KSB 148 Sozial stabile Trockenstehergruppen

In der heutigen Folge heute geht es um die sozial stabile Trockenstehergruppe. Ich möchte mit dir das Konzept besprechen, unterschiedliche Varianten anschauen und ich möchte, dass du Verständnis dafür bekommst, warum der soziale Gedanke bei den Kühen durchaus ein Argument in der Beurteilung ist, wie man die Trockensteher aufstallt.

Bevor wir starten, ein kurzer Hinweis: Wenn du gerade einen neuen Stahl oder einen Umbau planst, dann melde dich gerne bei mir. Ich unterstütze Landwirte auf dem Weg zum passenden Stall.

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    Der Stress vor der Kalbung ist wie Gegenwind in der Gesundheit. Stress vor der Kalbung ist ein unterschätzter Faktor, der die Kalbungen und deren Verlauf negativ beeinflussen kann. Bei den Trockenstellern denken viele Landwirte oft an die Termine zum Trockenstellen und der Kalbung. Wie stark die Umgebung der trockenstehenden Kuh mitwirkt, wird oft unterschätzt. Deswegen wollen wir heute über sozial stabile Trockenstehergruppen sprechen.

    Welche Varianten für stabile Gruppen gibt es?

    Eine sozial stabile Gruppe ist eine Gruppe, die über einen längeren Zeitraum ohne Neuzugänge oder Umstallen in einer Gruppe zusammenbleibt. Dafür werden mehrere Kühe zusammen trockengestellt. Dabei gibt es zwei Varianten:

    –   A: Eine Gruppe Kühe wird zusammen trockengestellt und kommt dann gemeinsam in eine Abkalbebucht. Immer wenn eine Kuh kalbt, verlässt die Kuh die Bucht und geht zu den Frischmelkern. Die Trockenstehergruppe wird immer kleiner bis zur letzten Kuh. Dabei bleibt de Rangordnung stabil, die Kühe werden nicht zusätzlichem Sozialstress ausgesetzt.

    –   B: Eine Gruppe trockenstehender Kühe bleibt 14 bis 21 Tage vor der Kalbung zusammen. Wöchentlich kommen neu trockengestellte Kühe hinzu und gleichzeitig werden die Kühe entnommen, die 21 bis 14 Tage vor der Kalbung stehen. Diese hochtragenden Kühe kommen dann möglicherweise auf Stroh, dort bleiben sie, bis sie gekalbt haben.

    Welche Vorteile haben sozial stabile Gruppen?

    Für sozial stabile Gruppen braucht es etwas mehr Aufwand und etwas mehr Platz. Trotzdem ist es die Überlegung wert. Denn Studien haben gezeigt, dass jede Umstallung zu Stressreaktionen führt, z. B. Rangkämpfe am Futtertisch und geringere Futteraufnahmen. In der sensiblen Zeit vor der Kalbung kann das zu Stoffwechselproblemen und weniger Milchleistung führen. Bekommt man hingegen mehr Stabilität und Ruhe in die Zeit vor der Kalbung, verbessern sich das Sozial- und Fressverhalten. Beide Varianten bieten diese Stabilität, wobei Variante A noch größere Vorteile birgt, da noch weniger Gruppenwechsel vorkommen.

    Wenn wir die Kühe z. B. acht Wochen vor der Kalbung trockenstellen und drei Wochen vor der Kalbung aus der Gruppe nehmen, haben wir immer noch fünf bis sechs Wochen, in denen die Kühe in der Trockenstehgruppe sind. Wenn man nun wöchentlich trockenstellt (und in manchen Wochen auch nicht) und das grob überschlägt, stellt man in einem Zeitraum von acht Wochen ca. vier- bis fünfmal trocken. Das bedeutet, dass wir in diesem Zeitraum vier bis sechs Mal einen Wechsel in der Gruppe haben. Diese Wechsel kann man reduzieren, indem man kleine Trockenstehergruppen bildet.

