In dieser Folge geht es um die Stallplanung mit wenig Zeit. Du erfährst, wie man den Spagat aus knapper Zeit und guter Planung schaffen kann.
Mit wenig Zeit einen neuen Stall oder einen Umbau planen – das ist eine echte Herausforderung!
Ich habe neulich ein Gespräch mit einem Interessenten für den Kuhstallbau-Onlinekurs geführt. Er sagt mir, dass der Kurs im wahrscheinlich viel bringen würde, er aber keine Zeit dafür hätte. Er stehe ohnehin immer früh auf und käme abends nie vor 20.00 Uhr zurück ins Haus. Er wusste nicht, wie er sich da noch etwa zwei Stunden in der Woche für den Kurs frei nehmen sollte. Ihm hätte eine Stallbaufirma ohnehin schon einen Plan gezeichnet, der würde ganz gut aussehen.
Wenn ich solche Aussagen höre, dann läuten bei mir schon innerlich alle Alarmglocken. Warum das? Wer mit einer so schlechten Planung in den Stallbau geht, den holt es dreifach ein. Da ist erstens die Vorbereitung, in der man nicht anfällig für schlechte Verkäufer-Argumente sein sollte, oft wird alles mögliche gekauft. Zweitens ist man dadurch anfälliger für das „Das haben wir immer schon so gemacht“, was nicht immer unbedingt die beste Entscheidung sein muss. Drittens: Man bewirtschaftet diesen Stall eine sehr lange Zeit, manchmal über 30 Jahre. Da verliert man unnötig viel Arbeitszeit durch schlechte Arbeitsabläufe, weil man sich damit in der Planung nicht beschäftigt hat.
Wie lösen wir das Problem? Wir haben wenig Zeit und wir möchten einen richtig guten, für uns idealen Stallplan hinbekommen. Drei Punkte sind dafür wichtig:
1. Gut geplant ist halb gewonnen
Der erste Punkt ist die Planung. Diese braucht eine gewisse Zeit, denn es braucht einfach seine Zeit, bis man sich in seinen Stallplan richtig reingedacht hat und man versteht, was der Plan für die Realität bedeutet: Wie sieht es aus, wenn der Laufgang vier Meter breit ist? Und wie bei fünf Metern? Wie ist es, wenn die Liegebox mit dem Kopfschwung frei ist? All das braucht Zeit. Da brauchen wir einerseits die Zeitspanne der Planung, die in der Regel mehr als ein Jahr dauert. Meistens sind es mehrere Jahre, denn man braucht Zeit für viele Überlegungen und muss sich bewusst Zeit nehmen. Und man braucht Zeit für Gespräche mit Vertretern und Menschen, die bereits einen Stall gebaut haben. Ohne dieser Zeit ist es schlichtweg nicht möglich. Man kann effektiver durchkommen oder man kann weniger effektiv durchkommen, aber grundsätzlich braucht man Zeit.
Jeder neue Kuhstall wird mit einer Idee geboren. Wenn man Ideen sammelt, egal ob für einen Umbau oder einen Neubau, hat man immer mehrere Möglichkeiten, die man abklären muss. Man geht dann Pläne wieder und wieder durch, schläft ein paar Nächte drüber und denkt generell viel darüber nach. Es fallen extrem viele Entscheidungen an:
- Fressgitter ja oder nein?
- Sheddach oder Lichtfirst? (Hör dazu auch Folge 126 – Lichtfirst oder Sheddach? Vor- und Nachteile)
- Hochbox oder Tiefbucht?
- Gummimatten auf die Laufgänge oder nicht?
- Wie viele Tränken und welche?
- Wie baue ich die Leitungen ein für das Tränkesystem?
- Wo steht der Klauenpflegestand?
- Wie ist der Zugang zur Separation, nach dem Melken oder nicht?
- Die Ausrichtung des Stalls an die Himmelsrichtungen anpassen und wenn ja, wie?
Und noch so viele mehr!
Wenn Du gerade an den Planungen für deinen neuen Kuhstall sitzt, kann ich dir den kostenlosen Grundriss-Schnellcheck empfehlen. Dieser Schnellcheck ist eine kostenlose Checkliste, die du dir einfach hier herunterladen kannst. Anhand elf wichtiger Punkte zum Abhaken kannst du schnell überprüfen, ob die Maße für Liegeboxen, Laufgänge etc. in einem Neubau oder Umbau passen, wie viel Platz du als Wartebereich geplant hast.
Bei diesen Entscheidungen reicht es nicht, das spontan zu entscheiden. Stallbauvertreter versetzen sich auch nicht so in eine Situation wie der Landwirt und können nicht sagen, wie man Details umsetzen muss, wenn sie passen sollen.
