Heute geht es um Kraftfutter mahlen und mischen. Ich erkläre dir, wie es aktuell bei uns auf dem Betrieb läuft und wie es in Zukunft aussehen könnte. Am Ende der Folge kannst du überlegen, ob es für dich eine Variante wäre oder ob du zufrieden mit deiner aktuellen Lösung bist.
Bereits in Folge 73: Genug Platz für Futtermittel in Fahrsilonähe habe ich über den Lagerort von Futtermitteln gesprochen. Damals haben wir überlegt, wie wir eine Futtermittelhalle in die Nähe der Fahrsilos und des neuen Stalls bauen. Das haben wir 2022 auch getan. Dort lagert unser gesamtes Getreide des Jahres, auch Körnermais können wir für ein Jahr zukaufen und dort lagern. Daneben haben wir an unserem alten Stall im ersten Stockwerk unsere Mahl- und Mischanlage. Der alte Stall liegt etwa zehn Höhenmeter entfernt.
Wie mischen wir unser Futter aktuell?
Wie funktioniert das? Wir haben am alten Stall vier kleinere Silos nebeneinander mit jeweils 12 bis 18 m³, grob also je 9 bis 15 Tonnen Lagerkapazität. Das sind die Zwischenlager für Getreide und Körnermais. Von dort aus geht es mit einem 140-Liter-Schubkarren daneben in ein kleines Zwischensilo. Der Karren wiegt um die 80 kg, wenn er mit Getreide voll ist. Das Zwischensilo steht über der Gebläsemühle, dort schütten wir den Inhalt des Schubkarrens hinein. Das funktioniert soweit gut. Das Gebläse kann das Kraftfutter entweder in einen Futtermischer oder in ein Stoffsilo leiten. Diese zwei Varianten sind möglich. Wir können etwa fünf Tonnen dort mahlen und dann in den Mischwagen ablassen. Dort am alten Stall befindet sich ebenfalls ein 1000-Liter-IBC-Container für Melasse. Dieser steht erhöht, sodass die Melasse direkt in den Mischwagen laufen kann. Alle weiteren Komponenten für das Kraftfutter sind ebenfalls dort untergebracht, ebenso Raps- und Sojaschrot.
Wenn wir jeden Tag mit dem vollen Mischwagen dort vorbeifahren müssten, wäre das ziemlich unpraktisch. Daher mischen wir das Kraftfutter einmal in der Woche vor. Unser Futtermischwagen ist ein Zweischneckenmischer. Wir füllen den Mischwagen mit gehäckseltem Stroh (wenn das gerade in der Ration ist), geben dann Rapsschrot dazu. Das ist beides in der Futterhalle am neuen Stall gelagert. Dann fahren wir zum alten Stall, geben da Getreide, Körnermais und geschütztes Raps- und Sojaschrot, je nachdem, was in die Ration muss. Dann schalten wir den Mischwagen ein und geben die Säcke Mineralfutter dazu. Anschließend füllen wir die Melasse ein. Dann fahren wir wieder zurück zur neuen Futtermittelhalle und füllen die Vormischung in die Box. Für die aktuelle Tagesmischung füllen wir dann zuerst die Grassilage, dann die Vormischung (etwa zwei Schaufeln), dann das Maissilo. Anschließend fahren wir zum Wasseranschluss an der Futtermittelhalle und füllen Wasser in den Mischwagen. Zukünftig soll dort auch ein IBC-Container mit Wasser stehen, damit die Befüllung mit Wasser noch schneller geht. Während das Wasser einläuft, mischen wir. So funktioniert das Futtermischen recht gut.
Wie viel Arbeitszeit für das Vormischen?
Wir bringen das Getreide mit der Schubkarre zur Mühle. In den Vorrat dort passen etwa 16 Schubkarren, dann haben wir etwas über eine Tonne über der Bruchmühle. Dann muss man, je nachdem wie viel benötigt wird, die Mühle zwei- bis dreimal befüllen. Das dauert jedes Mal etwa zehn Minuten, dann muss man die Mühle wieder neu befüllen oder ausschalten. Pro Woche dauert es etwa 30 Minuten, dass wir das Getreide selbst brechen. Damit sind wir immer noch günstiger als in einer Mahl- und Mischanlage, aber trotzdem haben wir den Aufwand.
