In dieser Folge erfährst du, was bauliche Engpässe sind, wie man diese erkennt und damit den Stall und die eigene Arbeit verbessert.
Heute möchte ich Bewusstsein schaffen, was mit baulichen Engpässen gemeint ist, wie man sie findet und löst. Das ist eher ein Thema für Umbauten als für den Neubau. Beim Neubau beschäftigt man sich im Idealfall vorab intensiv mit der Planung und es sollte gar nicht zu baulichen Engpässe kommen.
Beim Umbau hingegen sieht man schon eher, dass etwas besser laufen könnte. Das kommt Dir bekannt vor? Dann könnte dies eine interessante Folge für Dich sein!
Was sind bauliche Engpässe?
Was sind bauliche Engpässe überhaupt? Das sind meist bauliche Gegebenheiten, die dich an einfachen Arbeitsabläufen hindern. Es können Zeitfresser oder Übergangslösungen sein. Vielleicht hat man im Altbau mal etwas umgebaut, das noch nie zu 100 % funktioniert hat. Die Arbeit könnte schneller oder deinen Kühen könnte es besser gehen. Das praktische Problem, wenn man immer so weitermacht und sich nicht damit beschäftigt?
Man arbeitet länger für weniger Milch.
Das Bankkonto könnte besser gefüllt sein und/oder man könnte mehr Kühe in derselben Arbeitszeit melken.
Bauliche Engpässe können überall am Stall und in den Arbeitsabläufen sein, zum Beispiel beim Melken. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Kursteilnehmer des Kuhstallbau-Onlinekurses mit ca. 100 Kühen hat einen Melkstand, der tendenziell zu klein ist. Die Kühe müssen teilweise über den Futtertisch laufen. Beim Kühe treiben müssen die Gruppen getrennt bleiben, was gar nicht so einfach ist. Insgesamt sind dort die Bedingungen im Kuhstall und für die Arbeitsabläufe ungünstig, da vieles mit einem hohen Zeitaufwand verbunden ist. In diesem Fall löst er das Problem mit einem AMS, einer Separation nach dem Roboter und einem Anbau, der die Platz- und Luftverhältnisse im Stall deutlich verbessert.
Das Füttern kostet auch viel Arbeitszeit. Ein Beispiel: Ein Betrieb ist langsam gewachsen und die verschiedenen Tiergruppen sind über den gesamten Hof verteilt. Das führt dazu, dass Futter hin- und hergefahren werden muss. Bei Altgebäuden kann dazukommen, dass die Gebäude verwinkelt sind und man aufgrund niedriger Deckenhöhen oder Futtertischbreiten nicht mit dem Mischwagen hineinfahren kann. Das bedeutet zusätzlichen Aufwand: Man muss Futter dort abladen, dann das Futter mit der Schubkarre oder dem Hoflader auf den Futtertisch fahren.
Liegeboxen können auch ein baulicher Engpass sein. Bei Hochboxen sieht man häufig, dass die Gummimatten fertig sind. Oder die Aufstallung ist kaputt, was zu Reparaturkosten führt. Vielleicht sind die Liegeboxen auch zu klein, sodass kein Kopfschwung möglich ist. Das ist ein ernsthaftes Problem und nicht einfach zu lösen. Denn wenn die Kühe sich nicht richtig ablegen, führt das zu weniger Milch. Auch Klauenprobleme können zunehmen, weil man längere Standzeiten hat.
„Die Milch wird im Liegen gemacht“ heißt ein Sprichwort.
Alles, was man der Kuh an Komfort nimmt, führt automatisch zu Beeinträchtigungen.
Den Blick schärfen und Engpässe erkennen
Wie erkennt man jetzt die baulichen Engpässe? Was mir dabei hilft, ist es, alles aufzuschreiben, was auffällt. Erst durch das Aufschreiben sammelt man seine Gedanken. Das ist ähnlich wie in der vorletzten Folge bei der Stallbauplanung. Man kann auch einen Stallbau- oder Haltungsberater einladen. Die sind ganz fit und sehen Dinge, die dem Landwirt oder den Kühen einen Nachteil bringen. Man kann auch andere Landwirte einladen, zum Beispiel aus einem Arbeitskreis. Dann muss man darauf achten, dass befreundete Landwirte nicht zu nett und zu wenig ehrlich zueinander sind. Es kann vorkommen, dass jemand einen baulichen Engpass sieht, es aber nicht anspricht, weil er seinem Freund nicht zu nahe treten möchte. Es ist also wichtig, dass ein respektvoller, aber ehrlicher Austausch stattfindet. Was auch helfen kann, ist, wenn man versucht, die Vogelperspektive einzunehmen, also man sich selbst von oben beobachtet. Das ist in der Vorstellung erst einmal etwas ungewöhnlich. Ich habe das selbst schon ein paar Male ausprobiert und finde das recht interessant. Man sieht die ein oder andere Sache doch etwas anders.
