Servus, in dieser Folge erfährst du, wie du deinen Stallbau finanziell so vorbereitest, dass das Konto nicht leerläuft und du ruhig schlafen kannst.
In der heutigen Folge heute geht es um die Fragen, warum die Rentabilität deines Milchviehbetriebs entscheidend ist, was eine leistbare Finanzierung ausmacht und welche Rolle Eigenkapital spielt. Ein Hinweis vorweg: Dies ist keine Finanzberatung, es ist lediglich meine Einschätzung und zu großen Teilen meiner eigenen Erfahrung.
Stell dir vor, du hast den Stall gebaut. Der Bau ist abgeschlossen, die Kühe stehen drin, du fütterst, du arbeitest, du findest langsam deinen Alltag. Alles läuft schön langsam an. Aber sobald die monatlichen Raten vom Konto abgehen, wird das Konto leer und du hast weniger Spielraum. Dann hast du auch keinen ruhigen Schlaf mehr, denn jeden Cent, den du ausgeben möchtest oder musst, wird zweimal umgedreht. Genau diese Situation darf dir nicht passieren. Genau deshalb gehört die finanzielle Vorbereitung mit in die Stallplanung. Nicht erst dann, wenn der Stall schon fertig ist, sondern dann, wenn du in die Planungsphase startest.
Ist dein Milchvieh rentabel?
Zunächst musst du die Rentabilität deines Betriebes richtig kennen. Ist der Milchviehbereich langfristig tragfähig und gewinnbringend? Oder ist es so, dass ein anderer Bereich (PV-Anlage, Ackerbau, Nebeneinkommen) den Stall querfinanzieren? Wenn das eine bewusste Entscheidung ist, dann ist es völlig in Ordnung. Aber es sollte nicht so sein, dass nicht genau hingeschaut wird und dann vielleicht die PV-Anlage ausläuft und auffällt, dass sie das Rückgrat des Betriebes war. Eine Rentabilitätsrechnung ist also wichtig, damit du eine bessere Entscheidungsgrundlage hast, wenn du die Baukosten kalkulierst.
- Was ist tragfähig?
- Wo sind wir im grünen Bereich?
- Wo beginnt der gelbe Bereich und wo wird es vielleicht gefährlich?
Die wichtigste Frage ist fast diese:
- Womit wird später der Kredit getilgt?
- Kommt das Geld vom Stall oder kommt das Geld woanders her? Der Stall ist dabei ein Mittel zum Zweck. Er sollte dafür sorgen, dass du leben kannst oder zumindest einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass der Betrieb erhalten bleibt und entwicklungsfähig bleibt.
Wie viel Finanzierung kann der Betrieb tragen?
Wie viel Finanzierung der Betrieb tragen kann, ist die nächste wichtige Frage. Dabei bedeutet finanzierbar nicht das Gleiche wie leistbar. Denn: Du musst eine monatliche oder jährliche Belastung hinbekommen, die zum Betrieb passt. Am Ende muss der Betrieb das stemmen können. Dabei ist es ganz wichtig, vorausschauend zu denken und z. B. an Folgeinvestitionen zu denken, die anstehen. Wenn das nicht machbar ist und die Bank trotzdem grünes Licht gibt, muss man sehr aufpassen. Es kann aber auch locker laufen, wenn die Kühe sehr gute Milchleistungen bringen. Wichtig ist, dass man den Betrieb nicht ausbluten lässt bzw. von der Substanz lebt.
Dabei hilft z. B. der reale positive Cashflow, d.h. dass die Monatseinkommen im Schnitt größer sein müssen als die Ausgaben. Dieses Prinzip gilt immer, wenn die Finanzierung leistbar sein soll. Daneben gilt die Arbeitszeit des Betriebsleiters und der Familienarbeitskräfte zu beachten. Bei Fremd-AKs setzt man 40 Arbeitsstunden pro Woche an, Überstunden werden mit Freizeit ausgeglichen. Unterm Strich bleibt dann übrig, was die Betriebsleiterfamilie zum Leben hat. Aus genau diesem Grund ist es so wichtig, dass über den gesamten Betrieb Geld übrig bleibt. Dazu leisten die Kühe ihren Beitrag, die Arbeitsbelastung des Menschen sollte im Verhältnis dazu stehen.