Eine Hilfe bei den ganzen Baudetails ist der Kuhstallbau-Onlinekurs. In dem Kurs gehen wir Schritt für Schritt durch deine Planung, so dass du erstens nichts vergisst und zweitens auch alles fundiert entscheiden kannst. Er kann helfen, deine Fragen gezielt zu beantworten und zu überlegen, was zu einem am besten passt oder welche Arbeitsroutinen man in Zukunft effizienter gestalten möchte. Du wirst unterstützt bei der Entscheidung, worauf der Betrieb in Zukunft einen Fokus legen möchte, z.B. einfache Liegeboxenpflege oder entspanntes Treiben zum Melken mit wenig Mitarbeitern. Neben den Überlegungen sollte man sich immer wieder passende Beispiele in der Praxis anschauen. Denn wer nur Verkäufern glaubt und viel Geld für wenig nützliche Dinge ausgibt, der hat vielleicht am Ende einen tollen Stall, der aber vielleicht gar nicht richtig zu einem passt. Oder man ist am Ende mit einigen Details unzufrieden und denkt sich: „Ach, hätte ich es mal anders gemacht.“ Wer sich gezielt Zeit nimmt und sich zu den einzelnen Entscheidungen umfassend informiert, trifft die besseren Entscheidungen.
2. Priorität auf die wichtigen Dinge
Der zweite Punkt ist die Priorität auf die wichtigen Dinge. Jeder hat immer viel zu tun, meine Tage könnten auch länger sein, sie wären trotzdem noch gut gefüllt. Auch zehn Stunden mehr am Tag könnte ich noch gut füllen. Warum ist es aber so, dass manche Menschen gefühlt viel mehr an einem Arbeitstag schaffen als andere? Das liegt daran, dass nicht alles gleich wichtig ist. Den Staub auf dem Futtertisch zu fegen ist nicht so wichtig wie das Füttern. Eine geputzte Milchkammer ist nicht wichtiger als das Melken. Das bedeutet nicht, dass man die unwichtigeren Dinge nicht tun soll, diese Aufgaben dürfen aber auch mal ein paar Tage warten. Der Unterschied ist also: Kurzfristig muss die tägliche Arbeit laufen, das Ergebnis muss stimmen. Ob das funktioniert, zeigen Kennzahlen wie die Milchqualität sowie die Leistung und Gesundheit der Kühe. Wenn also zum Beispiel eine Kuh lahmt, muss sie kurzfristig in den Klauenstand und schnellstmöglich behandelt werden.
Die langfristige Betriebsentwicklung hingegen braucht etwas mehr Zeit. Wenn man da nie etwas macht, steckt man vielleicht in 20 Jahren immer noch in der Anbindehaltung fest. Man muss sich also regelmäßig Zeit nehmen für die langfristige Entwicklung, wenn man vorwärtskommen möchte. Was aber, wenn man viel zu viel zu tun hat und nicht dazu kommt? Das muss man aktiv lernen, meist haben wir das früher nicht gelernt.
Das kann funktionieren, indem man Arbeiten delegiert. In einem funktionierenden Familienbetrieb kann man zum Beispiel überlegen, wie man die arbeiten in verschiedene Bereiche aufteilt. Verschiedene Menschen können dann zum Beispiel verschiedene Schwerpunkte haben, sodass ich mich als Betriebsleiter nicht um alles kümmern muss. Bei uns ist es so, dass ich im Wesentlichen schaue, dass alles läuft und funktioniert. Delegieren ist dabei ganz entscheidend. Vielleicht überlegst du dir jetzt, welche Aufgaben du am besten abgeben kannst. Pauschal kann man das schwer sagen. Man muss sich überlegen, was man in seiner Situation gut abgeben kann. Das kann zum Beispiel die Feldarbeit oder Teile davon sein, zum Beispiel Güllefahren, Schwaden oder Mähen. In unserer Gegend gibt es zum Beispiel recht viele Lohnunternehmen, die ihre eigenen guten Maschinen haben, da kann man einige Arbeiten gut abgeben. Oder man spart sich einige Stunden Arbeit, indem man Arbeiten an seine Beschäftigten abgibt. Dann hätte man zum einen etwas Zeit für die Planung und danach auch für den Stallbau.
Auch automatische Helfer im Stall können dann Abhilfe schaffen, z.B. Futteranschieber und Spaltenroboter. Ideal ist es, wenn man diese Helfer in den neuen Stall oder ins neue Stallabteil mitnehmen kann. Bei uns ist beispielsweise der Futteranschieber vom alten Stall in den neuen Stall gewandert und macht da seine Arbeit weiter.
