In dieser Folge möchte ich dir eine Hilfestellung geben, wie man gute Entscheidungen auch bei schwierigen Fragestellungen trifft.
In der heutigen Folge geht es um Entscheidungen. Ich möchte dir einige Hilfsmittel zeigen, die dir dabei helfen können, schwierige Entscheidungen einfacher zu treffen. Wenn du einen Umbau oder einen Neubau vorhast, stehst du vor unzähligen Entscheidungen.
Diese reichen von täglichen Entscheidungen bis hin zu Grundsatzfragen. Beim Stallbau geht es oft um Investitionen in Technik: Welche Liegeboxen sollen es sein? Gülleschieber oder Saugroboter? Wie viele Abkalbeboxen sollen in den neuen Stall?
Manchmal sind die Entscheidungen jedoch nicht zwischen dem einen oder dem anderen. Oft gibt es viele Nuancen, die von verschiedenen Faktoren abhängen. Wirtschaftlichkeit und Tierwohl können Entscheidungen stark beeinflussen, genau wie der Arbeitsaufwand. Auch das Bauchgefühl spielt bei Entscheidungen eine Rolle. Aber wie findet man die beste Lösung, ohne sich in endlosen Überlegungen zu verlieren und die Entscheidung hinterher zu bereuen? Ich möchte dir fünf bewährte Methoden vorstellen, die dir helfen, mit klarem Kopf bessere Entscheidungen zu treffen.
10-10-10-Regel
Die erste Möglichkeit ist die 10-10-10-Regel. Das Prinzip ist, dass du dir die Auswirkungen deiner Entscheidung in drei Zeiträumen überlegst:
- Zuerst überlegst du, was du in 10 Minuten darüber denkst. Was sagen der erste Eindruck und das Bauchgefühl ?
- Danach überlegst du, was die Entscheidung dir in 10 Monaten verändert haben könnte.
- Zum Schluss überlegst du die langfristigen Folgen, was dir die Entscheidung in 10 Jahren gebracht haben könnte.
An einem Beispiel aus der Praxis könnte das so aussehen: Beim Neu- oder Umbau steht die Entscheidung bevor, entweder einen Melkstand oder einen Melkroboter einzubauen. Die 10-Minuten-Antwort darauf wäre, dass ein Roboter teuer und der Einbau aufwendig ist. In der Vorschau in 10 Monaten könnte man sich bereits an das System gewöhnt haben. Dann ist der Arbeitsaufwand vielleicht schon etwas gesunken, falls der alte Melkstand sehr zeitaufwendig war. Nach 10 Jahren hätte man eine bessere Arbeitseffizienz erreicht. Dadurch ist man im Alltag möglicherweise flexibler geworden und hat die Tiergesundheit verbessert. Die Erkenntnis daraus ist, dass eine Investition langfristig viele Vorteile bringen kann, auch wenn sie im ersten Moment sehr teuer und nicht notwendig erscheint.
Pro & Contra-Liste
Eine andere Möglichkeit ist, dass man eine Pro- und Contra-Liste schreibt. Man schreibt alle Vor- und Nachteile einer Entscheidung auf. Damit kann man diese etwas objektiver einordnen. Man hat damit alle Vor- und Nachteile auf einen Blick. Das hilft besonders, wenn man sich bereits auf ein Argument versteift hat. Die Vorteile können dir deine möglichen Vorteile aufzeigen, die Nachteile mögliche Risiken.
Ein Beispiel aus der Praxis: Im Rahmen eines Stallumbaus werden die Liegeboxen neu diskutiert. Sollen Hochboxen oder Tiefboxen eingebaut werden? Argumente pro Hochbox wären zum Beispiel weniger Einstreu und ein geringerer Arbeitsaufwand. Die Punkte auf der Contra-Seite könnten eine härtere Liegefläche und eine höhere Klauenbelastung durch kürzere Liegezeiten sein. Für die Tiefboxen wäre das ähnlich: Weiche Liegefläche für bessere gelenke und Liegeverhalten auf der Pro-Seite und hoher Arbeits- und Einstreubedarf auf der Contra-Seite. Anschließend kann man überlegen, was besser zu der eigenen Philosophie passt. Wenn Kuhkomfort ganz oben steht, sind Tiefboxen die bessere Wahl, bei einem geringen Arbeitsaufwand eher die Hochboxen.
