KSB 121 Was kostet ein Stall für 100 Kühe?

In dieser Folge geht es um Zahlen, Daten und Fakten zum Stallbau. Du bekommst einen Einblick in die Kosten und Zeitaufteilung von unserem Stahlbau in 2020 und 2021.

In der heutigen Folge heute möchte ich viele Fakten von unserem Bau bringen, einerseits zu den Kosten, andererseits zu der Arbeitszeit der einzelnen Gewerke.

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    Oft steht man vor der Planung oder einer Baustelle und weiß nicht, wie viele Kosten auf einen zukommen. Man hat zwar Angebote eingeholt und Gespräche geführt und kann die Größenordnung grob abschätzen. Die tatsächlichen Kosten erfährt man jedoch erst, wenn alle Abrechnungen da sind, das kann dauern. Jetzt zum Stand der Aufnahme sind wir gut dreieinhalb Jahre in unserem neuen Stall. Da ist alles abgerechnet.

    Wenn in einem Betrieb ein Umbau keine Verbesserungen für die Kuh oder für Dich als Betriebsleiter und die Menschen bringen würde, steht man schnell vor einem Neubau. Dann steht jedoch die Frage im Raum: „Kann ich mir es leisten? Welche Kosten kommen zusammen?“.

    Praxisbeispiel: Ein neuer Stall für 100 Kühe bei uns

    Die Entscheidung, einen neuen Stall zu bauen, ist 2015 gefallen, als ich in der Landwirtschaftsschule war. 2017 in der höheren Landbauschule hat sich das noch mal gefestigt. Da war klar, dass ein neuer Stall kommen muss, wenn es weitergehen soll. Denn wenn man nicht investiert, dann ist irgendwann alles alt. Ein Umbau in unserem alten Stall hätte eine geringere Kuhzahl und viele Kompromisse bedeutet. Eine Erweiterungsmöglichkeit hätte es an dem Standort auch nicht gegeben.  

    Die Planung ist dann bis 2019 gelaufen. 2019 haben wir uns sehr intensiv informiert. 2020 im Januar haben wir die Erschließung für den neuen Stall gemacht. Dafür haben wir einmal über den ganzen Hof gegraben und sämtliche Leitungen gelegt. Im März, als es etwas trockener wurde, haben wir große Mengen Erde bewegt. Die Güllegrube haben wir im Mai 2020 gebaut. Der Unterbau ging im Juli los, im Oktober der Oberbau und im April 2021 sind wir in den neuen Stall eingezogen.

    Was kosten die einzelnen Bereiche im neuen Stall?

    Das Preisniveau damals war zwar deutlich höher als die Jahre zuvor. Aber es war doch noch deutlich gemäßigter als heute. Inzwischen sind viele Materialpreise explodiert. Aktuell sind die Materialpreise oft wieder nah dem Vorkriegsniveau. Die Arbeitskräfte sind definitiv teurer geworden. Es war bei uns viel Eigenleistung in einzelnen Bereichen dabei. Ich war täglich auf der Baustelle, meist sogar den ganzen Tag. Dazu hatten wir viele, viele Helfer.

    Wir hatten ein Nettoinvestitionsvolumen von 1,4 Millionen Euro. Ich habe während der Bauphase Aufzeichnungen und Mitschriebe gemacht. So hatte ich auch im laufenden Bau immer einen guten Überblick und wusste stets, was bezahlt, welche Rechnungen noch offen waren und wie es mit der Liquidität gerade aussieht. Die Kosten im Einzelnen:

    (Ab hier bis zur Melktechnik Aufzählungspunkte setzen)