3. Zeitmanagement: Werkzeuge nutzen!
Die Zeit an sich kann man nicht managen. Man kann aber sehr wohl seinen Umgang mit der Zeit steuern. Nicht jede Stunde, die man arbeitet, ist effektiv. Was aber macht unsere Arbeitszeit dann effektiv? Das gelingt, wenn wir es schaffen, Störungen und Ablenkung zu vermeiden. Eine Störung kann viele Gesichter haben. Das können Vertreter sein, Nachbarn, die vorbeikommen oder Fehler in der Technik. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, sich ablenken zu lassen.
Den Zeitkiller Nr. 1 haben wir dabei stets in der Hosentasche: Das Handy. Da kann man die Benachrichtigungen ausschalten, den Flugmodus anstellen oder, was mein persönlicher Favorit ist: Alle Benachrichtigungen aus, außer Anrufe. Über einen Anruf kann man mich gut erreichen, aber alles andere ist ausgeschaltet. Bei WhatsApp-Nachrichten zum Beispiel ist bei mir meist lange nur ein Haken zu sehen, weil das Internet ausgeschaltet ist. Die Nachricht geht dann erst ein, wenn ich aktiv in WhatsApp reingehe. Erst dann sehe ich, wer mir alles geschrieben hat. Dasselbe gilt auch für Insta, Facebook, Signal und Telegram. Alles, was stören könnte, ist abgeschaltet.
Eine Ausnahme ist die Aufgaben-App, da nutze ich „Todoist“ und bin sehr zufrieden damit. Wenn zum Beispiel eine Erinnerung kommt, dass ich abends an eine Besamung denken muss, kommt die Benachrichtigung durch. Das hilft mir immens. Denn auch wenn das Handy bei einer Benachrichtigung nur vibriert, ist man zumindest in Gedanken schon einmal abgelenkt und überlegt, wer sich da gerade gemeldet hat. Wenn man dann noch eine seiner zwei Hände frei hat, ist der Griff zum Handy vorprogrammiert. Dann benötigt man einige Minuten, um die Nachricht zu lesen und zu beantworten. Effektiver ist es, wenn man das ein paar Mal am Tag gebündelt macht. Es gibt selten Dinge, die sehr dringend sind und dann bei WhatsApp geschrieben werden.
Zudem hilft es mir, Dinge geblockt abzuarbeiten. Das bedeutet, ich schaue, welche Aufgaben zusammenpassen und arbeite das gemeinsam ab. Welche Arbeiten kann ich zum Beispiel morgens im Stall alle abarbeiten, wenn man ohnehin mit Arbeitskleidung im Stall ist? Wenn zum Beispiel Besamungen anliegen, dann schaue ich, ob noch andere Kühe eine Behandlung brauchen. Oder ich decke alle Silos nacheinander auf und kontrolliere auch gleich den Futterstock, damit das alles erledigt ist. Bei der Klauenpflege mache ich immer einen ganzen Schwung Kühe und nicht alle paar Tage nur zwei. Klauenpflege könnte man zum Beispiel aber auch delegieren und abgeben. Das ist auch ein wichtiges Instrument von Zeitmanagement: Aufgaben delegieren. Das geht zum Beispiel beim Klauenschneiden oder auch beim Melken. Das Melken ist eine relativ einfache begrenzte Tätigkeit. Stellt man dafür Mitarbeiter ein, kann man dadurch tatsächlich viel Zeit sparen.
Wichtig bei allem ist: Die Zeit, die frei wird, sollte man bewusst für andere wichtige Dinge verwenden. Sonst füllt sich diese frei gewordene Zeit sehr schnell mit anderen Nebentätigkeiten. Man kann sich zum Beispiel ganz bewusst die Stunde nach dem Frühstück für die Stallplanung einplanen (wenn nicht gerade eine wichtige und dringende Feldarbeit anliegt). Dann kann man gezielt überlegen:
- Was sind die nächsten logischen Schritte?
- Was müssen wir als nächstes entscheiden?
Damit braucht man dann am Ende nicht unheimlich viel Zeit und kann das im Block abarbeiten. Stellt man dann noch das Telefon aus, kann das gut gelingen. Wenn Du übrigens gerade an deiner Stallplanung sitzt, empfehle ich Dir den kostenlosen Grundriss-Schnellcheck. Damit kannst du deine Planung ganz schnell auf die wichtigsten Maße prüfen. Die Checkliste mit den wichtigsten elf Punkten kannst du abhaken und siehst, ob in deinem Grundriss alles stimmt. Das ist wichtig, denn ein guter und solider Grundriss ist die Basis für einen richtig guten Stall später!
Vielleicht war an dem einen oder anderen Punkt etwas für dich dabei oder ist zumindest eine Überlegung wert. Vielleicht kannst du den einen oder anderen Punkt auch direkt umsetzen!
Fazit:
Planung braucht eine gewisse Zeit.
Mit der Priorität auf die wichtigen Bereiche verteilt man seine Zeit besser.
Es gibt Methoden zum Zeitmanagement als Werkzeug
