Hier erfährst Du, wie Du mit der Planung beginnst, wenn Du etwas in deinem Betrieb verändern möchtest.
Ich möchte heute darüber sprechen, an welcher Stelle man mit der Planung beginnt, wenn man eine Idee für einen Umbau oder die Not hat, auf dem Betrieb etwas zu ändern. Das zeige ich anhand eines Praxisbeispiels und gebe Tipps, was helfen und wie man dabei vorgehen kann.
Manchmal hat man eine Idee und kommt nicht richtig ins Handeln. Im Moment haben viele Betriebe mit Anbindehaltung zum Beispiel das Problem, dass baulich etwas passieren muss, wenn es weitergehen soll. Auch in funktionierenden Ställen kann es bestimmte Punkte geben, die man gerne verbessern möchte. In beiden Fällen möchte man etwas verändern, weil der aktuelle Zustand nicht zufriedenstellend ist.
Wenn man erst einmal mit der Planung angefangen hat, ist man meist froh darüber. Wer sich keine Zeit nimmt, um nach vorne zu gehen, bleibt definitiv auf der Stelle stehen!
Am Anfang steht ein weißes Blatt Papier
Als erstes sammeln wir Ideen. Mein Tipp: Ein weißes Blatt Papier nehmen und alle Ideen aufschreiben. Wenn man es verschriftlicht, muss man sich selbst und das Gehirn sortieren. Neben den Ideen schreibt man auch seine Ziele auf. Ziele können zum Beispiel sein, dass man keine aufgeschürften Gelenke oder haarlose Stellen an den Kühen hat. Man möchte der Kuh den höchstmöglichen Komfort bieten, keine Sackgassen im Stall haben, gut zugängliche Tränken schaffen und einen hygienischen Futtertisch auf dem die Kühe hohe Futteraufnahmen realisieren können.
Dieser Zettel mit den Ideen ist nicht nach 30 Minuten fix und fertig. Man kann Ideen hinzufügen, die man zum Beispiel in Fachartikeln gelesen hat. Auch über Gespräche oder diesen Podcast kommt man auf neue Ideen. Im Kuhstallbau-Onlinekurs erhält man durch andere Kuhbauern neue Ideen. Damit kann man weiter überlegen.
An welchem Punkt setzt man an? Beim Umbau heißt das zum Beispiel, dass man sich den Stallplan anschaut. Dort hat man die Fundamente, Wände und Säulen, also festgelegte Bereiche, die man nicht so einfach verändern kann. Daneben gibt es noch Bereiche, die leicht veränderbar sind, z. B. Liegeboxenbereiche oder planbefestigte Gänge für Schieber oder Spalten. Futtertische kann man rausnehmen oder auch behalten. Beginnt man mit der Planung, kann man sich den Stallplan vornehmen und dort einzeichnen, was man behalten und verändern möchte.
Tipp: Man kann den “entleerten” Stallplan vorab einige male kopieren und dann mit verschiedenen Entwürfen befüllen. Oft sieht man erst beim Zeichnen die Problemstellen.
Praxisbeispiel: Den Trockensteherbereich verbessern
Bei uns stehen die Trockensteher im alten Stall. Nach dem Bau des neuen Stalls haben wir im alten Stall einen Bereich entkernt und dort einen Tiefstreubereich für zwei Abkalbeboxen gebaut. Die Spalten und der Fressbereich sind geblieben, das war ein sehr einfacher Umbau, dazu gibt es auch eine Podcast-Folge. Im hinteren Bereich des alten Stalls sind die alten Mittelhochboxen mit eingestreuten Gummimatten geblieben. Dort haben wir die alten Abtrennungen herausgeflext und flexible Liegeboxabtrennungen eingebaut, um den Kühen mehr Komfort zu bieten. Die Liegeboxen waren sehr eng, trotzdem war der Bereich mit 18 Liegeboxen insgesamt recht großzügig, da meist dort nur 10 Kühe untergebracht sind. Durch diese deutliche Unterbelegung funktioniert es, ist aber trotzdem keine langfristige Lösung. Denn: Ziel ist für mich eine hohe Milchleistung über 10.000 Milch pro Kuh und Jahr mit gesunden Kühen.
Um bei der Milchleistung weiterzukommen, ist der Trockensteherbereich eine Engstelle. Die Entspannung, die diese Gruppe neben einer guten Fütterung benötigt, ist dort nicht vorhanden.
Welche Optionen gibt es für mehr Kuhkomfort bei den Trockenstehern?
Das Problem ist also erkannt. Wie könnte man das verbessern? Der heutige Standard wären für mich große bequeme Tiefboxen. Diese bieten den größtmöglichen Kuhkomfort. Man könnte die Trockensteher auch komplett auf Stroh halten oder auf Stroh mit einem befestigten Fressbereich. Eine Alternative wäre auch ein Kompoststall. Schauen wir uns diese drei Ideen einmal genauer an:
Tiefboxen: Bequeme Liegeboxen benötigen ca. 3 m Länge und 1,25 m Breite. Diese Boxen kann man nicht auf unsere bestehenden Doppel-Liegeboxen mit 4 m (Kotschwelle bis Kotschwelle) bauen. Die einzige Möglichkeit wäre, aus den Doppelliegeboxen einreihige Liegeboxen zu bauen. Dafür fehlt uns aber der Platz. Das habe ich an verschiedenen Skizzen schon probiert.
