KSB 133 Griffiger Boden für Kühe – Interview mit Karl Bürgi Teil 2

Im zweiten Teil vom Interview mit Klauenexperte Karl Bürgi geht es um den Boden für Kühe, Gummimatten auf den Laufgängen und was erfolgreiche Betriebe mit guten Klauen gemeinsam haben. 

Im ersten Teil vom Interview ging es um die funktionelle Klauenpflege nach Bürgi. Wir haben erfahren, was in der Klauenpflege wirklich wichtig ist und wie oft die Klauenpflege erfolgen sollte. Heute geht es um die stallbaulichen Aspekte. Wir wollen über den Boden im Stall und Gummibeläge sprechen sowie darüber, was Betriebe mit erfolgreicher Klauenpflege gemeinsam haben. 

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    Übrigens: Im Kuhstallbau-Onlinekurs gibt es Bonusvideos mit Vorträgen von Karl Bürgi, unter anderem auch zur Oberfläche von Böden. Dort erklärt er die Faktoren für gesunde Klauen und seine Methode der funktionellen Klauenpflege. Wenn dich der Kuhstallbau-Onlinekurs interessiert, dann trag dich auf der Homepage zum kostenlosen Erstgespräch ein und wir telefonieren miteinander und schauen, ob der Kurs auch für dich passen könnte. 

    Welche Eigenschaften braucht ein Boden, damit gesunde Klauen gut darauf stehen können?

    Als Erstes muss eine Kuh eine flache und plane Lauffläche mit Rillenstruktur haben. Die Rillen helfen der Kuh, beim Laufen nicht auszurutschen. Auf Betonböden wird dafür meist in Laufrichtung eine Rille von 1,9 cm breit und 1 cm tief eingefräst. Dazwischen haben wir dann eine Fläche von ungefähr 63 Millimeter. Mit diesen Dimensionen ist eine Klaue immer auf der Rille und wir sehen beim Klauenschneiden, dass die Kühe dort kaum ausrutschen. 

    Spaltenböden können hingegen besonders zu Beginn sehr aggressiv auf die Klaue wirken, da sie meist angeraut sind. Da muss man aufpassen, dass man die Klauen nicht zu scharf schneidet, weil im ersten Jahr so viel natürlicher Abrieb im Stall ist. Die neuen Spaltenböden, die mittlerweile in Europa eingebaut werden, haben aber eine gute Lauffläche für die Klaue und sind besser geeignet als zum Beispiel Böden aus Gussasphalt. 

    Manchmal wird der Boden allerdings auch zu glatt. Harnstein oder Kalk im Wasser zum Beispiel führen dazu, dass der Boden glatter wird. Man kann Rillen einfräsen in den Boden, aber wenn die Distanz zu groß sind, ist die Fläche dazwischen immer noch zu glatt. Dort würde ich eine chemische Behandlung der Böden empfehlen. Gegen Harnstein kann man zum Beispiel Natriumsulfat als Granulat auf die Böden streuen, um sie wieder anzurauen. Wenn das nicht funktioniert, würde ich einen bis zwei Millimeter der Oberfläche mit einem Diamantscheiben entfernen. 

    Ganz wichtig ist dabei, die Rillen immer in Richtung des Verkehrs zu ziehen. Querrillen sehe ich nicht gerne, da der Entmister die Querrillen nicht richtig säubern kann. Dann hat man sofort eine höhere Bakterienbelastung im Boden, was eine große Gefahr birgt, dass Kühe sich mit Mortellaro infizieren. 

    Siehst du bei der Klauengesundheit einen Unterschied zwischen planbefestigten Böden und Spaltenböden?

    Auf kleinen Betrieben mit bis zu 120 Kühen funktionieren Spaltenböden. Besonders in Roboterbetrieben, in denen die Kühe keine großen Strecken laufen müssen. Auf größeren Betrieben habe ich mit Spaltenboden kaum gute Ergebnisse gesehen. Da sind die Laufflächen nicht immer flach und die Kuh kann nicht wählen, wo sie läuft. Manchmal werden die Spalten dann mit Gummimatten bedeckt, die dann manchmal die Spaltenöffnungen verkleinern. Das funktioniert gut, wenn ein Spaltenroboter alle 2 bis 3 Stunden reinigt. 

