KSB 114 Wann ist ein Stallbau oder Umbau rentabel?

Hier erfährst du, was wirtschaftlich rentabel bedeutet, warum nicht jeder Stall rentabel sein muss und wie die Inflation die Kosten beeinflusst.

Ich möchte mit „zu teuer“ und „geht doch nicht“ etwas aufräumen. Vielleicht sind teilweise etwas ungewöhnliche Sichtweisen dabei, die ich zum nachdenken mitgeben möchte.

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    Als wir in dem Zeitraum zwischen 2017 und 2020 intensiv den Stall geplant haben kamen immer wieder solche Aussagen wie „es ist alles so teuer“ oder „vielleicht wird es irgendwann wieder besser“. Es ist Tatsache, dass der Bau ein paar Jahre vorher wirklich günstiger gewesen wäre. Allerdings waren wir noch nicht so weit. Die Planung musste mit der Zeit einfach reifen.

    Es war damit teurer als ein paar Jahre vorher, aber jetzt ist es teurer als damals. Man muss einfach einen guten Zeitpunkt für den Betrieb und die Personen im Betrieb wählen.

    Wann ist der Stall wirtschaftlich rentabel?

    Gehen wir zuerst auf den Vergleich mit einer Immobilie, um den Bezug zur Rentabilität zu verdeutlichen. Ein Haus hat Kosten, also Anschaffung, laufende Verwaltung, Versicherung und ab und zu Reparaturen und Erlöse in Form von Mieteinnahmen.

    Einmalige Anschaffungskosten teilen wir auf eine Laufzeit inkl. Zins aus. Nimmt man beispielsweise 500.000 € auf 25 Jahre bei 4 % Zins kommt man auf einen Kapitaldienst in Höhe von 2.600 € im Monat. Dazu nehmen wir 100 € für Verwaltung und Versicherung und weitere 100 € im Monat für Reparaturen.

    Bei 3.000 € Mieteinnahmen bleiben 200 € im Monat übrig. Das Mietshaus ist in diesem Umstand also rentabel, auch wenn die Preise vielleicht nicht ganz realistisch sind.

    Das Prinzip ist verstanden, jetzt gehen wir zum Stall. Wird betriebswirtschaftlich gerechnet, müssen zuerst alle Betriebszweige nach Kosten und Erlöse getrennt werden. Dann bleiben nur noch die Kühe mit allen direkt anfallenden Kosten. Die verschiedenen Kosten zählt man zusammen. Dazu gehören Direktkosten mit Futter inklusive Grundfutter, Tierarzt, Besamung, Wasser, etc. und Gemeinkosten wie die Arbeitszeit, entlohnt und nicht entlohnt, Maschinen, Gebäude, etc. Die Gesamtheit der Kosten sollte niedriger sein als die Leistungen, hauptsächlich die Milch und der Kuhverkauf.

    Gebäudekosten oder anders gesagt die Kosten für den Stall sind also ein Kostenfaktor von vielen. Wer sowieso unwirtschaftlich ist, für den ist der günstigste Stall zu teuer. Wer gut unterwegs ist, kann auch einen teuren Stall stemmen. Das Ganze ist sehr individuell.

    Die beste Situation ist ganz klar: Die Kühe tragen die ganze Belastung. Jeder hat andere Voraussetzungen. Eine Investition von 1,5 Mio Euro kommen pro 100 Kühe schnell zusammen. Auf 25 Jahre bei 4 % Zins schlägt ein monatlicher Kapitaldienst von 7.900 € zu buche. Bei 9.500 kg abgelieferter Milch je Kuh bedeutet es eine Belastung von 10 ct/kg. Diese Belastung ist schon ordentlich spürbar.

    Ein weiteres Beispiel ist ein Betrieb mit 30 Kühen, der für 1 Mio. Euro baut und 8.000 kg je Kuh abliefert. Er kommt auf 5.240 € monatlichen Kapitaldienst oder 26 ct/kg Milch.

    Wann ist also der Stall wirtschaftlich rentabel? Es ist der Fall, wenn die Erlöse höher sind als die Kosten. Wenn man jetzt weiß, dass zwischen den 25 % wirtschaftlich erfolgreichsten Betriebe und den 25 % weniger erfolgreichen Betrieben 10 ct/kg unterschied in den Produktionskosten liegen gibt es eine einfache Botschaft:

    Sei richtig gut im Stall!

    Es gibt auch noch eine emotionale Rendite. Wer einfach gerne Kühe hält und gerne den Betrieb mit Kühen weiter führen möchte darf es meiner Meinung nach auch machen. Es gibt eine wichtige Voraussetzung: Irgendwo anders kommt das Geld zum Leben her oder es sind kaum Schulden notwendig.