Worst-Case-Szenario
Das dritte Prinzip ist das Worst-Case-Szenario. Dahinter steckt, dass du dir überlegst, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Wenn du damit leben könntest, dann hat die Entscheidung, die du getroffen hast, wenig Risiko. Falls du mit dem schlimmsten Fall nicht leben könntest, kannst du frühzeitig überlegen, wie du das Risiko senken kannst.
Ein Beispiel: Sollte ich bei einem Stallumbau den Abkalbebereich im alten Stall lassen, statt in den neuen Stall zu integrieren? Vor dieser Entscheidung steht der eine oder andere Betrieb bei einem Neubau. Angenommen, dass man die Abkalbungen nun nicht mehr im neuen Stall hat, wo man sich häufig aufhält und dass die Kühe beim Umstallen Stress haben. Oder im Stall ist schlechtere Luft, eine eingeschränkte Befahrbarkeit. Das wäre der worst case, dem könnte man mit Gegenmaßnahmen entgegenwirken, z. B. mit Kameraüberwachung, seine Arbeitsabläufe so verändern, dass man öfter durch den Abkalbestall läuft und stressfreie Wege für die Kühe installiert. Eine Erkenntnis könnte sein, dass die Nachteile zu groß bzw. die Gegenmaßnahmen zu teuer sind und man den Abkalbebereich doch in den neuen Stall integriert.
Die 80-20-Regel
Die vierte Entscheidungshilfe ist die 80-20-Regel, manche nennen es auch das Pareto-Prinzip. Dies bedeutet, dass 20 % der Ursachen für 80 % der Ereignisse sorgen. Fokussiere dich also auf die wichtigen Dinge, die den größten Einfluss haben. Wie findest du diese 20 % heraus? Vieles lernt man auf Vorträgen oder wenn man mit anderen Landwirten über seinen Betrieb spricht. Das kann dir helfen, die Stellschrauben in deinem Betrieb zu finden und zu lösen.
Ein Beispiel aus der Praxis: Ich möchte die Milchleistung verbessern, wo sind dann die Hebel? Einen großen Einfluss haben die Fütterung und Kuhkomfort. Wenn zu, Beispiel die Liegeboxen zu kurz sind und die Kühe zu wenig liegen, werden die Klauen stark belastet und das Euter zu wenig durchblutet. Wenn die Liegebox aber gut ist und die Kuh dort keinem Hitzestress ausgeliefert ist, wird die Kuh mehr liegen. Hier kann man also einiges verbessern ohne, dass man wahnsinnig hohe Kosten auf sich nimmt.
Die Warum-Methode
Die Warum Methode bedeutet, dass du dir vor einer Entscheidung fünfmal die Frage „Warum?“ stellst, um die wirkliche Ursache des Problems aufzudecken. Denn oft liegt die wirkliche Ursache für ein Problem tiefer als der erste Eindruck vermuten lässt. Durch das Hinterfragen gelangst du schneller an die Ursache.
Ein Beispiel: Warum haben einige Kühe Euterentzündungen?
1. Die Zellzahlen sind erhöht. Warum?
2. Einige Kühe haben schlechte Hygiene im Liegebereich. Warum?
3. Weil wir mit dem Einstreuen nicht hinterherkommen. Warum?
4. Die Kühe liegen dann auf den Gummimatten und wir streuen nicht ein. Warum?
5. Wir haben zu wenig Zeit, Arbeitskräfte sind knapp und wir haben so viel zu tun. Warum?
Was wäre die Erkenntnis bzw. ein Lösungsansatz? Ein klarer Arbeitsplan könnte helfen, die Eutergesundheit zu verbessern.
Fazit
Entscheidungen sollte man bewusst treffen.
Die 10-10-10-Regel oder die Pro-und-Contra-Liste können dabei helfen, dass man auch bei etwas schwierigen Entscheidungen einen klaren Kopf behält
Mit der Worst-Case-Analyse oder der 5-Warum-Methode behält man die Risiken und mögliche Fehlerquellen im Blick.
Die 80-20-Regel hilft bei der Effizienzsteigerung und dabei, sich auf die wichtigen Dinge zu fokussieren.
Wenn du vor vielen Entscheidungen stehst und gute Entscheidungen treffen möchtest, brauchst du dafür das nötige Stallbau-Wissen. Melde dich dafür gerne bei mir und ich helfe dir zum besseren Stall!