Dazu müssen wir wöchentlich den Melasse-Container wechseln, dazu holen wir ihn herunter, lassen den Rest in einen Restebehälter laufen und stellen den neuen Container wieder hoch. Das dauert etwa 15 Minuten. Bis alle Komponenten im Mischwagen sind, dauert es noch einmal etwa eine Stunde. Die Entleerung und das Aufräumen hinterher und Puffer, falls etwas mal nicht funktioniert, benötigt nochmal etwa 30 Minuten. Pro Woche sind wir also zwei bis drei Stunden mit dem Befüllen und Mischen der Vormischung beschäftigt.
Kann man das noch optimieren?
Jetzt habe ich überlegt, dass ich gerne eine Getreidekanone für die Futtermittelhalle hätte. Damit könnten wir das Getreide noch besser entnehmen, wenn die Box leer gemacht wird oder der Rapsschrot kommt. Bei der Anlieferung wird manchmal überdosiert, wenn Rapsschrot über das Förderband befüllt wird. Bei einer Ausstellung habe ich mich über Getreidekanonen informiert und bei einer Firma für Getreidetechnik nachgefragt, ob es für unsere Situation eine einfache und preiswerte Verbesserung gibt, besonders für das Befüllen der Mühle mit dem Schubkarren. Man könnte mit mehreren kleinen oder einer großen Förderschnecke und einem Mischcomputer arbeiten. Dann würde man etwa zehn Minuten Aufwand haben anstatt einer halben Stunde Schubkarrenschieben. Auf die Tonne Mehl gerechnet kostet das etwa gleich viel wie meine Arbeitszeit, die ich aktuell investiere. Faktisch kostet das jedoch zu viel Geld für den Nutzen, den das bringt.
Nach dem Gespräch habe ich noch weiter darüber nachgedacht: Das Rauf- und Runterfahren ist der eigentliche Aufhänger.
- Wie könnten wir die fertige Vormischung runter zum Stall bekommen, ohne dafür den Mischwagen zu füllen und wieder zu entleeren?
- Könnte man die Komponenten noch effektiver unterbringen?
- Macht ein Mischcomputer Sinn, der kleine Mischungen erstellt und ein alternatives Zwischengefährt fährt die Mischung dann runter zum neuen Stall?Auf eine gute Lösung bin ich nicht gekommen. Nach weiterem Überlegen kam mir der Gedanke: Was, wenn wir alles, was wir oben am alten Stall haben, in die neue Futterhalle unten integrieren könnten? Dort sind alle anderen Futtermittelkomponenten gelagert und man hat die direkte Anbindung an die anderen Fahrsilos auf einer Ebene. Ich habe eine Skizze erstellt, wie das aussehen könnte und bin zurück zum Stand des Getreidetechnik-Herstellers auf der Ausstellung gegangen. Dort haben wir das kurz durchgesprochen und das als realistische, effiziente Lösung besprochen.
Die Lösung sähe folgenderweise aus: Man hat dort in der Futtermittelhalle mehrere Behälter und einen Mischcomputer. Dieser kann die Vormischung täglich neu mischen, zum Beispiel nachmittags mit Solarstrom. Damit hätte man nicht mehr eine Wochenration, sondern eine frische Tagesration, so wie es in der Schweinefütterung gängig ist. Fraglich wäre noch:
– wie viel Melasse man tatsächlich einmischen könnte? Wenn eine Kuh etwa ein Kilo Zuckerrübenmelasse pro Tag braucht, müssten wir 100 Kilo Melasse einmischen.
– Wie man gehäckseltes Stroh in diese fertige Vormischung bekommt? Möglich ist es, aber es ist eine Frage von Preis und Aufwand.