    1. 40.000 Euro für Planung, Genehmigung und den Betreuer: Wir haben mit einem Planungsbüro zusammengearbeitet, das die Förderung abgewickelt hat. Für die Einhaltung bestimmter Kriterien haben wir eine Förderung von 100.000 Euro erhalten.
    2. 35.000 Euro für die Erschließung: Davon entfiel mehr als die Hälfte auf den Gemeinde-Wasseranschluss. Der wurde nach Quadratmetern berechnet. Es hängt vermutlich von Gemeinde zu Gemeinde ab, wie hoch die Gebühren sind. Die restlichen Kosten der Erschließung gingen für Leitungen, Leerrohre, fürs Baggern, für Helfer, Daten- und Stromkabel drauf und was halt einfach dazu gehört.
    3. 12.000 Euro für die Erdarbeiten: Da macht es viel aus, da wir viel in Eigenleistung geschafft haben. Wir hatten einen Bagger und zwei Schlepper mit jeweils einem Kipper, dazu hatten wir noch einen Kipper geliehen. Dann hatten wir einen Fünf-Tonnen-Radlader, der die gesamten rund 5.000 Kubikmeter Lehm verteilt hat. Das ging nur, weil es so trocken war. Die Schubraupe für den Humusabtrag ist dort auch mit drin.
    4. 115.000 Euro für Güllegrube und Gülletechnik:  Da ist Güllegrube, Leckage-Erkennung, Separator, Güllepumpe, Gülleleitungen mit drin. Bei der Güllegrube waren noch zwei Personen der Kran-Firma mit dabei. 1.800 Kubikmeter ist die Güllegrube groß.
    5. 435.000 Euro für den Unterbau: Hier zählt alles dazu, was zum Unterbau zählt, also alles, was aus Beton ist. Zudem die Fliesen fürs Melkhaus. Also einfach alles, wo die Kuh drauf steht, die Liegeboxen abgesehen von den Abtrennungen. Der Futtertisch ist dort enthalten, genau wie die Futterschalen. Auch die Kanäle und Spalten, einen Löschwasserbehälter unter dem Melkhaus.
    6. 330.000 Euro für den Oberbau: Hier ist das Dach, die Dachkonstruktion mit dem kompletten Dach und alles, was dazu gehört. Curtains, Hubfenster, usw.
    7. 140.000 Euro für die Stalleinrichtung: Liegeboxen, Fressgitter, Schieber und dazugehörige Schienen, Schlauchbelüftung gegen den Hitzestress. Dazu gehören auch Boxenabtrennungen, Gummimatten für den Antritt.
    8. 25.000 Euro für Strom und für die Beleuchtung: Hier haben wir nicht an der Verteilung gespart. Wichtig war uns, dass wir überall gut Strom haben, gut unterteilt und eigens abgesichert.
    9. 17.000 Euro für Wasseranschlüsse: Wassertränken, Installation im Melkhaus.
    10. 58.000 Euro für weitere Technik: Wir haben einen Viehwagen gekauft, da wir den Trockensteherstall am alten Standort nutzen. Damit können wir die Kühe nach unten in den neuen Stall fahren. Bei zehn Metern Höhenunterschied und etwa 100 Metern Entfernung zwischen den Ställen läuft es so einfach besser als ohne einen Wagen. Auch eine Einstreuschaufel ist noch dabei.
    11. 205.000 Euro für die Melktechnik: Der größte Teil davon ging an den Melktechnikhersteller. Den Milchtank haben wir gebraucht gekauft. Dazu kam noch die Kraftfutterstation, die Nachselektion.

    Bei dieser Auflistung kommt man auf rund 1,4 Millionen Euro. Was ich zusätzlich jede Woche mitgeschrieben habe, war meine eigene Arbeitsleistung und die der Familie. Den Stundensatz habe ich bei rund 15 Euro berechnet. Dann kommt man da auf 100.000 Euro für Maschinen und Arbeitseinsatz. Damit sind der eigene Bagger und die eigenen Schlepper und Co. etwas mit abgegolten. Die Maschinen sind mit einem halben Maschinenringsatz berechnet, da sie an sich als Betriebsausgabe laufen und nicht nur konkret dem Stallbau zuzurechnen sind.

    1,4 Millionen Euro für 100 Stallplätze sind hohe Kosten, das ist völlig klar. 14.000 Euro pro Stallplatz ist nicht günstig. Wir wollten einfach gewisse Grundstrukturen und einen gewisse Ausführungsvarianten. Denn was noch schlimmer ist als hohe Baukosten, sind ungünstige Baudetails und wenn daraus schlechte Arbeitsabläufe resultieren. Wenn man meint, man braucht dies und jenes nicht und dann kostet es zwar etwas weniger, aber dafür ärgert man sich jeden Tag, ist das fatal. Ein Beispiel dafür: Hitzestressmaßnahmen. Die braucht man in unseren Breitengraden in Deutschland in fast allen Regionen, wenn man hohe Leistungen melken möchte. Ab 7.000 Liter kann man nicht auf Hitzestress-Maßnahmen verzichten. Lässt man dieses Baudetail weg, dann schadet man seinen Kühen und dadurch seinem eigenen Geldbeutel. Dies und mehr, um das geht es auch im Kuhstallbau-Online Kurs. Wenn du vielleicht schon einen Plan hast, wo du sagst, ja so ungefähr steht da schon, dann ist es ideal für dich. Da kannst du dich gerne bei mir melden und wir sprechen da drüber, ob der Onlinekurs auch für dich passen kann.

    Wie viel Arbeitszeit fließt in einen Stallbau?

    Unser Stall hat rund 11.000 Arbeitsstunden benötigt, bis er komplett fertig war. Allein 1.800 Stunden sind dabei auf mich selbst in den eineinhalb Jahren gefallen. Für die einzelnen Blöcke ergaben sich grob folgende Arbeitszeiten:

    150 Stunden auf die Erschließung,

    300 Stunden auf die Erdarbeiten,

    500 Stunden auf Güllegrube und Technik,

    4.500 Stunden für den Unterbau,

    2.000 Stunden waren es für den Oberbau,

    1.500 Stunden für die Stalleinrichtung,

    400 Stunden für Strom und Beleuchtung,

    150 Stunden für Wasser und Installation und

    rund 1.000 Stunden für die Melktechnik.

    Diesen Überblick kann man nur haben, wenn man auf Tagesbasis mitschreibt und dann zusammenfasst, das kann man nicht schätzen.

    Woher nimmt man 1,4 Millionen Euro?