Wenn man jetzt an die Tilgungen denkt, müssen diese auch in Zeiten von niedrigen Milchpreisen trotzdem leistbar sein. Auch, wenn es im Stall mal nicht so läuft, müssen die Tilgungen bezahlbar bleiben. Der Milchpreis bewegt sich dabei in Wellen und man weiß nie, wann das nächste Hoch oder das nächste Tief kommt. Daher braucht man einen guten Überblick über seine Zahlen, damit man prüfen kann, wie viel Cash Flow im Schnitt der Monate bzw. Jahre übrig bleiben. Das ist zudem hilfreich, wenn man sich ein Polster für größere Reparaturen oder Marktschwankungen zulegen möchte. Damit behält man sich etwas Spielraum.
Wie wichtig ist Eigenkapital?
Es ist so, dass dieses Eigenkapital eine gewisse Versicherung für uns selbst ist, z. B. wie eine Brandschutzversicherung. Ich versichere meinen Betrieb gegen Brände, zahle meinen Beitrag ein und erhalte im Schadensfall eine Entschädigung von der Versicherung. Wer hingegen eine Hagelversicherung abschließt, kann bis zur maximalen Summe entschädigt werden, die durch Hagelschäden auf dem Feld entstehen kann. Wir könnten aber auch den Jahresbeitrag für diese Versicherung sparen, zur Seite legen und hätten dann die Entschädigung für den Schadensfall selbst angelegt. Vorausgesetzt, es ist am Kapitalmarkt, in Immobilien oder Bitcoin gewinnbringend investiert bzw. angelegt, denn auf dem Konto verliert es durch die Inflation an Wert.
Wenn wir den Stallbau aus der Sicht des Eigenkapitals betrachten, benötigt man eine Größenordnung. 10% ist eine gute Größenordnung, man kann bis 30% hochgehen. Das hängt von den Gesamtbedingungen ab. Eigenkapital ist aus dem Grund wichtig, als dass es eine Versicherung, eine Art Puffer ist, falls etwas schiefgehen sollte. Auf die Seite gelegt kann es auch eine Sicherheit sein, wenn man viel Fremdkapital aufnimmt. Das ist besser, als später zur Bank laufen zu müssen um 20.000 € für einen dringend benötigte Schlepperreparatur aufzunehmen. Wer alles an Eigenkapital verplant, dem können teure Nachfinanzierungen blühen. Daher ist meine Empfehlung, lieber konservativ mit einer Reserve zu fahren.
Wie finde ich die richtige Laufzeit und Tilgungsraten?
Bei der Laufzeit und der Tilgung müssen wir das richtige Maß finden. Oft denkt man, man müsste möglichst schnell möglichst viel zurückzahlen. Längere Laufzeiten können einen Puffer schaffen und somit den Betrieb etwas stabilisieren. Damit hat man laufend mehr Überschuss. Wenn man in absoluten Euros den Kredit schneller zurückzahlen will, geht das auf Kosten der Liquidität. Wenn ein Stall z. B. auf 25 Jahre ausgelegt ist, muss man auch familiäre Entwicklungen mit bedenken. Wenn man z. B. den Betrieb schuldenfrei an den Nachfolger übergeben möchte, kann man mit einer schnelleren Rückzahlung planen. Meine Empfehlung lautet daher, eher länger zurückzuzahlen und stabil zu bleiben. Man kann zusätzlich Sondertilgungen einbauen, wenn im Betrieb Geld übrig ist.
Wie wirkt Inflation auf Schulden?
Die Inflation nimmt Einfluss auf die Schulden. Als Betrieb mit Schulden wird man durch die Geldmengenausweitung real entlastet. Die reale Schuldenlast ist dann, was wirklich im Geldbeutel ankommt. Nominal sind dann die Beträge, die wir sehen, die uns heute groß vorkommen, aber morgen weniger wert sind. Die Geldmenge, die in Europa im Umlauf ist, ist in den letzten zehn Jahren um etwa 4 % pro Jahr gewachsen. Vereinfacht gesprochen hat das zur Folge, dass man heute für seinen Gegenwert vom Geld länger arbeitet als früher. Zusammen mit der Inflation bedeutet das zum Beispiel für den Stallbau, dass die Kosten schnell steigen können. Das muss man beim Stallbau beachten, wenn man einen Kredit aufnimmt. Denn die Raten bleiben gleich (z. B. bei einem Annuitätendarlehen) die Einnahmen aber steigen vom Wert her tendenziell. Wenn also die Geldmenge ständig ausgeweitet wird, sind unsere Waren auch höher bepreist. Wenn wir einerseits Schulden haben und andererseits Sachwerte dem gegenüberstehen, sieht es ähnlich aus. Beispiel Immobilien: Wir haben ein Haus gekauft, das wir vermieten. Der Annuität von dem, was wir monatlich zurückzahlen im Verhältnis zu dem, was wir an mieten bekommen, verbessert sich laufend. Wir haben dann das Risiko, also wenn wir jetzt sehr stark auf den Inflationsaspekt setzen und dann stark in die Verschuldung reingehen. Das birgt auch Risiken!
