In dieser Folge geht es um die zügige Umbauplanung auf zwei AMS bei einem Biobetrieb mit Weide.
In der heutigen Folge geht es um einen bestehenden Laufstall mit Melkstand, der zum AMS Stall erweitert und umgebaut werden soll. Die Besonderheit ist, dass gleichzeitig ein Weidezugang notwendig ist, weil es ein Biobetrieb ist. Unser Gast erzählt, wie er durch die Planung recht zügig durchgekommen ist.
Mein heutiger Interviewgast aus Bayern bei Kaufbeuren im Allgäu hält aktuell 70 Milchkühe im Laufstall aus dem Jahr 1996. Die Familie möchte auf 125 Kühe erweitern und die Arbeitswirtschaft verbessern. Dafür wird der bestehende 3-Reiher auf zwei AMS umgebaut und für Trockensteher und laktierende Kühe kommt ein neuer Teil dazu. Als Biobetrieb muss dabei die Weidepflicht erfüllt sein.
Was ist das Problem in deiner aktuellen Stallsituation?
In unserem jetzigen Stall haben wir einen Doppelsechser Melkstand und melken etwa 65 Kühe. Die Melkzeit ist für eine Person eigentlich nicht zu schaffen. Wir müssen die Kühe aufwendig umtreiben und haben einen außen angebauten Laufhof. Ohne Nachtreibevorrichtung brauchen wir zwei Personen, weil eine Person fast die halbe Melkzeit damit beschäftigt ist, Kühe zum Melkstand zu treiben.
Ein weiteres Problem ist unser Kälberstall. Der ist zu klein und die Kälber sind teilweise über den Hof verteilt. Als Biobetrieb kommt noch dazu, dass die jüngeren Kälber ab fünf Monaten auf die Weide müssen. Das ist mit unserem jetzigen Kälberstall nicht möglich, weil er ungünstig positioniert ist.
Ein großes Thema ist auch die Trockensteherhaltung. Wir haben eine große Gruppe mit nur wenigen Liegeboxen und einem Strohabteil. Dort kalben die Kühe auch ab. Wenn neue Kühe trocken gestellt werden, entsteht schnell Unruhe in der Gruppe. Dann treiben sich die Tiere gegenseitig um und es kann sogar zu Kälberverlusten kommen.
Insgesamt merkt man einfach, dass die Kühe in dieser Situation zu wenig Ruhe haben und teilweise zu wenig fressen. Viele Dinge sind über die Jahre gewachsene Provisorien. Sie haben lange funktioniert, aber für die Zukunft ist das keine zufriedenstellende Lösung mehr.
Wie ist dein bestehender Stall aufgebaut?
Unser Stall ist ein klassischer Allgäuer Warmstall aus dem Jahr 1996, ursprünglich gebaut für etwa 55 Kühe. Es ist ein dreireihiger Laufstall.
Zwei Jahre später wurde ein Auslauf mit Schieberbahn angebaut. Dort gibt es Außenliegeboxen und einen Futtertrog. Hinter dem Stall wurde außerdem ein Stadl gebaut, der heute für Trockensteher und Abkalbeboxen genutzt wird.
Wenn man Innenbereich und Auslauf zusammenrechnet, ist es praktisch wie ein Vier-Reiher mit zwei Futterbereichen. Fressplätze haben wir ausreichend, aber die Struktur ist über die Jahre etwas zusammengewachsen und nicht immer optimal.
Welche baulichen Einschränkungen musst du bei der Planung berücksichtigen?
Unser Vorteil ist, dass wir grundsätzlich Fläche zum Erweitern haben. Direkt unterhalb des Betriebs liegen etwa drei Hektar Weidefläche.
Allerdings gibt es eine Einschränkung durch ein angrenzendes FFH-Gebiet. Dadurch konnten wir den Stall nicht einfach nach hinten verlängern, weil der Abstand zum Wald zu gering geworden wäre.
Deshalb mussten wir die Planung ändern und den Stall eher in die Breite entwickeln. Statt nur einen langen Anbau zu machen, wird es zwei Futtertische geben und die Stallstruktur wird auf zwei Achsen verteilt.
