KSB 129 Umbau mit Futterband

In dieser Folge erfährst du, warum mein Gast ein Futterband eingebaut hat, wie der Stall umgebaut ist und wie der Kuhstallbau-Onlinekurs geholfen hat.

In der heutigen Folge heute geht es um einen Stallumbau mit einem Futterband. Dazu bekommst du ein paar Eindrücke vom Kuhstallbau-Onlinekurs. Mein Gast hatte die gleiche Herausforderung wie viele: Den Weg vom Anbindestall zum Laufstall. Er hat eine gute Umbaulösung gefunden.

 

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    Mein heutiger Interviewgast ist vor einem Jahr in seinen umgebauten Stall eingezogen. Der Bio-Heumilchbetrieb auf 800 Meter Höhe in der Nähe von Kitzbühel in Tirol hält 30 Milchkühe mit saisonaler Abkalbung. Neben der Milchkuhhaltung sind Feriengäste fester Bestandteil vom Alltag. Der alte Stall wurde komplett entkernt und neu aufgebaut, anstelle eines Futtertisches wurde ein Futterband eingebaut. Er war im Kuhstallbau-Onlinekurs dabei. Ich freue mich, dass du hier bist. Willkommen Thomas Hauser!

    Was war deine Herausforderung? Warum hast du den alten Stall umgebaut?

    Meine Überlegung war, dass ich gerne den alten Stall nutzen wollte, da ich kein leer stehendes Gebäude haben wollte, das schnell vermüllt. Ich hatte das Glück, dass rundherum Fläche war, auf der ich bauen konnte. Da wir ein Futterband eingebaut haben, braucht der Umbau 4 bis 5 Meter weniger Platz als ein Neubau mit Futtertisch. Der alte Stall hat zudem eine kompakte Bauweise, sodass wir ihn gut umbauen konnten. Es war praktisch, da es ein Altgebäude mit vorhandenem Wasser- und Stromanschluss war, sodass wir das nicht wie bei einem Neubau neu legen mussten.   

    Wart ihr euch zu Beginn einig, dass der Anbindestall einem Laufstall weichen muss?

    Ja. Wir hatten eine Kombinationshaltung. Für uns war ein täglicher Auslauf der Kühe verpflichtend. Das war mit unserem Anbindestall relativ viel Arbeit. Zudem waren die Maße nicht mehr auf dem Stand der Zeit, alles war ziemlich knapp und eng. Das war für die Kühe nicht mehr ideal. Unsere Molkerei hat außerdem gesagt, dass sie früher oder später nur noch Milch aus der Laufstallhaltung annehmen würde.

    Es werden überall Betriebe mit Anbindehaltung aufgefordert, sich zu verändern. Dann stellt sich die Frage, ob es immer ein Neubau sein muss oder der alte Stall umgebaut werden kann.

    Du hast zu Beginn deiner Planung am Kuhstallbau-Onlinekurs teilgenommen. Was war der Auslöser für deine Teilnahme?

    Ich kenne dich und deinen Betrieb schon seit 2016, da waren wir mit den Jungzüchtern zu Besuch. Während der Planungsphase wollte ich einem Arbeitskreis bei unserer Landwirtschaftskammer beitreten, der ist aber nicht zustande gekommen. Ich wollte aber irgendetwas machen, damit man auf neue Gedanken und Ideen kommt. Über Berichte in der Fachzeitung habe ich dann von Dir erfahren und mich angemeldet.

    Hast du aktiv nach einem Stallbaukurs gesucht?

    Ja genau, weil man mit so einem Kurs anders denkt und nicht so abhängig von den Firmen oder Stallbauberatern ist, die oft mit so Faustzahlen daherkommen. Man merkt schon, wenn einem einige Dinge in der Stallbauberatung komisch vorkommen und man dann nachfragt, dass die Berater selbst dann nicht mehr zu 100% sicher sind.

    Kannst du kurz beschreiben, wie man im Kuhstallbau-Onlinekurs zusammenarbeitet?