    Aber: Man muss wissen, auf was man sich einlässt. Unser zweites Beispiel muss sich bewusst sein, dass bei üblichen Milchpreisen davon keine Familie leben kann. Da braucht es Nebenbetriebe oder Nebeneinkommen. Nur so kann man immer Zahlungsfähig bleiben.

    In der Folge 79 habe ich das Thema schonmal aus einer anderen Sichtweise beleuchtet.

    Der Gesamtbetrieb muss immer zahlungsfähig bleiben

    Der Betrieb hat verschiedene Standbeine oder Bereiche. Man darf hier unterscheiden zwischen Standbein und Spielbein. Ein Standbein soll sich lohnen, ein Spielbein dazu darf sein wenn man gut da steht. Bereiche, die man regelmäßig antrifft sind die Milchkuhhaltung, Jungviehaufzucht, Ackerbau, Photovoltaik, Lohnunternehmen, Ferienwohnungen und noch mehr.

    Rentabel im engen Sinn haben wir uns vorher angeschaut. Wem die Rentabilität wichtig ist und die Voraussetzungen nicht ideal sind, der wird sich von Kühen trennen müssen.

    Wirklich wichtig ist, dass der Gesamtbetrieb stabil und vor allem immer zahlungsfähig bleibt. Jetzt gibt es Betriebszweige, bei denen mehr oder weniger übrig bleibt. Unterm Strich muss genug Geld da sein, um vernünftig leben zu können. Andere Betriebszweige können die Landwirtschaft stützen. Wenn die Situation so ist, ist von mir aus alles gut.

    Genau diese Punkte muss man vorher abklären und nicht einfach darauf los bauen. Man muss wissen, auf was man sich einlässt. Der Kontostand darf nicht jeden Monat kleiner werden.

    Mit welchem Milchpreis sollte man für die Zukunft rechnen? Es macht wohl Sinn, einen Durchschnitt der letzten 5 Jahre als möglichen Ansatz zu bilden. Irgendwie muss man mit aktuellen Zahlen rechnen, auch wenn es anders kommen wird. Schließlich kann niemand wirklich einen Blick in die Zukunft werfen.

    Ein Grundoptimismus darf da sein. Zuversichtlich für die Zukunft sein ist wichtig. Und Zuversicht bedeutet gleichzeitig, dass man sein Ruder selber in der Hand hat und bei veränderten Situationen immer den Kurs korrigieren kann.

    Nun kommen wir zu einem Punkt, den wir selber nicht in der Hand haben aber darauf reagieren müssen.

    Inflation macht bauen teuer

    Prinzipiell steigen unsere Preise mit der zunehmenden Inflation. Einerseits steigen die Kosten, andererseits aber auch die Erlöse. Hier ist es anders als bei Biogas oder Photovoltaik, wo eine feste Einspeisevergütung bezahlt wird. Wir haben aber Schwankungen und den Weltmarkt, vielleicht auch künftig eine veränderte Nachfrage.

    Aktuell hohe Stallbaukosten sind in der Zukunft vom absoluten Betrag gesehen, also nominal gleich wie heute. Alle Kosten steigen jedes Jahr weiter. Der Milchpreis hoffentlich langfristig auch. Dann kann eine aktuell knappe Rechnung in 10 Jahren viel besser ausschauen. Trotzdem muss natürlich die finanzielle Tragfähigkeit gegeben sein. Ein neuer Stall bedeutet eine hohe finanzielle Belastung.

    Es kommt noch etwas dazu: Die Abschreibung ist am Anfang hoch und wird mit der Zeit niedriger, weil die Technik schneller abgeschrieben wird. Dadurch ist die Steuerlast in den ersten Jahren nach dem Stallbau niedriger als später. Hierzu gibt es eine eigenen Folge zur Inflation.

    Die Teilnehmer vom Kuhstallbau Onlinekurs haben kürzlich eine Gewinnerstrategie kennen gelernt. Man kann den Schuldenabbau und Rücklagen- und Vermögensaufbau kombinieren. Allein eine Entscheidung kann hier 5-stellige Unterschiede machen. Wenn du bessere Entscheidungen treffen möchtest melde dich bei mir.

    Merke dir: Wirklich teuer wird es, wenn man umständlicher arbeitet es leicht möglich ist.

    Fazit

    • Wirtschaftlich rentabel bedeutet Einnahmen sind größer als die Ausgaben
    • Der Gesamtbetrieb darf durch eine Baumaßnahme nicht unwirtschaftlich werden
    • Die Inflation relativiert etwas zu hohe Baukosten

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