Wie wird dein Stall künftig aufgebaut sein?
Der bestehende Drei-Reiher wird zum Zweireiher umgebaut und mit zwei Melkrobotern ausgestattet. Zusätzlich entsteht ein neuer Stallteil für Trockensteher und laktierende Kühe.
Die beiden AMS müssen in das bestehende Gebäude integriert werden. Das ist baulich etwas schwieriger, aber notwendig, damit die melkenden Kühe weiterhin freien Zugang zur Weide haben.
Der Bauablauf ist relativ klar geplant. Zuerst wird der neue Kälberstall gebaut. Danach kommen die Abkalbeboxen. Anschließend werden die beiden Melkroboter installiert. Erst danach folgt der große Anbau für die melkenden Kühe.
Wann soll der Stallbau starten?
Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs ist Anfang März 2026. Wenn Genehmigung und Förderung rechtzeitig durchgehen, soll der Kälberstall noch in diesem Jahr gebaut werden.
Die Umstellung auf die Melkroboter wird dann voraussichtlich im nächsten Jahr erfolgen, sodass die Anlage möglichst früh im Jahr in Betrieb gehen kann.
Wie weit warst du mit deiner Planung, als du in die Erstplanung gekommen bist?
Ich hatte mir vorher schon viele Gedanken gemacht und versucht, meine Ideen auf Papier zu bringen. Das waren aber eher grobe Skizzen auf kariertem Papier und nicht wirklich maßstabsgetreu.
Relativ schnell habe ich gemerkt, dass ich so nicht wirklich weiterkomme. Dann bin ich auf die Erstplanung gestoßen und habe mich dafür angemeldet.
Was war der Auslöser für deine Entscheidung, in die Erstplanung zu kommen?
Der eigentliche Auslöser war ein Gespräch mit meinen Eltern. Ich war nach dem Studium schon über ein Jahr wieder auf dem Betrieb und wollte endlich etwas verändern.
In meiner Ausbildung war ich zweimal auf Betrieben mit Melkrobotern und sehr guter Arbeitswirtschaft. Wenn man das einmal erlebt hat, fällt es schwer, wieder in ein altes System zurückzugehen.
Nach dem Gespräch mit meinen Eltern war klar, dass wir den Betrieb weiterentwickeln wollen. Ich sollte mir überlegen, wie der Stall in Zukunft aussehen soll und mich auch selbst um die Planung kümmern. In diesem Moment habe ich angefangen, mich intensiver damit zu beschäftigen und bin dann auch auf die Erstplanung gekommen.
Wie bist du in der Planung so schnell vorwärts gekommen?
Für mich war klar, dass ich unbedingt in die Stallbauförderung kommen möchte. Als Biobetrieb und Junglandwirt haben wir dafür gute Voraussetzungen.
Als ich Zugang zur Erstplanung bekommen habe, war Anfang November und draußen war das Wetter sehr schlecht. Die Maschinen waren eingewintert und es war eine gute Zeit für Büroarbeit.
Ich habe mich dann wirklich intensiv damit beschäftigt und in etwa zwei Wochen den Großteil des Kurses durchgearbeitet. Dadurch konnte ich sehr viele Entscheidungen relativ schnell treffen.
Wie bist du danach bei der Genehmigungsplanung vorgegangen?
Nachdem der Grundriss stand, habe ich ein Planungsbüro gesucht. Rückblickend hätte ich das früher machen sollen, weil viele Büros damals stark ausgelastet waren.
Der erste Entwurf kam kurz vor Weihnachten. Danach mussten noch einige Änderungen gemacht werden. Jede Änderung kostet aber Zeit, weil der Plan neu überarbeitet werden muss.
Bei uns kommt noch dazu, dass Bauanträge nicht digital eingereicht werden können. Alles muss in Papierform mit Originalunterschriften abgegeben werden. Dadurch entstehen zusätzliche Wege und Zeitverluste.
Wie ist der aktuelle Stand deiner Planung?