    Es gibt im Kurs verschiedene Themenschwerpunkte. Dazu gibt es Videos, die du vorbereitet hast und Skripte im Arbeitsbuch. Dazu kommen dann die Online-Meetings. Zuerst sieht man sich die Videos an und arbeitet dazu mit dem Arbeitsbuch. Und man bespricht alles im Online-Meeting. Wir haben offen gesprochen. Es war immer wichtig, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, sondern zu sagen, wenn man etwas anderes denkt. Die Zusammenarbeit war wunderbar!

    Ein Futterband kann eine gute Alternative bei einem Umbau sein. Wie ist bei dir die Fütterung aufgebaut?

    Ich habe ein Futterband an der ehemaligen Außenwand platziert. Dadurch musste ich nichts mehr separat bauen. Ich habe in der Scheune auf der höheren Etage einen Heudosierer, einen früheren Zubringer für Heugebläse stehen. Den füllen wir einmal täglich, schichtweise mit verschiedenen Gras-Schnitten.

    Es ist eine reine Heufütterung. Im Frühling und Herbst auf der Weide füttern wir nur wenig zu. Da kommen wir 2 bis 3 Tage mit einer Ladung aus. Im Winter füttern wir viermal am Tag: Morgens, mittags, beim Melken und abends um zehn Uhr beim Kontrollgang noch einmal. Wenn sie weniger fressen, muss man etwas feinfühlig sein, sonst hat man mehr Futterreste am Band. Das Restfutter kommt dann gegenüber zu den Kalbinnen, das ist ein recht kurzer Weg. Wobei, wenn die Qualität vom Heu passt, dann bleiben kaum Reste übrig. Meine Kühe sollen so fressen, dass das Futterband eine Stunde vor dem Füttern leer ist. Sonst stehen sie nicht mehr zum Melken auf und bleiben einfach liegen, weil sie keinen Hunger haben. Die Entleerung von größeren Restmengen ist kein Problem. Wenn die Kühe nicht hungrig sind, muss man fast betteln, dass sie zum Melken kommen. Wenn man dann füttert, stehen sie alle aus den Liegeboxen auf und gehen zügig durch den Melkstand.

    Fütterst du auch Kraftfutter über das Futterband?

    Über den Transponder bekommen die Kühe ca. 90% des Kraftfutters. Zweimal am Tag gehe ich beim Melken noch einmal mit dem Eimer zum Futterband und gebe eine kleine Menge dazu, für mich als Kontrolle. Wenn man sich anschaut, wie die Kuh das Kraftfutter dann nicht mehr frisst, weiß man schon, dass da irgendetwas nicht stimmt. Ich verwende aktuell keine elektronischen Hilfsmittel, momentan benötige ich das nicht. Die Zwischenkalbezeit liegt bei uns bei zwischen 350 bis 370 Tagen, das passt.

    Welches Leistungsniveau haben deine Kühe?

    Wir sind bei 7.500 L abgelieferte Milch mit saisonaler Abkalbung.

    Wie zufrieden bist du mit der Umbaulösung aus arbeitswirtschaftlicher Sicht? 

    Ich bin sehr zufrieden. Mit dem Doppel-Vierer-Fischgräten-Melkstand dauert das Melken nur eine Dreiviertelstunde, wenn nichts Außergewöhnliches passiert. Zu zweit dauert eine Melkzeit dann insgesamt eine Stunde, alleine lockere zwei Stunden. Das war mein Ziel vor dem Umbau, dass ich die Arbeit im Stall alleine schaffen kann. Die Tränkekälber sind ab Weihnachten oder Januar nicht mehr da. Die letzte Abkalbung ist bei uns Anfang Dezember, dann schaffe ich den Stall allein. Das macht große Freude, wenn man da in knapp zwei Stunden fertig ist, ohne schwere körperliche Arbeit tun zu müssen.

    Wie sieht dein Tagesablauf dann aus?