Wenn wir als Landwirt einen Stall bauen, können wir unseren Nutzen daraus ziehen. Der Stall ist produktiv und liefert Milch. Zudem hat er einen Wert, der lange anhält. Wenn wir die Inflation nutzen und den Bau mit Bedacht finanzieren, gleichzeitig einen Puffer in Realwerten aufbauen, nutzen wir die Inflation für uns. Das kann langfristig einen ernsthaften Unterschied in sechs- oder siebenstelligen Bereichen machen.
Neubau, Umbau, Anbau – wo sind die Unterschiede?
Zwischen Neubau, Umbau und Anbau haben wir definitiv Unterschiede und unterschiedliche Planungsspielräume. Ein Neubau hat z.B. den Gestaltungsspielraum. Wir wissen, was wir brauchen und setzen ein neues Gebäude um unsere Bedürfnisse und Arbeitsabläufen herum. Das ist deutlich teurer als ein Umbau, man kann aber so planen, dass man größere Kompromisse vermeiden kann. Bei Neubauten macht eine geplante Nutzungsdauer von 20 bis 30 Jahren Sinn.
Bei einem Anbau kann man den Kühen mehr Platz bieten. Dort kommt es ebenfalls auf die Gegebenheiten an: wie lange soll der Stall genutzt werden? Kleinere Umbauten mit wenig Aufwand sind oft schnell umsetzbar, bergen jedoch oft Einschränkungen bei der Arbeitswirtschaft. Bei größeren Umbauten plant man neu und baut die eine oder andere Gegebenheit komplett um, z. B. die Liegeboxen oder Güllekanäle. Ähnlich ist es bei Anbauten, es gibt günstigere und aufwändigere Anbauten.
Der Grundsatz bei allen Bauvorhaben:
- Steht der Nutzen im Verhältnis zum Aufwand?
- Wie steht ein Um- und Anbau im Verhältnis zum Neubau?
- Wenn der geplante Umbau fast genauso viel wie der Neubau kostet, macht man dann lieber einen Neubau und verzichtet auf die vielen Kompromisse?
Wie berücksichtige ich den Milchpreis?
Meine Empfehlung bezüglich des Milchpreises ist, eher konservativ zu kalkulieren. Ich selbst habe meinen Stall mit 0,35 € kalkuliert. Da das Preisniveau seit dem Bau gestiegen ist, sind diese 0,35 € nicht mehr dieselben wie vor dem Baustart. Man sollte vorher überlegen, in welchen Größenordnungen man kalkulieren möchte, auf einem hohen mit 0,50 € oder mit weniger Milchgeld? Man kann versuchen, verschiedene Szenarien zu entwerfen und es realistisch einzuschätzen, z. B. mit einem optimistischen, realistischen und pessimistischen Szenario. Dann kann man überlegen, wie es wäre, wenn es mal zwei Jahre pessimistisch läuft (aufgrund schlechten Milchpreisen, niedrigen Schlachtpreisen, hohen Futter- oder Energiekosten etc.). Der größte Hebel bleibt der Milchpreis, dort kann man die letzten zehn Jahre betrachten mit den Tiefs und den Spitzen. Könnte man den Kapitaldienst dann noch leisten? Achte dabei zudem auf deine fixen Kosten.
Fazit
Kläre, ob der Bereich Milchvieh in deinem Betrieb rentabel ist.
Plane eine realistische Laufzeit und finanziere lieber etwas länger als vielleicht rechnerisch möglich wäre.
Setze dich mit deinen persönlichen betrieblichen Finanzen auseinander.
