In dieser Folge möchte ich mit dir über den Grundriss vom Laufstall sprechen. Du erfährst, warum ein guter Grundriss so wichtig ist und was häufige Fehler sind.
In der heutigen Folge heute geht es um den Grundriss vom neuen Stall oder auch vom Umbau, je nachdem, was du planst. Wir sprechen heute über die Wichtigkeit vom Grundriss und über häufige Fehler.
Ich sehe sehr oft und immer wieder Pläne, in denen einige Maße nicht stimmen und z. B. der Platz für den Kopfschwung für die Kuh nicht ausreicht. Bei unserem Stall haben wir selbst auch ein paar Fehler eingebaut. Bei uns reicht der für den Kopfschwung an der Liegebox nicht aus. Da könnten die Kühe noch schöner aufstehen, wenn das passen würde wenn wir das von Anfang an richtig gebaut hätten. Einen Teil können wir noch korrigieren, das werden wir auch machen. Das soll dir nicht passieren, das ist mir ein Anliegen mit dieser Folge und mit meiner Beratung. Da der Grundriss das Fundament für die Planung deines neuen Stalls ist, muss der passen, bevor man anfängt, zu bauen oder umzubauen.
Der Grundriss-Schnellcheck
Es gibt einen neuen Grundriss-Schnellcheck, den du dir kostenlos auf der Homepage herunterladen kannst. Geh dazu einfach auf kuhstallbau.com/grundriss und lade ihn dir direkt runter.
Warum ist der Grundriss so wichtig?
Im Endeffekt baut alles auf den Grundriss auf. Alles, was du im Stall später planst, welche Sachen du einbauen möchtest und alles, was du in Sachen Dach und Wände machst, hängt alles mit dem Grundriss zusammen. Du musst vorher festlegen, wie die Tiergruppen aufgeteilt sind. Zuerst schaut man, welchen Platz man wo benötigt, danach kommt die Hülle drumherum.
Im Umbau ist es das Prinzip umgekehrt. Dort baust du von außen nach innen und musst beachten, wie du den bestehenden Stall nutzen kannst oder eventuell eine Erweiterung notwendig wird. Die weitere Planung mit den Baudetails und z. B. der Gülletechnik kommt dann erst danach und baut auf dem Grundriss auf. Später noch eventuell eine Wand zu verschieben, ist dann meist schnell gemacht, da kann man einen Änderungsantrag einreichen. Das ist in jedem Fall besser als hinterher im fertig gebauten Stall zu bemerken, dass dies oder das von den Maßen überhaupt nicht passt. Sind aber alle Maße schon vorab gut durchdacht, weil man den Grundriss richtig ausgefeilt hat, hat man schon viel gut gemacht. Also: Auch, wenn der Bau schon kurz bevorsteht, aber dir jemand empfiehlt, die Maße der Liegebox noch einmal anzupassen, macht das viel Sinn, vorab noch einmal zu ändern. Auch, wenn man denkt, „das passt schon so“, wenn es zum Beispiel nur um 20 cm geht, ist es schade, dass nicht noch einmal zu überdenken und zu verändern. Denn im Grundriss Änderungen einzubauen ist einfacher als später im laufenden Betrieb noch etwas Grundlegendes zu verändern. Zudem ist es immer am teuersten, etwas zu verändern, wenn es bereits betoniert ist.
Was bedeutet der Plan für die Praxis?
Auf dem Plan sind es oft nur ein paar Striche, die man verändern kann, um etwas zu verbessern. Die Grundrisspläne richtig zu lesen und zu verstehen, muss man erst lernen. Was bedeutet es zum Beispiel, wenn jetzt da ein vier Meter breiter Fressgang eingezeichnet ist? Man muss ein Bild vor Augen bekommen, was es bedeutet, wenn vielleicht da fünf Meter oder drei Meter sind. Was bedeutet es in der Praxis, wenn Kühe dort stehen, sich bewegen, dort laufen? Der Fressgang ist die wichtigste Verkehrsachse im Stall, diese muss großzügig geplant und gebaut werden. Die uneingeschränkte Bewegungsfähigkeit der Kühe zu bewahren, ist die Aufgabe der wichtigsten Verkehrsachse im ganzen Stall. Das Fressen muss immer gut möglich sein, da dürfen die Kühe möglichst wenig eingeschränkt werden, damit eine hohe Futteraufnahme nicht darunter leidet. Von baulicher Seite darf den Kühen nichts im Wege stehen, was sie daran hindern könnte, viel zu fressen.
Manchmal wird in Ställen ein extra breiter Futtertisch gebaut, auf dem man schön arbeiten kann. Gleichzeitig wird der Fressgang schmal gebaut und nicht auf die Kuh geachtet. Wenn man den Fressgang kleiner macht zugunsten eines breiteren Futtertischs, hat man es nicht verstanden.