    Ein normaler Tag im Winter sieht so aus: Wenn wir nur im Stall füttern gehe ich morgens um fünf Uhr melken und bin gegen 6.30 Uhr fertig. Das ist zwar früh, aber der Milchwagen kommt morgens um viertel nach sechs zu uns. Deswegen müssen wir davor mit dem Melken durch sein. Dann gibt’s Frühstück und danach geht es mit anderen Arbeiten weiter. Meist gehe ich dann noch einmal durch die Kühe und kontrolliere, ob eine demnächst bullig wird. Am Mittag schalte ich den Mistschieber und die Fütterung manuell ein. Nachmittags gehen meine Frau und ich zusammen gegen fünf Uhr wieder in den Stall. Ich befülle oben den Dosierer, sie bereitet den Melkstand vor und treibt die Kühe rüber. Während der eine melkt, macht der andere die Liegeboxen, streut den Tiefstreubereich ein und füttert die Kälber. Nachdem Melken reinigen wir den Melkstand, geben noch Kraftfutter aufs Futterband. Dann sind wir gegen 18 Uhr fertig.

    Wie würdest du den Stall beschreiben für jemanden, der den noch nie gesehen hat?

    Im Altgebäude habe ich dreireihig Liegeboxen eingebaut. Über dem Melkstand würde die Scheune verlängert. Auf der anderen Seite ist es mit einem Pultdach gelöst worden. Die Liegeboxen sind Tiefboxen. Die Laufgänge entmiste ich mit einem Schieber, der in einen Querkanal führt, der Querkanal führt in die Güllegrube. Die Kälber und der Abkalbebereich sind auf Tiefstreu. Der Jungviehbereich ist auf Tiefstreu kombiniert mit Laufgang. Das bringt einiges an Mist zusammen, das gefällt mir sehr gut.

    Während der Bauzeit waren deine Kühe auf der Alm. Wie lange hattest du da Zeit und hat dein Zeitplan so funktioniert?

    Wir haben den Umbau in zwei Bauabschnitten gemacht. Wir haben einmal am 20. Februar angefangen, da haben wir die neue Heutrocknung und den Teil vom Melkstand gebaut. Da war der Zeitplan sehr gut. Wir haben eine Woche Puffer zwischen dem Maurer und dem Zimmerer eingehalten und konnten für den Zimmerer gut vorbereiten. Das Einzige, was länger gedauert hat, war die Lieferzeit vom Dachblech. Das konnten die Spengler trotz schlechter Witterung montieren. Mit dem Bauabschnitt waren wir dann pünktlich zum ersten Schnitt am 20. Mai fertig. Diesen Schnitt haben wir dann direkt in die neue Heutrocknung gegeben.

    Die Kühe sind dann Anfang Juni auf die Alm gegangen und wir haben 14 Tage abgerissen und den alten Stall entkernt. Den Zeitplan konnten wir gut einhalten. Am meisten unterschätzt habe ich jedoch die Elektrik. Das haben wir alles neu gemacht und die komplette Hauselektrik in den Technikraum verlegt. Also haben wir einen neuen Zählerkasten gesetzt mit Notstromversorgung. Da haben wir alles abgesichert, dass zum Beispiel, wenn bei den Kälbern was kaputt geht, die Melkanlage und Kühlung trotzdem funktionieren. Vorher lag das alles auf einem FI und es ging gar nichts mehr, wenn irgendwo ein Problem war. Da hatten wir schon einige Probleme, deswegen war mir das sehr wichtig. Die Elektrik neu zu machen, hat den gesamten Zeitpuffer von drei Wochen verschlungen, das habe ich ziemlich unterschätzt.

    Tipp: Wenn dich dieses Thema interessiert, hör dir die Folge KSB 122 – Stromversorgung im neuen Kuhstall sichern an!

    Waren die Kühe am Schluss schon auf der Alm eingeschneit oder habt ihr das noch zeitlich geschafft?