Eine Möglichkeit ist zudem, den Kuhstallbau-Onlinekurs zu nutzen. Ein Beispiel aus dem Kurs: Ein Teilnehmer mit ca. 70 Kühen hat einen Melkstand und möchte eine zusätzliche Separationsgruppe schaffen. Außerhalb des Melkhauses hätte er eine Möglichkeit, eine Strohbucht zu schaffen. Dort könnte er Kühe einzeln halten, zum Beispiel nach der Kalbung. Er könnte dort auch Kannenkühe separat halten und am Anfang melken und hätte die Milch sofort bei den Kälbern. Dort hätte er einen separaten Futtertisch, der jedoch aus Platzgründen nicht mit dem Futtermischwagen befahrbar wäre. Zusammen mit den anderen Teilnehmern des Kuhstallbau-Onlinekurses haben wir dazu Gedanken gesammelt. Eine Idee ist nun, die Kühe beim Verlassen des Melkstands in den ersten fünf Liegeboxen laufen zu lassen und diesen Bereich dann abzutrennen. Mit ein paar zusätzlichen Abtrennungen kann dann auch eine Person diese Kühe zum Melken treiben. Wenn du deinen Stall modernisieren oder umbauen möchtest, oder vom Melkstand auf den Melkroboter wechseln möchtest, melde Dich gerne bei mir.
Engpässe auflösen
Wie löst man jetzt die baulichen Engpässe, die man selbst gefunden hat oder durch andere hat finden lassen? Man hat zum Beispiel jetzt eine Liste mit acht Dingen, die gelöst werden können. Zu jedem Punkt überlege ich dann, wie groß der Nachteil wäre, wenn der Engpass nicht gelöst wird und wie groß der Vorteil, wenn er gelöst wäre? Man kann z. B. die Arbeitszeit berücksichtigen. Wenn man dann zum Beispiel einen neuen Stall braucht, weil es anders nicht lösbar ist oder im Vergleich dazu im alten Stall eine Stunde länger braucht, dann kann man das gegeneinander abwägen. Beim Thema Hitzestress hätten die Kühe im Sommer weniger Milchleistungsabfall, weniger Druck auf die Klauen, wenn man etwas verbessert. Hitzestress-Maßnahmen lohnen sich eigentlich immer, ist aber auch eine Kosten-Nutzen-Rechnung.
Wenn es zum Beispiel ums Melken geht und das anders lösen möchte, etwa mit dem Roboter, kann man das wirtschaftlich betrachten oder/und arbeitswirtschaftlich. Man sammelt dann Pro & Contra und schaut, was für einen selbst das Wichtigste ist. Wenn man dann erkannt hat, was den größten Mehrwert bietet, sollte man damit anfangen. Wenn man jedes Jahr ein paar Dinge macht, ist es nicht so viel auf einmal und man bleibt immer dran. Übrigens: Die Liste an baulichen Engpässen ist niemals fertig, da kann man immer etwas dazunehmen, Dinge streichen und flexibel bleiben. Wichtig ist, immer etwas zu machen, dann ist der Stall auch nie alt, auch wenn das Baujahr älter ist.
Praxisbeispiel Abkalbebox
Zwei Beispiele von mir: Wir haben aktuell zwei Abkalbeboxen für bis zu zehn Tiere. Mir ist es wichtig, dass die Kühe gruppenweise in die Abkalbebox kommen, um den sozialen Stress vor der Kalbung möglichst gering zu halten. Im alten Stall gibt es einen Bereich, der noch nicht umgebaut wurde. Dort ist eine Strohbox mit etwa 4×4 m möglich, also eigentlich etwas zu klein. Ziel wäre, dass man dort Kühe einstallt, die über dem Kalbezeitpunkt sind, damit die neue Gruppe der Abkalbenden in die große Abkalbebox nachrücken kann. Oder man bringt dort in diese Box die Kuh, die gerade frisch abgekalbt hat. Dann kann man sehen, wie viel diese Kuh gefressen hat. Bei uns bekommen die Kühe etwas Kraftfutter nach der Kalbung. In der Einzelbox kann dann keine andere Kuh dieser das Kraftfutter wegfressen. Daher hätte diese Maßnahme schon einen Mehrwert und Vorteile, aber natürlich auch Investitionskosten, die für den Umbau notwendig sind.
Ein zweites Beispiel ist unser Kälberstall. Aktuell haben wir 18 Plätze für die Einzelhaltung. Dort stehen die Kälber etwa vier bis sechs Wochen oder bis zum Verkauf. Dort hätte ich gerne einen zusätzlichen Stall für die ganz kleinen Kälber, sodass ein Rein-Raus-Verfahren möglich wäre. Aktuell geht das nicht so einfach. Manchmal ist der Kälberstall auch zu klein, wenn viele Kalbungen in kurzer Zeit stattfinden. Das ist also ein baulicher Engpass und arbeitswirtschaftlich etwas aufwändig, wenn viele Kälber da sind. Dazu gehört auch ein Kälberstall für Kälber zwischen vier und zwanzig Wochen, da haben wir auch Bedarf, etwas umzubauen.
Es gibt also immer kleinere oder größere Dinge, die umgebaut werden sollen. Damit muss man sich beschäftigen, abwägen und dann einfach machen.
Tipp: Dazu auch die Folge 117 „Wie komme ich in die Planung“ hören. Wenn man weiß, was man machen möchte, muss man in die Planung kommen.
Fazit:
- Bauliche Engpässe sind kleinere oder größere Gegebenheiten, die Nachteile mit sich bringen.
- Zum Erkennen hilft ein Blick von außen oder die Vogelperspektive.
- Überlege Umsetzungsmöglichkeiten und lege los!
Wenn Du schon bald einen Umbau planst oder aktuell schon einen Stall planst, Dir runde Arbeitsabläufe und durchdachte Baudetails wichtig sind, melde Dich bei mir. Wir klären in einem kurzen Telefonat, wie eine Zusammenarbeit aussehen kann und dann bist Du vielleicht schon bald dabei!
