KSB 118 Automatisches füttern und melken im neuen Stall

Hier erfährst du, warum ein Milcherzeuger aus Österreich sich beim Stallneubau für einen Melk- und einen Fütterungsroboter entschieden hat. 

Heute geht es um automatische Helfer im Stall, die den Alltag mit Kühen erleichtern können. Dazu spreche ich mit einem Landwirt, der einen neuen Stall plant und das Melken und Füttern zukünftig von Robotern erledigen lassen möchte. Außerdem erzählt er uns, welche Erfahrungen er im Kuhstallbau-Onlinekurs gemacht hat. 

 

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    Mein heutiger Interviewgast kommt aus dem Mühlviertel in Oberösterreich. Sein bestehender Stall ist alt, eng und bietet keine Entwicklungsmöglichkeiten. Deswegen ist ein neuerer Stall direkt neben dem Jungviehstall geplant. Darin sollen ein Melk- und ein Fütterungsroboter die tägliche Arbeit erleichtern. Wir kennen uns vom Kuhstall-Onlinekurs. Willkommen, Markus Hofer! 

    Du hast Dich für einen Fütterungsroboter entschieden. Warum diese Technik? 

    Ich füttere zur Zeit mit einem Silokamm und mache mir schon länger Gedanken, wohin es in Zukunft gehen soll. Silokamm wird nicht mehr die Zukunft sein im neuen Stall. Wir müssten einen gezogenen Milchwagen für den Traktor kaufen und ein Entnahmegerät oder auch einen Selbstfahrer. Der Fütterungsroboter hat gewisse Vorteile. Ich müsste zum Beispiel nicht dabei sein, wenn gefüttert wird. Das würde mir zum Beispiel während der Ernte mehr Flexibilität geben. 

    Siehst Du noch weitere Vorteile gegenüber einem Selbstfahrer oder einem gezogenen Futtermischwagen?

    Ein Vorteil ist, dass der Roboter mehrere Male am Tag frisches Futter vorlegen kann. Die Vorratsbehälter oder die Futterküche, kann ich befüllen, wenn es mir passt. Wenn wir zum Beispiel silieren, kann ich das früh morgens machen. Zudem schiebt er immer wieder an. Das ist ein Vorteil, dass die Tiere nicht merken, ob Erntezeit ist oder nicht, sondern sie bekommen regelmäßig ihr Futter. 

    Ein großer Vorteil ist außerdem, dass der Fütterungsroboter verschiedene Rationen mischen kann, auch für kleine Trockenstehergruppen mit nur vier Kühen oder für das Jungvieh mischt er eine eigene Ration. Beim Selbstfahrer würde man wahrscheinlich nur zwei Rationen mischen.

    Welche Nachteile siehst du bei diesem System? 

    Störungen können ein Thema sein. Ich habe geplant, dass man zu Fütterungszeiten immer in Hofnähe ist und dass der Roboter vielleicht nachts nicht so viel fährt. Dann müsste man nicht unbedingt hinfahren, um die Störung auszustellen. 

    Ein Nachteil sind die Anschaffungskosten: Die liegen etwa so hoch wie bei einem Selbstfahrer. Auch der Wiederverkauf ist ein kritisches Thema. Der Fütterungsroboter ist sehr individuell und auf den Betrieb zugeschnitten. Da ist es natürlich einfacher, einen Selbstfahrer später wieder zu verkaufen, denn beim Roboter müssen Futterküche und Vorratsbehälter für den neuen Betrieb auch passen. 

    Welche Kriterien sind dir beim Fütterungsroboter wichtig für die Auswahl? 

    In der Futterlagerung ist mir die Flexibilität wichtig. Ich möchte reagieren können, wenn die Grundfutterqualitäten unterschiedlich sind. Wenn zum Beispiel ein Schnitt nicht optimal ist, kann man verschiedene Grasslilagen mischen und die schlechtere untermischen. Dann müsste man diesen Schnitt nicht allein füttern. Außerdem ist mir wichtig, dass ich auch Futtersorten wie Biertreber oder Zuckerrübenschnitzel ergänzen könnte.