    Das hat Gott sei Dank geklappt. Wir haben die Kühe in kleinen Gruppen von der Alm zurückgefahren, die letzten Mitte September. So hatten wir nicht so viele Kühe im neuen Stall und die Kühe konnten sich besser an den neuen Stall gewöhnen, das hat super funktioniert und war unkompliziert. Die Kühe kennen den Laufstall schon von der Alm, die Liegeboxen waren also kein Problem. Die Fressgitter haben die jungen Tiere auch gut angenommen, die älteren haben teilweise etwas länger gebraucht.

    Was mir letztes und dieses Jahr stark aufgefallen ist, ist die Abkalbebox. Letztes Jahr hatten wir null Probleme mit den kalbenden Kühen und den Abkalbungen. In den Anbindestall hatten wir da öfter Probleme und Verletzungen, weil die Kühe vielleicht nicht so viel Platz hatten. Die Kühe haben im Frühling meist 50-100 kg mehr auf der Waage und deshalb waren jetzt im zweiten Jahr die Geburtsgewichte der Kälber höher. Wir haben jetzt wunderschöne Kälber. So schöne Kälber wie heute haben wir bis jetzt noch nie gehabt. Das macht beim Verkauf schon was aus.

    Bist du beim Umbau mit den Investitionskosten hingekommen, mit denen du geplant hattest?

    Ich habe mir ein Ziel gesetzt. Da bin ich zwar am oberen Limit angekommen. Das lag an der Elektrik und noch zwei, drei anderen Dingen, die dann unerwartet aufgetaucht sind. Im alten Stall haben wir dann auch den Boden neu gemacht, was nicht geplant war. Während der Bauphase hat das schon viele Nerven gekostet, es wäre aber Blödsinn gewesen, es nicht zu machen.

    Hat sich die Investition in den Onlinekurs für dich gelohnt?

    Das hat sich auf jeden Fall für mich gelohnt. Ich habe mir viel mehr Gedanken über die Arbeitsabläufe gemacht. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie die Arbeitsabläufe rund werden, einfach sind und einen Sinn ergeben.

    Wie war dein Zeitbedarf für den Online Kurs, um dir darüber so ausführlich Gedanken zu machen?

    Ich schätze, dass ich sicherlich drei bis vier Stunden in der Woche investiert habe. Da sind viele Dinge dabei, über die man sich vorher noch keine Gedanken gemacht hat. Ein Beispiel: die Beleuchtung, da hatte ich vorher noch nie darüber nachgedacht. Danach konnte ich dem Elektriker sagen, was wir brauchen und wie wir das möchten. Ich habe zwei, drei Beleuchtungsfirmen gefragt, was sie mir anbieten können und dann war die Entscheidung am Ende einfach. Dann hat das der gemacht, der das am günstigsten so umsetzen konnte, wie ich das wollte. Ich musste mir dann zu dem Zeitpunkt keine Gedanken mehr darüber machen, weil ich genau wusste, was ich brauche.

    Genauso ist das bei vielen anderen Sachen auch, wie groß müssen Milchtank oder Güllebehälter sein. Wir haben darüber nachgedacht, bevor wir es gekauft haben.

    Hast du den Umbau dann hauptsächlich im Winter geplant?

    Nein, wir hatten den groben Plan schon im Kopf. Aber die Details dazu haben wir dann nach und nach finalisiert. Die Lösungen dafür haben wir oft im Kurs gefunden. Ohne den Kurs hätte ich mich mit den Details wahrscheinlich nicht so genau beschäftigt. Ich bin froh, dass ich den Kurs mitgemacht habe.

    Bis auf die Details zum Melkroboter war da für mich alles interessant, also Details zum Entmistungssystem, die Richtzahlen zu den Schwimmkanälen oder die Maße, die man einhalten muss.

    Was würdest du zukünftigen Kuhstall-Bauern mit auf dem Weg in die Planung geben?

    Lieber ein Jahr länger mit der Planung brauchen und zum Schluss einen perfekten Plan haben. Während der Bauphase den Plan möglichst nicht mehr verändern, denn sonst können Fehler ohne Ende passieren.

    Vielen Dank Thomas für das spannende Interview, für die Einsichten in deinem Betrieb. Ich wünsche dir alles Gute in Haus und Hof!

     

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