Aktuell sind alle Unterlagen eingereicht. Das Landwirtschaftsamt hat die Planung bereits geprüft.
Jetzt fehlt noch die endgültige Rückmeldung vom Umweltamt. Wenn dort alles passt, sollte der Bauantrag genehmigt werden und wir können in die Förderrunde gehen.
Wie zufrieden bist du mit deiner aktuellen Planung?
Ich bin momentan sehr zufrieden mit der Planung. Wenn ich mir den Plan anschaue, habe ich das Gefühl, dass die Lösung für unseren Betrieb sehr gut passt.
Hat dir die Erstplanung dabei geholfen?
Ja, auf jeden Fall. Besonders hilfreich war es, wenn der eigene Plan im Kurs gemeinsam besprochen wurde. Man bekommt von anderen Teilnehmern zusätzliche Perspektiven und Hinweise.
Alle haben Erfahrung im Umgang mit Kühen und können aus der Praxis berichten. Dadurch bekommt man oft Bestätigung oder auch neue Ideen.
Hat sich die Investition in die Erstplanung für dich gelohnt?
Ja, definitiv. Ohne die Erstplanung hätte ich diese Geschwindigkeit in der Planung nicht erreicht. Dann hätte ich die Förderrunde wahrscheinlich verpasst.
Außerdem gibt es viele Details, die man durch den Kurs berücksichtigt. Ich bin überzeugt, dass ich mir dadurch in Zukunft viel Arbeit und auch Ärger spare.
Welche Erkenntnisse hast du aus der Planung besonders mitgenommen?
Wenn man sich intensiver mit Stallbau beschäftigt, schaut man auch andere Ställe ganz anders an.
Man sieht plötzlich viele Details, bei denen man sich fragt, warum sie so gebaut wurden. Vorher hätte ich auf viele dieser Punkte gar nicht geachtet.
Zum Beispiel Themen wie Stallausrichtung, Sonneneinstrahlung oder Windrichtung. Solche Dinge sieht man auf einem Plan nicht automatisch, wenn man sich nicht bewusst damit beschäftigt.
Wie kombinierst du Melkroboter und Weide auf deinem Betrieb?
Für mich ist klar, dass das nur mit einem Weidetor funktionieren kann, das den Kuhverkehr steuert.
Die Kühe bekommen weiterhin eine TMR am Futtertisch. Die Weide ist eher eine zusätzliche Bewegungsfläche und Ergänzung zur Fütterung.
Deshalb nenne ich das gerne Joggingweide. Die Kühe können rausgehen und fressen, aber der Hauptfutterplatz bleibt im Stall.
Wo befindet sich der Weidezugang im Stall?
Der Weideausgang ist möglichst weit entfernt von den Melkrobotern geplant. Dadurch vermeiden wir Kreuzungsverkehr direkt am Roboter.
Mein Ziel ist, dass die Kühe zuverlässig zum Melken kommen und danach wieder auf die Weide gehen können. Ich möchte auf keinen Fall Kühe auf der Weide suchen müssen.
Was möchtest du anderen Betriebsleitern für ihre Stallplanung mitgeben?
Wenn ihr den Betrieb in Zukunft übernehmen wollt und Veränderungen plant, sucht frühzeitig das Gespräch mit euren Eltern oder der aktuellen Betriebsleitung.
Überlegt gemeinsam, wie sich der Betrieb entwickeln soll. Wenn ihr euch entschieden habt, etwas zu verändern, dann setzt es auch konsequent um.
Schiebt solche Entscheidungen nicht jahrelang vor euch her. Wenn man überzeugt ist, sollte man mit Motivation und Vollgas an die Umsetzung gehen.
Vielen Dank an Niklas Martin für das interessante Gespräch und die offenen Einblicke in seine Planung.
Wenn du deine Planung für einen Um- oder Neubau selbst in die Hand nehmen möchtest trage dich zum kostenlosen Strategiegespräch ein. Wir sprechen dann gemeinsam über die nächsten Schritte für deine Stallplanung.
