KSB 122 – Stromverteilung im Kuhstall sichern

In dieser Folge geht es um die Elektrik im Umbau und die Stromverteilung im Altbau. Du erfährst, worauf man achten sollte. Zum Thema Elektrik habe ich eine E-Mail von einem Hörer bekommen:

„Servus Gusti, mir ist wegen eines Ereignisses heute Nacht eine Idee gekommen. Es geht um das Thema der Stromabsicherung in der Unterverteilung. Wir haben dieses Jahr einen Frequenzumwandler für die Vakuumpumpe eingebaut und im Zuge dessen die Absicherung in der Unterverteilung geändert. Vorher war immer, wenn irgendwo ein Fehlstromauftrag war, automatisch der ganze Stall tot, es liefen also auch Mistschieber, Milchkühlung und Brunnenpumpe für die Wasserversorgung nicht mehr. Da ich diesen Zustand für unhaltbar hielt, habe ich mit unserem Elektriker zusammen das Ganze so umgebaut, dass nun der FI-Schalter vom Lichtstrom ruhig fallen kann. Alle relevanten Funktionen laufen ungestört weiter. Das ist mit Sicherheit auch teurer, gibt mir aber auch Sicherheit und spart Nerven sowie wirtschaftliche Verluste (geringere Leistung wegen Wassermangel oder fehlende Ventilation, warm gewordene Tankmilch etc.).  Zusätzlich könnte man sich natürlich noch ein Warngerät einbauen. Viele Grüße Andi.“

    Melde dich jetzt an zum...

    Kuhstallbau-Strategiegespräch

    Kläre die entscheidenden Fragen bevor du baust.

    Jetzt anmelden >>

     Ja, vielen Dank für die Mail, Andi! Das trifft einen wichtigen Punkt. Was kann im schlimmsten Fall passieren, wenn man so wie Andi früher nur einen FI-Schalter hat und wenn der fliegt, ist alle Elektrik im Stall aus?  In diesem Fall ist die Fehlersuche sehr schwierig. Einfacher ist es, wenn die Stromverteilung unterteilt ist und man den Fehler auf bestimmte Bereiche eingrenzen kann. Oder was passiert in einem Stall mit vielen Eigenheiten und Provisorien, wenn der Schalter rausfliegt und der Betriebsleiter krank ist, der sich auskennt?  Ein weiteres Beispiel sind zwei große Motoren mit hohem Stromverbrauch. Wenn man zum Beispiel eine Güllepumpe und eine Getreidemühle hat, die beide sehr viel Strom verbrauchen. Wenn man die gleichzeitig anschaltet, fällt dann die Sicherung?

    Ich bin zwar selbst kein Elektriker, habe aber viel mit meinem Elektriker gesprochen und mich durch meinen Stallbau intensiv damit beschäftigt. Dadurch habe ich ein gutes Verständnis für das Thema und möchte Dir helfen, dafür ein Bewusstsein zu entwickeln. Wichtig: Dies ist keine elektrotechnische Beratung und es kann durchaus sein, dass irgendwo bei einer Aussage ein Elektriker den Kopf schüttelt, weil er das anders machen würde. Trotzdem kann es eine gute Basis für Dich sein, daran zu arbeiten, was Du in deinem Stall haben möchtest, wenn Du mit deinem Elektriker sprichst.

    Elektrik im Altbau? Alte Kabel raus!

    Häufig ist die Ausgangssituation im Stall, dass man einen FI für alles hat. So war das bei Andi und so war das auch in unserem alten Stall. Da sind dann auch die Leitungen alt, je nachdem wie alt Leitungen sind, ist der Starkstrom teilweise sogar noch vieradrig. Vielleicht hat man das alte vieradrige Verlängerungskabel noch irgendwo rumliegen, das sollte man unbedingt in die Tonne werfen oder die Kupferteile daraus verkaufen. Der Kupferpreis ist zwar nicht besonders hoch, trotzdem ist das immer noch besser als die alten Kabel zu behalten. Denn vieradrig bedeutet ja, dass wenn etwas passiert, der Nullleiter geht, dann kann der FI nicht ansprechen. Also wenn ihr diese Kabel noch habt: Weg damit! Auf lange Sicht lohnt es, einen fünfadrigen Standard zu verbauen. Damit funktioniert die Sicherheitseinrichtung mit dem FI-Schalter.

    Manchmal sind diese Kabel im Altbau ohne Schutzrohr an die Balken genagelt. Das ist nicht mehr zeitgemäß, da sie so einfach von Mäusen angefressen werden können. Wer seinen alten Stall umbaut, sollte die Elektrik mit erneuern. Wer Kabel verbaut hat, die 50 Jahre und älter sind, sollte diese am besten auch ohne einen Umbau abklemmen oder besser noch, komplett herausnehmen und neu legen. Natürlich ist Strom ein großer Kostenpunkt. Es sind aber Kosten, die es durchaus wert sind.

    Strom ist im Betrieb stark verzweigt

    Die Stromverteilung im Neubau könnte zum Beispiel so ausschauen wie bei Andi, mit einer nachträglich umgebauten Stromverteilung. Darüber ist man dann besonders in Notfällen froh! Die Stromverteilung, wie sie aussehen kann, wollen wir uns jetzt einmal genauer ansehen.

    Tipp: Das ist auch Bestandteil von Kuhstallbau-Onlinekurs. Wenn Du Dich für Baudetails und runde Arbeitsabläufe im neuen Stall oder Umbau interessierst, dann ist das genau das Richtige für Dich. Melde Dich gern bei mir und dann schauen wir, ob und wie ich dich in deiner Stallbauplanung begleiten kann.