Wenn man das Wasser ebenfalls mit dem Mischcomputer einmischen könnte und damit das Kraftfutter einweichen könnte, könnte man sich die Zeit sparen, bis das Wasser im Mischwagen ist. Damit hätten wir die Ration absolut exakt, täglich frisch und automatisiert gemischt.
Der Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe bei einem Mischwagenhersteller nachgefragt, ob es einen kleinen stationären Mischer gibt, der Tageskraftfuttermengen mischen kann. Problematisch ist, dass die Mischung unten an der Mischschnecke in einem vertikalen Mischer kleben würde. Gleichzeitig habe ich die Anforderung, dass ich in drei Minuten eine gute Tonne Kraftfutter im Mischwagen haben möchte, mit Wasser natürlich etwas länger, aber die Mischung sollten innerhalb von wenigen Minuten im Mischwagen sein. Mit einem normalen Mischer geht das nicht, normale Kraftfuttermischer können kein Wasser und keine Melasse mischen. Schrägmischer können Melasse, aber kein Wasser mischen. Eine Nassfütterung wie in der Schweinefütterung ist ebenfalls nicht möglich, weil die Rationen zu drei vierteln aus Wasser bestehen.
Eine Überlegung ist, ein 25m³ Außensilo zu kaufen, und die Melasse über eine Pumpe in den Mischer zu befördern. Auch Wasser wäre kein Problem. Bei gehäckseltem Stroh müsste man überlegen, ob man das mitmischt oder nicht. Mit einem Mischcomputer könnte man zudem auch die Mischung für die Trockensteher automatisiert vorbereiten. Die Lagerung der Komponenten wäre auch gut möglich. Die Lösung, die ich brauche, gibt es also faktisch noch nicht. Wenn du eine Lösung kennst, die für mich passt, lass es mich bitte wissen!
Die Idee dahinter ist, die Arbeitszeit von zweieinhalb Stunden pro Woche auf eine Viertelstunde pro Woche zu reduzieren. Das wäre das Ziel, damit sich die Anlage rechnet und einen wirklichen Mehrwert bringt. Damit würde ich eine Investition für gerechtfertigt halten.
Wie sieht deine Mischsituation aus?
Aufgrund meiner Erfahrungen und Situation möchte ich dich auch zum Nachdenken anregen. Ob man das Kraft- und Mineralfutter selbst mischt oder fertig zukauft, ist zuerst eine Grundsatzentscheidung. Dabei gibt es mehrere Optionen:
– Man kann das ganze Kraftfutter fertig gemischt zukaufen;
– Eiweiß-Komponenten zukaufen und einen Mahl- und Mischdienst hinzuziehen;
– Eiweißkomponenten zukaufen und selbst mahlen und mischen;
– Einzelkomponenten kaufen und einen Mahl- und Mischdienst hinzuziehen oder
– Einzelkomponenten zukaufen und selbst mischen.
Bei der letzten Option weiß man ganz genau, was in der Mischung enthalten ist und wie man es mischt. Zudem ist selbst gemischtes Futter bzw. die einzelnen Komponenten oft günstiger als fertig gemischtes Kraftfutter. In fertigem Kraftfutter weiß man teilweise auch nicht über die Qualitäten der Einzelkomponenten Bescheid. Trotzdem ist diese Variante gerade für Betriebe, die kleine Mengen benötigen, der einfachste Weg. Bei größeren Bedarfsmengen kann es Sinn machen, selbst zu mischen. Man ist damit flexibler bei Rationsveränderungen oder bei zusätzlichen Mischungen. Zudem hat man die volle Kontrolle über die Komponenten und deren Qualitäten. Auf der anderen Seite benötigt man für das eigenständige Mischen Lagerkapazitäten, Arbeitszeit und die dazugehörige Technik.
Wann lohnt sich die Eigenmechanisierung?
Ab wann ist die Eigenmechanisierung günstiger als das Fertigkraftfutter oder ein Mahl- und Mischdienst? Das kann man an verschiedenen Faktoren entscheiden:
– Wie hoch ist die benötigte Jahresmenge?