    Diverse Hersteller bieten Vorratsbehälter an, aus denen das Futter gefräst wird. Das hat den Vorteil, dass dann keine Reste bleiben, die zusammengekehrt werden müssen. Andererseits ist der Wartungsbedarf für die Fräsen mit Messern höher. Außerdem würde ich bei Strom dann sehr abhängig sein. Eine 30 kW PV-Anlage habe ich bereits auf dem Dach, trotzdem wird das eine Herausforderung. Andere Hersteller bieten eine Futterküche, in der jeder Platz einem Futtermittel zugeordnet wird: Dort ist man dann etwas flexibler, man muss aber auch dort die Reste zusammenkehren, bevor man einen Block frisches Futtermittel dort nachwirft. Besonders im Sommer ist es wichtig, dass man die Hygiene erhält, damit man sich dort keinen Schimmel einfängt. 

    Hast du deine Futtertische anders geplant als bei einem Futtermischwagenbetrieb, in dem man die Durchfahrbreite auf dem Futtertisch braucht?

    Es wäre möglich, dass man den Futtertisch schmäler macht, wenn man nicht durchfahren muss. Wir werden den Futtertisch trotzdem breit bauen. Die Technik entwickelt sich immer weiter, ich möchte alle Türen offen halten, falls wir die Technik in zehn bis 15 Jahren nochmal ändern. Und ich möchte die volle Breite haben, damit auch noch ein vollwertiges Fahrzeug durchpasst. Dann ist es möglich, bei Störungen mit dem Traktor dort hineinzufahren und zu füttern. 

    Wie ist der geplante Stall aufgebaut? Wie würdest du jemanden deinen neuen Stall erklären, der noch nie deinen Stallplan gesehen hat? 

    Ich werde meine Halle verlängern. Die Futterlagerung nimmt etwa 10×10 Meter in Anspruch, für die Vorratsbehälter oder die Futterküche. Das werden wir zusammen mit dem neuen Stall bauen. Wir haben vor 10 Jahren einen Jungviehstall auf die grüne Wiese gebaut, einen Einreiher. Dort werden wir den Milchviehstall anbauen. Ich möchte den bestehenden Futtertisch dort nutzen. Also bauen wir einen Vierreiher mit drei Laufgängen und zwei Reihen gegenständigen Liegeboxen mit zwei Außenfuttertischen. Einen Futtertisch kann ich vom Jungviehstall mit nutzen, der andere wird neu gemacht. Ziel des Vierreihers ist, dass der Stall nicht so lang wird und die Wege zum Roboter nicht so lang sind. Ob wir mit einem oder zwei Robotern starten, ist noch nicht fix. Das Robotermelken ist ja ganz neu für uns. Ziel ist aber, dass wenn ein zweiter Roboter kommt und man die Halle erweitert, beide Roboter immer noch gut erreichbar für die Kühe sind. 

    Wie ist dann der Tankraum angeschlossen im neuen Stall?

    Zwischen Roboter und Tankraum liegen Separation, Selektion, Strohbereich, Abkalbebereich und Trockensteher. Das ist auch schon alles ausgelegt auf zwei Roboter. Stirnseitig sind dann der Sozialraum, Technikraum und Büro angeordnet. Wir haben diese Bereiche schon auf zwei Roboter ausgelegt, da man dort nicht mehr erweitern kann. Der Tankraum ist mit 31 m² auch auf zwei Roboter ausgelegt. Dort soll das Milchtaxi für die Kälbermilch stehen, die der Roboter dort abliefert. 

    Es ist ja noch nicht sicher, ob Du einen oder zwei Roboter einbauen wirst. Wie sind die Unterschiede zwischen neuen und gebrauchten AMS und was sind Deine Gedanken dazu? 

    Ich habe zwei Hersteller in der engeren Auswahl, da ist fast kein Unterschied zwischen den Angeboten. Man kann das natürlich nicht ganz genau miteinander vergleichen, weil der eine Hersteller die Zellzahl messen kann, der andere diese nur über die Leitfähigkeit bestimmen kann. So hat jeder Hersteller seine Pros und Contras. Grundsätzlich sind die neuen Roboter aber ziemlich ähnlich. 

    Bei den Gebrauchten hätte ich ein Angebot, das für zwei gebrauchte Roboter nur geringfügig teurer als ein neues AMS wäre. Bei dem Angebot wäre nur die Box gebraucht. Alles andere wie Vakuumpumpe, Kompressor und PC wäre neu. Bei zwei Robotern wären natürlich die Reinigungs- und Wartungskosten höher als bei einem Roboter. Wirtschaftlicher wäre es, einen Roboter voll auszulasten. Von der Lebensqualität wären zwei Roboter besser. 

    Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Entscheidung dann am Ende so knapp ist. Ich hatte mit einem größeren Preisunterschied gerechnet, sodass wir jetzt vielleicht doch gleich mit zwei Robotern starten. Das muss ich mir jetzt noch überlegen. 

    Du bist im aktuellen Kuhstallbau-Onlinekurs dabei. Was war der Auslöser für Dich, dass Du da mitgemacht hast?

    Ich verfolge deine Stallbaupost schon lange. Im letzten Herbst waren ein paar spannende Podcast-Folgen dabei. Und obwohl ich mir schon viele Ställe angeschaut hatte, habe ich gedacht: “Da investierst du jetzt.” Im Nachhinein gesehen ist das ein voller Mehrwert, dass ich dort teilgenommen habe.

    Wir haben im Herbst mit dem Kurs gestartet. Das war gut getaktet, weil es dann mit der Außenwirtschaft ruhiger wird. Wir hatten pro Woche einen fixen Termin. Zwischen den Modulen kann sich zum eigenen Projekt Gedanken machen. Ich habe mich den gesamten Herbst intensiv mit meiner Planung auseinandergesetzt, vom Licht über die Aufstallung, Melktechnik, Maschinenkosten und Tierwohl bis zu den Arbeitsabläufen. Ich habe vorher nicht gewusst, dass es so viele Einzelheiten gibt, mit denen man sich befassen muss!

    Was für mich sehr deutlich geworden ist, war der richtige Platz für die Klauenpflege.  Das ist aktuell bei mir nicht gut gelöst. Die Kühe sind nicht gewohnt, den Stall zu verlassen, sodass es nicht einfach ist, Tiere dort für die Klauenpflege rauszutreiben. Der Kurs hat mir geholfen, die Klauenpflege so zu planen, dass ich sie auch alleine machen kann, ohne, dass ein zweiter Helfer benötigt wird, der die Kühe nachtreibt. 

    Ein großes Thema war auch die Maschinenkostenberechnung. Dort sind mir richtig die Augen aufgegangen bezüglich der Thematik mit dem Fütterungsroboter. Momentan haben wir einen günstigen Silokamm zum Einfüttern. Das Kraftfutter füttern wir aber über eine Station. Wir haben dann den Silokamm mit einem Selbstfahrer und einem Fütterungsroboter verglichen. Es war sehr interessant, dass wir beim Selbstfahrer und beim Roboter auf dieselben Kosten gekommen sind. 

    Das sind Sachen, über die man sich vorher kaum Gedanken macht, wenn man nicht dazu angeregt wird in so einem Kurs und sich das gemeinsam anschaut. Wie war dein Gesamteindruck vom Kuhstall-Onlinekurs?

    Wir sind mittlerweile zu einer sehr homogenen Gruppe zusammengewachsen. Toll war der eine Live-Termin, bei dem Du uns allen Deinen Stall gezeigt hast. Sich einen Tag Zeit zu nehmen und jedes Detail einmal durchzusprechen war toll. Mittlerweile weiß jeder im Kurs, wie weit der Stand beim anderen ist mit dem Stallbau, wo vielleicht der Schuh drückt. Das gefällt mir sehr. 

    Was ist Dein Tipp für zukünftige Stallbauern? 

    Erstens: Jeder, der ein Projekt vor sich hat, sollte einmal beim Gusti vorbeischauen. Ich habe auch geglaubt, dass ich schon viele Ställe gesehen habe und mich auskennt. Aber hier noch einmal jedes Detail durchzuarbeiten, ist sehr hilfreich. Was ich jedem mitgeben möchte, der baulich etwas macht, ist, dass er den nächsten Erweiterungsschritt immer schon im Kopf hat. Wenn man jetzt etwas umbaut, wie kann man das später erweitern, wie ist das möglich? Denn die Zeit geht schnell um. Wenn man sich Betriebe von vor 20 Jahren anschaut und bedenkt, wie schnell die Automatisierung voranschreitet, finde ich das sehr wichtig.

    G: Vielen Dank für das Gespräch und ich wünsche Dir viel Erfolg bei Deinem Bau!

     

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