    Der grundsätzliche Aufbau von einer Stromverteilung ist so: Man hat ein großes Kabel, das zum Hof geht, dann kommt die Panzersicherung und der Stromzähler. Und dann kann man sich das vorstellen wie einen Baum mit Stamm, Zweigen und Ästen. Der Saft kommt über die Wurzel und verteilt sich dann in den Stamm. Von dort verteilt er sich in die Äste und die Zweige. Der Strom läuft durch eine dicke Hauptleitung und verteilt sich von dort in verschiedene Unterteilungen. Dabei wird der Stromfluss in jedem Ast etwas schwächer als im Stamm. Wer dann z. B. seinen Hof mit 100 Ampere abgesichert hat, der hat nicht 100 Ampere auf einer Steckdose, sondern dort ist der Strom niedriger abgesichert.

    Der Stamm hat also den stärksten Stromfluss. Dann kommt ein Ast, das ist zum Beispiel das Wohnhaus, ein anderer Ast ist die Maschinenhalle, ein weiterer die Werkstatt, einer der Stall. Wenn man wissen möchte, wie viel Strom in die Äste fließt, kann man da elegant Stromzähler einbauen. An einem Ast gibt es viele Zweige. Am Ast Stall z. B. hängt die Melktechnik, den Spaltenschieber, den Futterschieber, die Gülletechnik, die Beleuchtung, der Melkroboter. Auch hier kann man wieder Stromzähler setzen, die anzeigen, wie viel Strom in die einzelnen Bereiche im Stall gehen.

    Wenn jetzt z. B. ein Fehler beim Spaltenschieber dazu führt, dass die Sicherung herausspringt oder der FI-Schalter, wäre es ziemlich ungünstig, wenn der Melkroboter dann auch stillsteht. Deswegen ist es sehr wichtig, den Strom sinnvoll zu strukturieren. Wenn man an die Verästelungen denkt, geht es etwa von der Melktechnik weiter zum Milchtank, der Reinigung und der Kühlung. Wenn der Strom dann ordentlich verteilt ist, kann man das am Stromverteiler übersichtlich beschriften.

    Den Strom übersichtlich verteilen

    Ein Beispiel aus unserem Stall: Neulich war bei uns der komplette Stall stromtot. Das kam über den Stromverteiler an der Güllegrube. Dort ist vermutlich Wasser eingedrungen, was dazu geführt hat, dass die Sicherung rausgesprungen ist, der dazugehörige FI-Schalter raus war und dazu noch die Hauptsicherung im Stall rausgeflogen ist (obwohl das eine mit 32 Ampere das andere mit 63 Ampere abgesichert war).

    Das kann passieren. Wichtig: In diesem Fall mussten wir die Ursache lokalisieren, was im laufenden Betrieb schwierig sein kann. Das möchte man nicht haben. Daher ist eine ordentliche Unterteilung des Stroms im Stall sehr wichtig, da man so den Totalausfällen etwas vorbeugen kann. Ob man Stromzähler dazwischen setzt, ist eine andere Entscheidung. Wichtig ist auch eine gute Übersichtlichkeit. Wenn der Betriebsleiter z. B. im Urlaub ist und jemand Fremdes im Stall ist, muss diese Person sich im Notfall auch zurechtfinden.

    Große Leitungen wählen

    Was auch ein Punkt ist, wenn man eine zentrale Stromversorgung zum Haus hat, die vielleicht sogar sehr stark abgesichert ist mit einer großen Leitung, dass man den Wandlerschrank dazu nimmt und Eigenstrom verwendet, etwa aus Biogas oder Photovoltaik. Das hat den Vorteil, dass es gute Querschnitte gibt, wenn alles zentral zum Hof läuft. Wichtig dabei ist, die Kabel groß genug zu dimensionieren. In der Regel wissen Elektriker, dass bestimmte Querschnitte bei Unterverteilungen vorhanden sein müssen. Bei uns im Stall geht zum Beispiel ein 100 Meter langes Kabel mit 5 x 16 qmm Kabel durch. An Kabel haben wir da nicht gespart, da ich unbedingt auch am anderen Ende vom Stall 32 Ampere abgesichert haben wollte, genauso wie in der Stallmitte am Futtertisch. So bleibt man flexibel, egal, was kommt. Damit ist man besser abgesichert.

    Fazit:

    1. Bei einem Stallumbau sollte man sich die Elektrik ganz genau anschauen und eventuell alte Kabel entfernen.

    2. Beim Stallneubau ist eine sinnvolle Stromverteilung Pflicht.

    3. Wenn für einen Bereich der FI-Schalter rausfliegt, sollte alles andere weiterhin funktionieren.

    Andi, vielen Dank für deine Mail! Elektrik ist ein Thema, das jeden betrifft, egal ob er sich damit beschäftigt oder nicht. Je nach Elektriker, mit dem man zusammenarbeitet, ist die Elektrik besser oder schlechter im Stall gelöst.

    Wenn du in deinem Stall Baufehler vermeiden möchtest, dann hol dir gern die kostenlose Checkliste „Zehn vermeidbare Baufehler“ und streiche die Baufehler auf jeden Fall schon mal aus deiner Planung!

      Melde dich jetzt an zum...

      Kuhstallbau-Strategiegespräch

      Kläre die entscheidenden Fragen bevor du baust.

      Jetzt anmelden >>

      Ein Kommentar zu „KSB 122 – Stromverteilung im Kuhstall sichern

      Kommentar verfassen