KSB 142 Wohin mit den Trockenstehern?

In dieser Folge geht es um die Frage, wohin mit den Trockensternen und Abkalbern. Du erfährst, was es zu beachten gibt und welche Überlegungen ich mir dazu mache!

In der heutigen Folge heute möchte ich mit dir überlegen, ob Trockensteher im alten Stall gut aufgehoben sind oder mit in den neuen Stall kommen sollten.

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    Die Trockensteher sind die wichtigste Tiergruppe bei uns auf dem Hof als Milchkuhhalter. Denn sie bereiten sich auf die Laktation vor und diese Phase entscheidet viel über die Leistung der kommenden Laktation.

    Auf unserem Betrieb besteht die Herausforderung, dass die Trockensteher im alten Stall untergebracht sind. Aktuell überlegen wir, den alten Stall umzubauen. Alternativ dazu ist es, einen neuen Stall für die Trockensteher zu bauen. Aber warum möchten wir da überhaupt etwas verändern?

    Zum einen läuft die Gülle im alten Stall nicht ganz selbstständig ab. Das war früher bei den melkenden Kühen kein Problem, obwohl der Kanal etwa 20 m länger war. Jetzt wurde der Kanal aber gekürzt, da nur noch die Trockensteher dort sind. Wir müssen seitdem immer etwas nachhelfen und spülen. Zum anderen sind die Liegeboxen zu klein, Die stammen noch vom Umbau von 1987 und seitdem haben wir nur die Liegelänge verändert und die Bügel gegen flexible Liegeboxenbügel ausgetauscht. Trotzdem sind die Boxen zu klein geworden für unsere Kühe. Die Laufgänge und Übergänge sind ebenfalls sehr eng. Außerdem ist die Futtertischdurchfahrt sehr niedrig und der Futtertisch benötigt eine Sanierung. Als Übergangslösung haben wir uns damit arrangiert. Der Stall funktioniert, ist aber so keine Dauerlösung, weil wir ihn immer unterbelegen müssen und es Kompromisse für die Kühe bedeutet.

    Umbauen oder neu bauen für Trockensteher?

    Man kann seine Trockensteher in einem alten Stall stehen lassen oder einen neuen Stall bauen. Beide Optionen haben ihre Vor- und Nachteile.

    Oft ist es so, dass wenn ein neuer Stall gebaut wird, ein altes Gebäude frei wird. Gleichzeitig kann es sein, dass ein altes Gebäude umgebaut wird und die Trockensteher dann keinen Platz mehr darin haben. Wohin mit den Trockenstehern ist bei Neu- und Umbauplanung oft eine zentrale Frage. Bauen wir einen neuen Stall, bauen wir etwas an oder vergrößern wir den Stall?

    Meist ist ein kleiner oder größerer Umbau für die Trockensteher notwendig. Denn die Liegeboxenmaße sind in der Regel 20 bis 30 Jahre alt und passen in der Praxis oft nicht zu den aktuellen Empfehlungen. Ich persönlich habe noch keinen 20 Jahre alten Kuhstall gesehen, in dem die Liegeboxenmaße passen. Oft müssen zunächst die Liegeboxenbügel raus, da diese oft unbrauchbar sind. Zudem muss man abklären, wie es mit den Tränken, den Laufgangbreiten und dem Fressgitter aussieht. Werden diese Dinge und ihre Maße auch noch in den nächsten zehn Jahren ausreichen? Diese Zeiteinheit ist für mich ein guter Horizont, um abzuschätzen, wie lange eine Umbaumaßnahme halten sollte. Ist der Aufwand zu groß, bietet sich ein Neubau an. Bei einem Neubau sollten die Einrichtung und ihre Maße noch in 20, 30 Jahren etwa passen.

    Stressfreie Trockenstehzeit

    Die Trockensteher sollten möglichst wenig Stress ausgesetzt sein. Das sollte das Ziel jeder Baumaßnahme sein. Dafür sind folgende Punkte sehr wichtig:

    –         Wege für die Kühe: Sowohl in einem alten umgebauten als auch in einen neuen Stall müssen die Wege passen. Nimmt man z. B. einen Betrieb mit 100 Kühen, stellt man ca. zwei Kühe in der Woche trocken. Bei uns läuft das so: Freitag abends stellen wir die Kühe trocken und fahren diese dann hoch in den alten Stall. Das ist gut planbar und funktioniert gut.

    –         Platzbedarf: Uns ist eine stressfreie Abkalbung wichtig, daher achten wir darauf, immer ausreichend frische Plätze zu haben. Wenn man den Abkalbebereich plant, sollte man unbedingt vorher ausrechnen, wie hoch der Platzbedarf über das Jahr verteilt ist.