    Bei Gummiböden muss man jedoch besonders darauf achten, dass die Liegeboxen sehr gut sind. Sonst stehen die Kühe zu viel auf den Gummiböden. Die Kuh sollte zum Beispiel nur viereinhalb bis fünf Stunden am Tag am Futtertisch stehen. 

    Siehst du ein Problem mit den Spaltenweiten von 3,5 Zentimeter? Wären kleinere Spalten besser für die Kuh? 

    Ja, ich denke, kleiner wäre besser. Das Problem ist dann aber die Entmistung. Problematisch bei der größeren Spaltenbreite ist zudem, dass wenn die Spalten im 90°-Winkel zum Fressplatz liegen, die Innenklaue in die Spalten rutschen kann, wenn die Kuh am Fressplatz steht. Das kann die Spitze der Innenklaue oder den inneren Tragrand beschädigen und zu Lahmheit führen. Es können Entzündungen an der Sohlenspitze auftreten oder Sohlenspitzengeschwüre.

    Was ist da dein Favorit, Gummimatten auf die Laufgänge oder nicht?

    Nein, ich würde alles Geld in die Liegeboxen investieren. Kühe sollten nur 4,5 bis 5 Stunden fressen und 12 bis 14 Stunden täglich liegen. Da sind gute Liegeboxen wichtiger als Böden! Man hat weniger Probleme mit den Klauen, wenn die Kühe viel abliegen. Gummi kann man dann dort verlegen, wo viele Kühe mehr Zeit verbringen, also rund um die Roboter, bei Abbiegungen von 90° und dort, wo man Kühe treibt. 

    Was zeichnet Betriebe mit guter Klauengesundheit noch aus?  

    Griffige Böden! Wenn man im Stall zu glatte Böden hat und keine Rillenstruktur einfügen kann, kann man an einigen Stellen Gummimatten installieren. Dabei ist es sehr wichtig, die Liegeboxen richtig gut zu managen, sonst stehen die Kühe zu viel. Die Liegeboxenpflege haben die meisten Hochleistungsbetriebe gut im Griff. Dann können die Kühe 12 oder mehr Stunden am Tag abliegen, wiederkäuen und laufen dann wieder zum Fressen. 

    Was ich manchmal auf Roboterbetrieben beobachte, sind rangniedere Kühe, die viel zu lange warten bis sie in den Roboter gehen. Wir haben Versuche gemacht, in denen Kühe teilweise drei, vier Stunden warten mussten, weil sich die ranghöheren Kühe vorgedrängelt haben. Größere Betriebe können dann eine eigene Melkgruppe für die rangniederen Kühe bilden. 

    In einem Laufstall mit Melkstand ist es etwas anders, da werden die Kühe zum Melken getrieben. Oft stehen dort aber die Rinder und die frischabgekalbten Kühe sehr lange. Dort muss man darauf achten, dass die Steh- und Laufzeit für diese Tiere nicht zu lang wird. In Hochleistungsbetrieben sind die Kühe nicht länger als 2,5 bis 3 Stunden am Tag nicht an den Liege- und Fressplätzen, also unterwegs zum oder zurück vom Melken. Alles, was darüber hinausgeht, wird mehr Arbeit machen, weil einige Kühe dann zu lange stehen müssen. Besonders für lahme Kühe ist das dramatisch, weil diese Kühe noch länger stehen, da sie teilweise Schmerzen haben, sich in die Liegeboxen abzulegen. Also muss man alles versuchen, um Lahmheiten ganz zu vermeiden. 

    Welche Laufgänge haben die erfolgreichsten Betriebe? 

