben wir über 5.000 m³ Erde bewegt. Überlege dir also:

    –       Hast du einen klaren Standort?

    –       Kannst du die Hofstelle erweitern?

    5. Kann mein Milchviehbereich einen Stallbau tragen?

    Eine letzte Überlegung ist zudem, ob der Milchviehbereich in deinem Betrieb stark genug ist, um ein Bauprojekt wie einen Stallbau zu tragen. Überlege, ob das Vorhaben nicht vielleicht von einem anderen Bereich querfinanziert wird. Es gilt abzuwägen, ob der neue Stall den Betrieb auf eine neue Ebene bringen soll, damit du dich besser aufstellen kannst oder „nur“ die Probleme des alten Stalls beheben soll. Beide Optionen sind vollkommen legitim. Interessant, spannend oder auch schwierig kann das werden, wenn nach der Genehmigung der Förderantrag ins Spiel kommt und deutlich wird, dass die Ertragskraft der Kühe bescheiden ist oder der Aufwand im Verhältnis viel zu hoch ist. Wenn die Förderung für eine Photovoltaik-Anlage zum Beispiel ausläuft, die viel zum Betrieb beigetragen hat, kann es ebenfalls schwierig werden, sollte es vorher die beste Einnahmenquelle gewesen sein.

    Ich habe vor unserer Stallplanung viel gerechnet. Mir war wichtig, dass die Milchviehhaltung den Betrieb vorwärts bringt und den Stallbau tragen kann. Unsere Stallbaukosten und der Zinssatz waren niedriger als zu heutigen Bedingungen. Unsere Fördersituation war eher schlecht, wir haben deutlich unter 10 % der kompletten Bausumme Förderung erhalten. Das ist heute besser, besonders für Betriebe, die aus der Anbindehaltung kommen. Das sollte man auf jeden Fall nutzen. Je nach Region ist bei neuen Ställen eine Förderung von 25 % möglich. Überlege also vorher:

    –       Wie stark schätzt du den Betrieb ein?

    –       Welche Förderungen sind möglich?

    Fazit

    Kläre zuerst deine Motivation. Warum möchtest du bauen?

    Formuliere dein Ziel klar, was der Stall bringen soll.

    Triff deine Entscheidung bewusst, wenn die Grundlagen passen.

    Wenn du jetzt sagst „Ja, der Stall, der soll gebaut werden“, dann melde dich gerne bei mir. Trag dich dazu auf der Homepage auf das kostenlose Strategiegespräch ein und dann melde ich mich bei dir. Telefonisch sprechen wir dann deine Herausforderung ab, damit ich weiß, um was es bei dir geht. Und dann können wir, wenn’s passt, auch gerne zusammenarbeiten!

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