    –         Sicherheit: Der Schieber darf keine Kälber mitnehmen.

    –         Erweiterungsfähigkeit:  Vor allem in wachsenden Betrieben stellt sich die Frage, wie man alle Tiergruppen nebeneinander halten kann. Manchmal kann man Stallabtrennungen nutzen, um die Gruppen zu variieren. Besonders den Abkalbebereich sollte man variieren können, da die Kalbungen nie regelmäßig ablaufen, sondern stets Schwankungen aufweisen. Sind flexible Abteile nicht möglich, empfiehlt es sich, 10% mehr Plätze bereitzuhalten.

    Praxisbeispiel: Anbau oder Umbau?

    Auf unserem Betrieb können wir den alten Stall umbauen, sodass er für die Trockensteher passt. Wir haben zudem die Möglichkeit, in unserem neuen Stall durch einen Anbau einen Bereich für die Trockensteher zu schaffen. Dort haben wir einen Zweireiher mit seitlich anliegenden Futtertisch und einem Melkhaus. Das bedeutet, in unserem Fall ist eine Seite am Futtertisch noch frei und man könnte einen Bereich anbauen, z. B. für Trockensteher, Jungvieh oder weitere melkende Kühe. Zwischen dem alten und dem neuen Stall liegen ca. 100 m Entfernung und 10 Höhenmeter Unterschied. Welche Vorteile und Nachteile haben diese Optionen jeweils?

    –         Vorteile Umbau alter Stall: Wir haben einen absenkbaren Viehwagen, der gut funktioniert. Den könnte man beibehalten. Der Platz im alten Stall würde ausreichen. Er liegt nah am Wohnhaus, das ist ein Vorteil, weil man dann oft dran vorbeiläuft. Wir laufen am Tag mehrfach an der Abkalbebox vorbei und hören auch, wenn nachts etwas los ist. Einstreuen ist von oben möglich. Der Bereich liegt separat von den melkenden Kühen und ein eigenes Lichtprogramm ist hier möglich. Die Kälber sind direkt nebenan untergebracht.

    –         Vorteile Anbau am Neubau: Das Fahren der Kühe würde wegfallen. Wir könnten die Kühe im Stall einfach in den neuen Bereich treiben. Der Platz für einen Anbau ist am neuen Stall vorhanden. Im alten Stall könnte dann ein Bereich als Werkstatt umgebaut werden, direkt gegenüber der Maschinenhalle. Der Futterschieber könnte beide Seiten am Futtertisch befahren, die Wege für die Fütterung wären kürzer (ca. 5 Min. Ersparnis/Tag). Ein Auslauf für die Kühe wäre mit dabei.

    –         Nachteile Umbau alter Stall: Die Säulen im Laufgang sind definitiv ein Nachteil, da müssten wir die Gülletechnik anpassen. Der Boden müsste einmal kernsaniert werden, die Kühe weiterhin zwischen den Ställen hin- und hergefahren werden, das sind etwa 50 Arbeitsstunden im Jahr. Wir bräuchten im alten Stall einen extra Futterschieber. Trockensteher und Kälber teilen sich im alten Stall denselben Luftraum, was ein ernster Nachteil ist, da Kälber einen anderen Luftanspruch haben als Kühe. Kühe und Kälber zu trennen, macht viel Sinn.

    –         Nachteile Anbau am Neubau: Die Baukosten liegen höher. Die Kontrolle der Abkalber wäre seltener, weil man dort nicht so häufig vorbeiläuft. Mit Kameratechnik könnte man das ausgleichen. Der Genehmigungsprozess ist in vollem Umfang notwendig und auch ein Kostenfaktor. Für eine Begrünung rund um den Stall wäre weniger Platz vorhanden. Der Lagerplatz für die Einstreu müsste neu geplant werden.

    Unsere Überlegungen dazu sind noch nicht abgeschlossen und wir haben noch keine Entscheidung getroffen. Du darfst mir gerne deine Meinung dazu mitteilen, über Rückmeldungen zu diesem Thema wäre ich sehr gespannt! In unserer Familie gibt es verschiedene Tendenzen, aber entschieden ist noch nichts.

    Fazit

    Die Trockensteher sind unsere wichtigste Gruppe, die brauchen einen guten Platz.

    Jeder muss abwägen, ob der alte Stall passt oder auch passen kann oder ob neu gebaut werden muss. In unserem Fall gibt es für beide Optionen richtig gute Argumente, da müssen wir noch überlegen und uns bald entscheiden.

    Wenn du bewusste Entscheidungen treffen möchtest, melde dich bei mir. Ich unterstütze Landwirte wie dich auf ihrem Weg zum neuen Stall und auch zum passenden Umbau!

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