Kompoststall: Funktioniert gut mit mechanischer Bearbeitung wie Grubbern. Mir persönlich ist es jedoch lieber, mit Einstreu zu arbeiten.
Strohbereich: Wäre ein sehr einfacher Umbau, das haben wir bei den Abkalbeboxen schon gesehen. Man könnten den Unterboden herausnehmen und neu aufbetonieren. Diese Option ist mit überschaubarem Aufwand (auch finanziell) verbunden. Man hat zwar einen erhöhten Strohbedarf und wir müssten viel Stroh zukaufen, dafür ist der Tierkomfort auf Stroh sehr gut. Die Arbeit für Entmistung und Nachstreuen muss auf jeden Fall geregelt sein. Bei uns könnte man das gut mit einer gemeinsamen Achse mit dem Abkalbebereich machen, so dass man beide Bereiche gemeinsam entmisten könnte. Das Einstreuen könnte man über Löcher in der Decke regeln und das Stroh über dem Trockensteherbereich lagern. Das machen wir bei den Abkalbebereich so, das funktioniert gut. Sollte der Betrieb in Zukunft noch wachsen, könnte man die Trockensteher auslagern und diesen Bereich ebenfalls für die Abkalber nutzen. In unserem Fall wäre also dies unsere favorisierte Lösung.
Warum eine gute Planung so wichtig ist
Wichtig beim Neubau ist, dass man immer an spätere Arbeitsgänge und -abläufe denkt.
Mein Tipp: So planen, wie man einen Stall auch anschaut, also erst grob die Umrisse aus der Ferne, dann einzelne Bereiche und zum Schluss erst die Details im Inneren.
Warum es so wichtig ist, zu planen, merkt man, wenn man täglich im fertigen Stall arbeitet. Ein Beispiel: Man baut einen Stall für 100 Kühe neu oder um. Bei ca. 40 Stunden Arbeitszeitbedarf pro Kuh und Jahr sind das im Jahr bei 100 Kühen 4.000 Stunden. Wenn man so plant, dass man hier und dort 5 Minuten Arbeitszeit für sich und die Kuh sparen kann, spart man sich am Ende viel Arbeitszeit.
An den Kosten kann man bei einem Stallbau nicht ganz viel drehen. Entscheidend ist dann, ob man es hinbekommt, die Arbeit gut zu planen. Genau diese Themen und die Details behandeln wir im Kuhstallbau-Onlinekurs. Dort gibt es wertvolle Ideen, die wir gemeinsam mit anderen Kursteilnehmern besprechen. Wenn Du Interesse hast, dann melde dich bei mir. In einem kurzen unverbindlichen Telefonat finden wir heraus, ob das für dich passen kann.
In meinem Beispiel mit dem Strohbereich für die Trockensteher entscheiden die Details, wie gut die Entmistung und das Einstreuen funktionieren. Auch wo Liegeboxen und Tränken platziert sind, muss das gut durchdacht sein. Dabei hilft es auch, mit Freunden oder Bekannten zu sprechen. Denn wenn man Dinge laut ausspricht, werden vielleicht auch noch die eine oder andere Problemstelle klar, die einem selbst noch nicht bewusst war. Durch die Rückfragen von Freunden und Kollegen wird die Planung dann Schritt für Schritt noch konkreter.
Ein Tipp, wenn du Ideen sammelst: Mach Fotos, wenn du irgendwo hingehst und Kuhställe besichtigst.
Oder wenn Du in Facebook-Gruppen auf tolle Ideen stößt oder im Kuhstallbau-Onlinekurs. Ich habe mir die Fotos in Ordnern auf dem PC abgespeichert, man kann das auch auf dem Handy speichern oder eine Whatsapp-Gruppe mit der Familie erstellen und die Fotos dort abspeichern. Die Fotos kann man dann in der Planung einbauen.
Was macht man mit den Plänen?
Wie kommt man dann zur Umsetzung, wenn man die Pläne gemacht hat?
Mein Tipp: Nachdem man Gedanken und Ideen gesammelt hat, in den Kuhstallbau-Onlinekurs kommen. Dort kommen wir von der groben Planung in die Baudetails.
Danach geht man auf einen Bauplaner oder Architekten zu, der dann die Ideen in einen wirklichen Plan fließen lässt. Von dem aus geht es in die Genehmigung weiter, wenn alle Fragen geklärt sind. Währenddessen kann man schon gut mit Firmen über einzelne Produkte sprechen. Nach der Genehmigung geht es dann schon konkret in die Bauphase oder in die Angebote und Käufe.
Fazit:
- Erkenne deinen Engpass und sammele Ideen zur Verbesserung
- Schreib die Ideen aufs Papier
- Mach dir Pläne und diskutier das Ganze
- ab in die Umsetzung!
Fandest du diese Folge spannend? Dann könnten diese Kuhstall-Folgen auch etwas für Dich sein. Hör doch mal rein:
Den Stallbau vom Ende her denken
Erreiche große Ziele mit Zufriedenheit
3 Schritte deiner erfolgreichen Planung

Ein Kommentar zu „KSB 117 Wie startet man in die Planung? “