    Die erfolgreichen Betriebe haben flache, plane Böden mit einer Rillenstruktur in Richtung des Verkehrs. Auf den Großbetrieben wird etwa zwei bis dreimal täglich entmistet. Haben die Betriebe lange Laufgänge, laufen die Faltenschieber oft rund um die Uhr. Die erfolgreichen Betriebe haben nie viel Gülle vor den Schiebern. Kleinere Betriebe haben öfter Entmistungsroboter. 

    Welche Liegeboxen haben Betriebe mit erfolgreichem Klauenmanagement?

    Tiefstreu. Die meisten der besten Betriebe weltweit haben Sandliegeboxen. Danach kommen Liegeboxen mit Güllefeststoffen, dann Liegeboxen mit gehäckseltem Stroh. Die sind allerdings nicht einfach zu managen. Denn permanent eine gute Matratze für die Kühe zu haben, kostet sehr viel Zeit. Mit Sand eingestreute Liegeboxen hingegen haben den Vorteil, dass die Kühe im Sommer beim Abliegen nicht so stark aufheizen. 

    Welche Klauenpflegeroutine haben die erfolgreichsten Betriebe gemeinsam?

    Erfolgreiche Betriebe schneiden die Klauen zu festen Terminen, also acht bis drei Wochen vor dem Abkalben oder irgendwann in der Trockenstehzeit. Bei jungen Kühen machen viele Betriebe noch einen Mittelaktationsschnitt zwischen dem 125. Bis 150. Laktationstag. Ältere Kühe werden drei bis viermal geschnitten. Kühe mit Rötungen an den Klauen oder Sohlengeschwüren werden zusätzlich einmal am 30. bis 45. Laktationstag kontrolliert. Nachdem sollte man solche Kühe alle 90 Tage kontrollieren. Diesen Kühen wird Hauptsächlich eine gute Hohlkehlung geschnitten. Wichtig ist, dass die Kühe zwischen dem 45. und 110. Tag in Milch eigentlich nicht mehr in den Klauenstand gehen müssen. In dieser Zeit muss sie Milch produzieren, sie wird wieder besamt. Bei jeder Maßnahme kann etwas Milchmenge verloren gehen. 

    Was viele der erfolgreichen Betriebe zudem machen, ist, die Kühe drei Wochen vor dem Abkalben noch einmal zu kontrollieren und gegebenenfalls nachschneiden. Denn es kann sein, dass zwischen den Besuchen des Klauenpflegers sechs Monate liegen. Dadurch kann man schon viele Lahmheiten verhindern, die in dem kritischen Zeitraum drei Wochen vor bis drei Wochen nach der Kalbung auftreten können. 

    Welche Möglichkeit gibt es, in Kontakt mit Dir zu treten oder mehr über dich zu erfahren?  

    Am besten am besten geht das über die Website Save Cows. Über die Website kann man mir Fragen stellen. Wenn ich Zeit habe, beantworte ich diese Fragen. Ich bin aber nicht jeden Tag am Computer, denn ich schneide immer noch an zehn bis zwölf Tagen im Monat Klauen. 

    Gibt es Möglichkeiten, einen Klauenpflegekurs bei dir zu besuchen, zum Beispiel in der Schweiz? 

    Wir bieten jedes Jahr im Herbst in zwei Landwirtschaftsschulen in der Schweiz Klauenpflegekurse an. Im nächsten Jahr planen wir zudem einen Klauenmanager-Kurs in Norddeutschland an, zusammen mit Alta Genetik. Wenn es Interesse in Deinem Gebiet an einem Klauenkurs gibt, können wir das auch in deiner Nähe machen, Gusti. 

    Super! Das ist es ganz einfach: Wer Interesse an einem Klauenkurs bei Karl Bürgi hat, darf sich gerne bei Kuhstallbau melden, einfach eine E-Mail an kontakt@kuhstallbau.com schreiben, da sammeln wir Interessierte! 

    Herzlichen Dank für das wirklich sehr interessante Gespräch, Karl Bürgi!

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