KSB 019 Hitzestress bei Milchkühen erfolgreich bekämpfen

Jeder Milchkuhbetrieb braucht eine Kühlung. Warum dies so ist, man Wind auf der Kuh haben sollte und der Stromverbrauch wichtig ist, kommt jetzt.

Eigene Erfahrung zum Hitzestress

Zum Thema Hitzestress habe ich eine ganz eigene Erfahrung. Vor einigen Jahren auf einem Burschenfest (großes Fest junger Leute, in der Regel in einem Zelt) war ein sehr heißer Tag. Es hatte draußen rund 30 ° C und drinnen noch mehr. An zwei Stellen im Zelt waren Ventilatoren direkt in die Menge gerichtet. Ein flotter Tanz mit einem Mädel ist anstrengend und in der Hitze schweißtreibend. Unter dem Ventilator war es angenehm, außerhalb vom Wind tropfte der Schweiß von der Stirn. Der Wind reichte aus, um die Hitze von der Anstrengung weg zu bekommen.

Unsere Kühe sind dauerhaft je nach Milchmenge in Hochleistung. Und weil die Hitze nur im Wind weggeblasen wird braucht jeder Ventilatoren im Stall.

    Stallbaupost

    Sponsor der Folge

    Dr. Knopf und Oswald Schlauchbelüftungen

    Die Folge wird unterstützt von Dr. Knopf und Oswald Schlauchbelüftung. Bereits seit 2016 nutze ich die Schlauchbelüftung bei Kälbern und seit 2018 im alten Kuhstall gegen Hitzestress und für Frischluft. Im neuen Stall kommen zwei Anlagen gegen Hitzestress über die Liegeboxen und eine Anlage in den Melkstand. Dadurch habe ich eine effektive Kühlung für jede Kuh ohne Windschatten. Hohe Windgeschwindigkeiten von 3 m/s werden garantiert. Die Lüfter und der Schlauch haben eine sehr hohe Qualität für dauerhaften Einsatz. Hast du Interesse an Schlauchbelüftungen für Kälber oder Kühe nimm direkt Kontakt zu Dr. Knopf und Oswald auf.

    Problem vom Hitzestress

    Die Kuh hat eine Wohlfühltemperatur von 5 – 15 ° C. In diesem Temperaturbereich kommt es nicht zur Überhitzung oder bei zusätzlichem Energiebedarf zur Wärmeproduktion. Die Heizung ist der Pansen. Da der Pansen immer laufen muss gibt er ständig Wärme ab. Deshalb kommt es ab etwa 20 ° C zu Hitzestress, bei direkter Sonneneinstrahlung früher.

    Das Problem dahinter ist bekannt:

    Deshalb braucht jeder an einem Standort von regelmäßig über 25 ° C eine Kühlung der Kühe!

    Hitzestress kostet Geld. Geld, dass nie in den Geldbeutel kommt. Weil man die „Hitzestress-Rechnung“ nicht bezahlen muss, sieht man es nicht.

    Was möchte man mit Kühlung erreichen?

    Im Grunde möchte man die Kuh abkühlen. Man muss es sich ein bisschen Vorstellen wie den Kühler vom Schlepper. Der Motor (Pansen) erzeugt Wärme. Das Kühlwasser (Blut) wird durch die Pumpe (Herz) zum Kühler (Haut) transportiert. Erst durch den Ventilator kann die Hitze wirklich abgegeben werden.

    Bei der Kuh möchte man den Luftpolster unter den Haaren aufbrechen und damit die Wärme weg bringen. In alten, schlecht belüfteten Ställen möchte man zusätzlich frische Luft rein bringen.

    Abhilfe durch Axialventilatoren

    Der Klassiker und in jedem Fall besser als nichts tun. In jedem Fall sollte man auf gleichmäßige Verteilung achten und in jeder Liegebox wirklichen Wind haben. 2,5 m/s ist eine Größenordnung.

    Gut vorstellen kann man es sich wenn man in der Liegebox steht und man wirklichen Wind spürt. Eine frische Brise reicht nicht aus.

    Ventilatoren sollen dabei auf die liegende Kuh ausgerichtet sein. Je nach Ausrichtung und Bauart vom Stall eignet sich alle 10-15 Liegeboxen in der Reihe ein Ventilator. Alternativ kann man einen Stall auch Quer lüften. Hier muss man auf die Wurfweite achten.

    Ab 2,7 m Höhe der Unterkante kann man sich das Schutzgitter sparen.

    Stromverbrauch von Ventilatoren

    Hier gibt es große Unterschiede. Aus der Erfahrung von einem Elektriker weiß ich, dass sehr günstige Ventilatoren mehr Strom aufnehmen, als die Angabe vom Motor ist. Gleichzeitig bringen diese weniger Luft und Wind als hochwertige Ventilatoren. So sind die laufenden Kosten für die Hitzestressbekämpfung viel höher.