    Natürlich sind 1,4 Millionen Euro Investitionsvolumen eine sehr große Nummer. Was bedeutet das, wenn man das zurückzahlen muss? Zahlt man jetzt den Stall auf 20 Jahre zurück und würde alles als Fremdkapital aufnehmen und setzt heutige 3,5% Zinsen an (Als wir gebaut haben, hatten wir nicht mal ein Prozent), dann kommt man auf einen Kapitaldienst in Höhe von 8.119 Euro im Monat oder 97.428 Euro im Jahr. Wenn man jetzt davon ausgeht, dass man in diesem Stall 1.000.000 Kilo Milch verkauft, dann kommt man auf 9,7 Cent, die ein Kilo Milch belastet ist. Oder anders: Von jedem Liter dieser 1.000.000 Kilogramm Milch muss man knappe 0,10€ für den Stallbau wegnehmen.

    Erzielt man weniger Milchleistung, dann ist es logischerweise mehr, bei einer höheren Leistung kommt man auf weniger. Die Schrauben, an denen man dann noch drehen kann, sind zum Beispiel der Zinssatz oder die Laufzeit. Wir haben den Stall nicht zu 100% finanziert. Wir haben eine Förderung über 100.000 Euro erhalten und hatten einen kleinen Anteil an Eigenkapital. Somit ist der Stall aus Eigenmitteln und aus Fremdkapital finanziert.

    Wäre es wo günstiger gegangen, wo teurer?

    Wir hätten jetzt ein einfacheres Dach wählen können, nicht ein freitragendes, sondern mit einfachen Säulen im Stall. Das wollten wir aus emotionalen Gründen nicht. Durch ein leichteres Dach hätte man weniger Beton und Eisen im Fundament benötigt. Dadurch spart man Arbeit für den Unterbau. Und es fallen geringere Kosten für die Dachkonstruktion an. Dort hätten wir etwa einen fünf- bis sechsstelligen Betrag sparen können, ganz genau kann ich es nicht sagen.

    Was auch möglich gewesen wäre, wäre ein Dreireiher statt eines Zweireihers. Man braucht da zwar etwas mehr Breite, aber man braucht deutlich weniger Länge und dadurch spart man Geld.

    Wie wir viel Geld sparen konnten, war mit unserer Eigenleistung, also Dinge, die wir selbst entworfen oder abgeschaut und dann gebaut haben. Das ist z. B. der hochfahrende Melkstand, der ist selbst gebaut. Wir hatten Eisen verschweißt und dann verzinkt. Wir haben eine Melkstandbrücke eigens gebaut, alle Abtrennungen im Stall sind von uns entworfen, geschweißt und verzinkt. Weitere Kleinigkeiten waren: Wir sind selbst viel Kipper gefahren, haben beim Unterbau und Dach Vieles selbst montiert. Meine Eltern haben in der Bauzeit viel im laufenden Betrieb erledigt, dadurch konnte ich viel auf der Baustelle arbeiten. Da konnte ich auf viele Kleinigkeiten achten, die unterm Strich ganz schön was ausmachen.

    Kann man heute noch günstig einen Kuhstall bauen?

    Wenn es sinnvoll und möglich ist, spart man unter Umständen mit einem Umbau ordentlich Geld. Je nachdem, wie der Stall ausschaut, muss drin mehr oder weniger umgebaut werden. Aber man kann durchaus Geld sparen, wenn man erweitern möchte.

    Man kann davon ausgehen, dass man beim Umbau vom Anbinde- zum Laufstall die drei- bis vierfache Fläche für dieselbe Kuhzahl braucht. Bei alten Laufställen kann es sein, dass nach einem Umbau nur noch die Hälfte der Herde hineinpasst. Es hängt von vielen Fragen ab: Welche Ansprüche man hat, wie gut es den Kühen danach gehen soll. Wie, wie sehr man den Kühen da was gönnen möchte.

    Was auch möglich sein kann, ist eine mehrhäusige Bauweise, da ist beim Unter- und Oberbau einfacher. Hör Dir dazu auch das Interview mit Jochen Simon.

    Man kann, wenn jetzt jemand mit einem Melkstand plant, auch den Vorwartebereich gleichzeitig als Auslauf nutzen. Somit hat man eine Doppelnutzung, und man könnte dort auch heute noch Geld sparen.

    Wo wirklich viel Geld gespart wird, ist, wenn man zum Schluss schneller ist bei der Arbeit oder weniger Arbeitskräfte braucht. Wenn man seinen Stall doch mit guten Arbeitsabläufen ausstattet, so wie wir es auch im Kuhstallbau Onlinekurs besprechen, dann kann man viel Geld sparen.

    Fazit

    Unser Stall kostet rund 1,4 Millionen Euro netto, es waren etwa 1.1000 Arbeitsstunden notwendig und es gibt Bereiche, die günstiger und andere, die teurer sein könnten.

    Wenn du eben gerade einen Stall planst oder wenn du überlegst, einen Stall zu planen, melde dich gern bei mir und ich kann dich dann in deiner Planung unterstützen mit dem Wissen, das ich hab und mit der Erfahrung, die ich selber schon sammeln durfte, nicht nur mit dem Neubau, auch mit dem Umbau.

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