Fehler Nr. 1: Zu kleine Liegeboxen
Oft werden die Liegeboxen zu klein geplant, manchmal zu kurz, manchmal zu schmal, manchmal zu kurz und zu schmal. Mal. Es ist eben ein Unterschied, ob man der Kuh einen Kopfschwung uneingeschränkt bieten kann oder nicht. Mit Platz für Kopfschwung kann auch eine kürzere Liegebox unproblematisch sein, da die Kuh uneingeschränkt aufstehen kann. Gleichzeitig kann die etwas längere Länge auch zu kurz sein, weil der Kopfschwung nicht möglich ist. Je nachdem, wie es im Stall steht, ist es sehr unterschiedlich. Es macht einen Unterschied, ob man Doppelboxen oder eine einfache Liegeboxenreihe im Stall hat und wo die Boxen an eine Wand grenzen. Die entsprechenden Empfehlungen kannst du dir im Grundriss-Schnellcheck hier direkt und kostenlos herunterladen. Mit dem Schnellcheck kannst du deinen Grundriss auf die wichtigsten Maße überprüfen.
Den Grundriss-Schnellcheck empfehle ich dir auch für deinen Umbau. Dort gibt es ja oft die Lösung, dass man hier und dort von jedem Maß etwas wegnimmt. Dann ist die Liegebox etwas schmaler, der Laufgang etwas schmaler. Alles ist etwas kleiner, aber man denkt sich ebenfalls „das geht schon so“. Natürlich geht das alles irgendwie. Aber wenn man der Kuh uneingeschränkten Raum für Aufstehen, Stehen, Laufen und Bewegung geben möchte, geht es einfach nicht gut. Wenn man schon umbaut, dann überlegt man sich im besten Fall vorab, wie man den vorhandenen Platz bestmöglich nutzen kann sodass es der Kuh gleichzeitig richtig gut geht.
Es gibt Lösungen, die eher ungewöhnlich sind, aber die in der Praxis gut funktionieren können. Manchmal muss man sich aus dem Gedankenkorsett lösen. Viele Planungsbüros möchten gerne schnelle Lösungen präsentieren. Es soll tatsächlich Stallbauberater geben, die eine wandständige Liegebox mit 2,30 Meter Länge planen und das als gut betrachten. Dort kann die Kuh zwar irgendwie aufstehen, wenn sie ihren Kopf zur Seite dreht. Das ist aber nicht das, was wir bauen wollen, wenn wir unseren Kühen uneingeschränkten Platz zum z. B. Aufstehen gewähren wollen. Denkt man hingegen um die Ecke und plant eine Liegebox, in der es der Kuh die nächsten zehn Jahre gutgeht, weil der Platz für den Kopfschwung ausreicht und die Liegebox bequem ist, hat man viel gewonnen.
Fehler Nr. 2: Zu wenig Platz vorm AMS
Manchmal wird beim Umbau vor dem AMS viel zu wenig Platz eingeplant. Teilweise werden Melkroboter an Engstellen im Stall platziert. Dort kann der Mensch gut durchgehen. Die Kuh passt auch hindurch, aber in einer Engstelle kann sie nicht flüchten. Wenn zum Beispiel eine ranghöhere Kuh kommt und zum Melken möchte, erfährt die rangniedere Kuh dort immer wieder Rangkämpfe. Wenn die Fluchtmöglichkeit dort nicht gegeben ist, kann es sein, dass die rangniedere Kuh über zwei, drei, vier Melkungen nicht mehr zum Roboter kommt.
Baufehler kosten viel Geld!
Bauliche Details können den Alltag im Stall schnell verschlechtern. Planerische Ideen helfen, am meisten schon bereits in der Planung. Gerade bei den hohen Kosten für Umbau und Neubauten sollte man das Geld für die Planung mit einkalkulieren. Allein die Umstellung von Melkstand auf Roboter kostet meist über 200.000 €. Bei einem Roboter kommt mit den ganzen Arbeiten auf etwa 300.000 € aufwärts, bei zwei oder drei Robotern entsprechend mehr. Wenn man dort 100 Stunden für die Planung investiert und diese mit 50 € ansetzt, ist das im Verhältnis zu den Investitionskosten nicht viel.
Dass man da nicht mehr Gedanken in die Planung setzt, kann ich oft nicht verstehen. Erfolgreiche Bauherren möchten nicht mit Standardlösungen tauschen. Wenn man also genug Hirnschmalz reinsteckt und Möglichkeiten der Beratung nutzt, kommt man zu guten Ergebnissen.
Fazit
- Der Grundriss ist mit Abstand das Wichtigste, wenn man seine Planung weiter bauen möchte, da baut einfach alles drauf auf.
- Pläne lesen haben wir nicht gelernt, wir müssen Verstehen lernen, was das bedeutet, wenn im Grundriss gewisse Maße und Anordnungen eingezeichnet sind.
- Die Liegeboxen müssen einfach einwandfrei sein.