    Empfehlen kann ich Lüfter von Abbi Aerotech. Ich kenne einige Betriebe, die das System einsetzen. Ich hätte mich auch fast dafür entschieden. Diese Ventilatoren brauchen wenig Strom bei guter Wurfweite.

    Hitzestress mit Schlauchbelüftung bekämpfen

    Lange war für mich die Schlauchbelüftung kein Thema im neuen Stall. Durch die offene Bauweise braucht es nur Wind. Frischluft ist sowieso da.

    Da wir aber schon einen Hitzestresschlauch im alten Stall haben und ich weiß, dass es funktioniert, habe ich mich doch noch informiert. Es wird hier über jeder Liegeboxenreihe ein Schlauch mit zwei Düsen je Kuh platziert. An einen Schlauch kommen zusätzliche Düsen für Kühe beim Fressen.

    Schlauchbelüftung vom Jahr 2018 im alten Stall (Als Versuch mit Noppen und festen Stutzen, neue haben alle verstellbare Düsen)

    Vorteile bei diesem System:

    • Jede Kuh hat gezielt Wind, es gibt keinen Windschatten
    • Der Wind umströmt die Kuh von oben, sodass die Laufflächen nicht so leicht abtrocknen
    • Etwas geringerer Stromverbrauch als bei alternativer Querlüftung
    • Bei geringer Drehzahl zusätzliche frische Luft an jedem Platz (nasser Herbst etc.)
    • Es kommt immer frische Luft, Ventilatoren holen je nach Platzierung oft die schlechte Luft wieder

    Nachteile:

    • Der Schlauch hängt im Stall, könnte irgendwann mal stören
    • Die Kosten sind doppelt so hoch

    Große Ventilatoren die Luft nach unten drücken

    Ich halte nichts davon, weil man viele Bereiche hat die keinen oder kaum Wind bekommen. Außerdem bringt man immer die schlechte Luft in Bewegung und verhindert sogar, dass frische Luft dazu kommt (Aussage eines Beraters bei einem Vernebelungsversuch).

    Automatische Steuerung

    Ventilatoren sollen unbedingt automatisch gesteuert werden. Die einfachste Möglichkeit ist EIN/AUS über eine kleine Steuerung vom Elektriker. Dabei reicht ein einfaches Raumthermostat mit der Einstellung der Temperatur, wenn beispielsweise 20 ° C überschritten werden gehen die Lüfter an.

    Wir haben die Steuerung seit vielen Jahren und manchmal wundert man sich, dass die Ventilatoren schon anfangen.

    Professioneller geht es mit Steuerungen vom Hersteller. Manche sind temperatur- und feuchte-gesteuert. Für mich nicht notwendig, weil alleine die Entscheidung ob ich bei 18 ° C oder 22 °C beginne schon einen größeren Unterschied macht als später der feine Unterschied.

    Mit 1.500 Stunden im Jahr kann man mindestens kalkulieren. Je nach dem ab welcher Temperatur man beginnt.

    Wenn man eine Steuerung wählt muss man abwägen, mit wie viel Drehzahl die unterste Stufe läuft. Zu wenig bringt nichts. Man muss mindestens eine deutliche Brise spüren, sonst kann man sich den Strom auch sparen. 40 – 50 % haben sich oft bewährt.

    Kuhdusche als Ergänzung

    Es gibt Niederdruck- und Hochdruckanlagen. Ich favorisiere die Niederdruckanlage, weil weniger Technik notwendig ist. Ich kann mir es am Futtertisch und am Auslauf vorstellen.

    Beachten muss man die Luftfeuchtigkeit. Wenn man nicht genug Luftaustausch im Stall hat kann eine Kuhdusche zu einer Sauna führen. Man macht also mehr Hitzestress als ohne Beregnung. Auch eine sehr dünne Schicht Feuchtigkeit auf der Kuh kann mehr Nachteil als Vorteil sein.

    Intervallschaltungen haben sich hier bewährt. Am Auslauf funktioniert es oft besonders gut.

    Fazit

    Jeder braucht eine Kühlung für die Kühe. Damit beugt man viele Probleme vor. Man muss echten Wind auf der Kuh erreichen. Es gibt mehrere Möglichkeiten, der Stromverbrauch spielt dabei eine wichtige Rolle. Nicht die reine Luftmenge, sondern mehr die Windgeschwindigkeit auf der Kuh ist entscheidend.

    Weitere Artikel/Beiträge dazu:

    Beitrag Praxis Agrar

    Beitrag Landwirtschaftskammer NRW

    Beitrag LWK Niedersachsen

    Beitrag von Elite Magazin

    Neues vom Stallbau

    Finanzierung steht, wir haben einen super Zinssatz und ein gutes Gerüst. Dazu kommt irgendwann auch eine Folge. Ein Kompaktlader ist gekauft, der später die Liegeboxen einstreuen darf und in der Bauzeit praktisch ist. Und nächste Woche geht´s los! (Mitte Juli 2020)

      Stallbaupost

      Kommentar verfassen