    Praxisbeispiel: Kleingruppen bei Gusti

    Auf unserem Betrieb zum Beispiel haben wir ca. 100 Kühe. Wir planen, dass wir jede bzw. jede zweite Woche trockenstellen und Trockenstehergruppen von drei bis fünf Kühen bilden. Die Frühtrockenstehenden sind in einem Liegeboxenbereich untergebracht, der Close-Up-Bereich mit den Hochtragenden Kühen ist auf Tiefstroh. Die Kühe sollen möglichst vom Trockenstellen bis zum Abkalben in einer Gruppe zusammenbleiben. Wir werden dafür manchmal auch nur zwei Kühe gleichzeitig trockenstellen, wodurch sehr kleine Gruppen entstehen. Diese Gruppen werden wir mit zwei, drei Kühen auffüllen, die dann miteinander auf Stroh gehen. Wir haben für diese Kühe künftig einen Einreiher mit verschiedenen Abtrennungen zur Verfügung.

    Was braucht’s dafür?

    Genug Platz im Stall ist die Voraussetzung, dass dieses Prinzip so funktionieren kann. Zusätzlich benötigt man bei Bedarf eine Planungsmöglichkeit für Termine der Kalbung und Trockenstelltage. Das hilft dabei, vorausschauend zu planen und hilft beim Management.

    Idealerweise stallt man also immer eine ganze Gruppe statt einzelner Kühe um. Wenn man zum Beispiel in den kommenden drei Wochen acht Kühe trockenstellen möchte, mache ich das nicht an einzelnen Tagen, denn damit wären viele Umstallungen notwendig. Besser ist es immer, in Kleingruppen trockenzustellen, wenn es möglich ist.

    Das gleiche Prinzip gilt auch für die Abkalbebox. Dort kann man immer eine einzelne Kuh einstallen, wenn man z. B. just-in-time umstallt, also die Kühe unmittelbar vor der Kalbung in die Abkalbebox umstallt. Das kann aber zu Nachteilen führen, wenn man den Zeitpunkt nicht richtig abpasst. Gerade in Familienbetrieben ist die Just-in-Time-Umstallung oft schwierig umzusetzen, da empfehle ich, die hochtragenden Kühe ca. 14 Tage vor der Abkalbung in die Abkalbebucht zu bringen. Verschiedene Studien (siehe auch: https://www.topagrar.com/dl/2/8/4/8/1/1/6/TR_006_011_10_12.pdf oder https://www.elite-magazin.de/herdenmanagement/stabilen-gruppen-kalben-15138.html) haben gezeigt, dass der ideale Zeitpunkt für die letzte Umstallung vor der Kalbung sogar bei ca. vier Wochen vor der Kalbung liegt. Aus dem früheren Zeitpunkt ergeben sich Vorteile beim Fressverhalten, weniger Rangkämpfe am Futtertisch, stabilere Milchleistungen nach der Kalbung, weniger Abgänge während der Frischmelkerzeit. Meiner Meinung nach ist ein Kompromiss aus zwei bis drei Wochen eine gute Lösung. Die Premiumlösung bleibt für mich das gruppenweise Umstallen während der gesamten Trockenstehzeit.

    Dabei bleibt zu beachten, dass die Kühe ausreichend Bewegungsraum haben, auch wenn der Platz durch die Kleingruppen geringer wird. Ebenso müssen die Wasser- und Futterversorgung gesichert sein. Wenn man bei 100 Kühen vielleicht nur eine Abkalbebox hat, wird es schwierig umzusetzen. Wichtig ist für mich dabei das Umdenken, das notwendig ist. Man muss die Planung und Organisation komplett umstellen und der Alltag wird sich verändern.

    Fazit

    Sozial stabile Gruppen bringen mehr Ruhe, bessere Leistung und weniger Krankheitsfälle, gerade nach der Kalbung.

    Mit guter Planung lässt sich dieses auch in etwas kleineren Herden mit 50 bis 70 Kühen umsetzen (in Herden mit 20 bis 30 Kühen ist es eher nicht gut umsetzbar).

    Wer jetzt einen neuen Stall neu plant oder umbaut, der kann an die Gruppenhaltung von Anfang an denken. Wenn du in der Planung deines neuen Stalls oder beim Umbau deines Stalls Ruhe, Leistung und Tierwohl verbinden möchtest, dann lohnt sich definitiv der Blick auf die sozial stabilen Gruppen während der Trockestehzeit. Und wenn du überlegst, wie du das in deinem Grundriss umsetzen möchtest oder könntest, dann melde dich bei mir. Ich unterstütze dich in deiner Planung!

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