– Ist es auf dem Betrieb zentral mahl- und mischbar oder muss man viel hin- und herfahren?
– Ist die Technik schon vorhanden (z. B. genügend Förderschnecken)?
– Wie viel Aufwand steckt für dich tatsächlich dahinter?
Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Investitionskosten. Wenn diese Kosten gering sind und im Verhältnis zur benötigten Jahresmenge passen, ist eine Eigenmechanisierung schnell interessant. Achtung: Zu den Investitionskosten gehören nicht nur Mahl- und Mischtechnik, sondern auch Lagerkapazitäten.
Mein Tipp: Es funktioniert am besten, wenn man direkt am Lager mahlen kann und anschließend mischt, ohne dass man die Komponenten auf dem Betrieb groß hin- und herfahren muss. Bei den Eiweißkomponenten sind oft ganze Sattelzüge am günstigsten, ebenso bei zugekauftem Getreide oder Körnermais. Dort ist der Bezug während der Ernte oft günstig, weil dann die Kosten für die Zwischenlagerung und zusätzlichen Transport wegfallen.
Ein Beispiel: Ein Betrieb mit 100 Kühen, der im Jahr rund 150 Tonnen Energiefutter benötigt, kann Energiefutter direkt bei der Ernte in größeren Mengen kaufen statt über das ganze Jahr verteilt. Damit hat er einen Vorteil von mindestens 20 € pro Tonne. Auf die Gesamtmenge gerechnet sind das bereits 3.000 € im Jahr. Wer dann diese 150 Tonnen selbst mahlt, muss rund 10 €/t variable Kosten für Verschleiß, Strom und Arbeitszeit kalkulieren. Dennoch kann er die Kosten für den Mahl- und Mischdienst von rund 25 € pro Tonne sparen, was insgesamt rund 1.500 € im Jahr ausmacht. Zusätzlich würde dieser Betrieb etwa 100 Tonnen Rapsschrot in ganzen Sattelzügen beziehen, könnte er damit rund 30 € pro Tonne sparen, was wieder 3.000 € im Jahr ausmacht. Beim geschützten Raps und Soja wären die Vorteile wegen der geringen Mengen eher gering. Rechnet man diese Vorteile zusammen, kommt dieser Betrieb auf rund 7.500 € im Jahr, die er durch die Eigenmechanisierung einsparen kann. Diese Ersparnis könnte der Betrieb in Mahl- und Mischtechnik investieren. Diese Investition lohnt sich eher, wenn die Anlage 50.000 € kostet, bei höheren Investitionskosten (z. B. 200.000 €) wäre die Investition wahrscheinlich eher uninteressant.
Deine Aufgabe ist, zu ermitteln, ob eine Eigenmechanisierung beim Mahlen und Mischen des Kraftfutters Sinn macht. Alle Optionen sind dabei legitim, aber bedenke, dass man einige tausend Euro im Jahr einsparen kann!
Fazit
Beim fertig gemischten Kraftfutter verdient das Mischfutterwerk mit.
Ein Mahl- und Mischdienst kann auf Dauer viel teurer als die Eigenmechanisierung werden, je nach betrieblichen Voraussetzungen.
Mit einer runden Lösung kann man effizient Getreide mahlen und Kraftfutter mischen, gegebenenfalls mit kaum Arbeitsaufwand.
Mein Tipp: Die Kunden der Erstplanung und die Onlinekurs-Kunden haben im Bonusbereich eine Beispiellösung abgebildet mit möglichen Anordnungen. Daneben gibt es einen Leitfaden, wann sich die Investition lohnen kann. Wenn du aktiver Kunde bist, dann schau doch gerne in den Bonusbereich, wenn dich das interessiert. Und soll auch deine Planung eine runde Sache sein, dann melde dich bei mir. Wir telefonieren dann, ob ich dir dabei helfen kann. Geh dazu auf die Homepage kuhstallbau.com und trag dich da für ein kostenloses Strategiegespräch ein!
