Heute möchte ich auf die zwei Seiten von 7 Entscheidungen in der Stallbauplanung darstellen. Du erfährst auch, wie du leichter gute Entscheidungen treffen kannst.
Zuerst möchte ich 7 wichtige Entscheidungen vom Stallbau mit Vor- und Nachteilen ansprechen. Dann zeige ich auf, warum wir beide Seiten vernünftig abwägen müssen. Zum Schluss spreche ich an, dass wir Entscheidungen nicht vor uns herschieben dürfen.
Was sagst du dazu: „Ich baue mir einen Roboter und Hochboxen ein, dann habe ich fast keine Arbeit.“ Stimmt es so? So einfach ist es halt doch nicht… Es gibt geistige Gesetze, wie es auch physikalische Gesetze (z.B. Erdanziehungskraft) gibt. Man kann sich dagegen wehren oder einfach nicht daran glauben, sie gelten aber trotzdem.
Eines davon ist das Prinzip der Polarität. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Das eine bedingt das andere. Jeder hat zwei entgegengesetzte Seiten vom Stall. Eine Sonnen- und eine Schattenseite. Es heißt immer „Die zwei Seiten einer Medaille“.
Wenn wir das auf den Stallbau übertragen bedeutet es ganz einfach: Wer die Vorteile von xy möchte hat auch die Nachteile von xy dabei. Das eine gibt´s nicht ohne das andere. Beispielswiese gibt´s Hochboxen oder Tiefboxen. Das Mittelmaß hatten wir im alten Stall, da kann ich ich sagen: Mach das nicht.
Jede Entscheidung hat zwei Seiten
Schauen wir uns 7 Entscheidungen beim Stallbau an und überlegen uns Vor- und Nachteile vom jeweiligen System. Auf einige Entscheidungen gehe ich stärker ein, auf andere schauen wir nur kurz.
Hochboxen oder Tiefboxen?
| Vorteile Hochboxen | Nachteile Hochboxen |
| einfachere Pflege | teurere Anschaffung |
| weniger Einstreu | halten eine Begrenzte Zeit |
| meistens kürzere Liegezeiten | |
| Mehr haarlose Stellen und Gelenkbelastungen |
| Vorteile Tiefboxen | Nachteile Tiefboxen |
| besserer Komfort bei gepflegten Boxen | mehr Einstreu notwendig |
| kaum Probleme an Gelenken | Mehr täglicher Aufwand zur Pflege |
| Meistens sauberere Tiere |
Welche Argumente zählen hier bei dir? Hast du weitere Punkte für das ein oder andere System? Ergänze die Liste einfach um deine entscheidenden Punkte. Vielleicht gehört dann auch zur Vollständigkeit, dass Tiefboxen nur kommen, wenn das Einstreuen mechanisiert ist. Eine weitere wichtige Entscheidung ist die Oberfläche der Laufgänge.
Planbefestigt oder Spalten?
| Vorteile Spalten | Nachteile Spalten |
| Flüssigkeit ist sofort weg | Teuer und Aufwändig beim Bau |
| kein Abwurf notwendig | ohne zusätzliches Abschieben funktioniert es nicht |
| Gefahrenquelle | Mehr Emissionen |
| braucht Platz | Mehr Punktbelastung der Klauen |
| Vor dem Roboter wichtig |
| Vorteile Planbefestigt | Nachteile Planbefestigt |
| günstiger in der Anschaffung | Güllesee vor dem Schieber -> oft abschieben wichtig |
| weniger Emissionen, vor allem bei Harnrinne | Zusätzliche Technik notwendig |
| Schieberanlage oder Güllesaugroboter |
Ist es bei dir eindeutig? Manchmal hat man einen Anbau an den bestehenden Stall. Dann übernimmt man in der Regel das System. Wer einen ganz neuen Stall baut ist fast immer bei einem planbefestigten Boden. Auch hier gibt es nicht eindeutig Schwarz oder weiß und beide Möglichkeiten haben ihre Vor- und Nachteile. Manchmal wird es bei dem nächsten Thema emotional:
Roboter oder Melkstand?
| Vorteile Melkroboter | Nachteile Melkroboter |
| Flexiblere Arbeitszeiten | Höhere laufende Kosten |
| Stallarbeit alleine leichter möglich | ständige Rufbereitschaft |
| weniger Körperliche Belastung | Fehlerquelle Technik |
| Mehr Melkungen leichter möglich |
| Vorteile Melkstand | Nachteile Melkstand |
| günstiger im Unterhalt | Fester Arbeitsblock |
| Das Melken ist danach sicher erledigt | Körperliche Grundbelastung |
| Direkter Kontakt zu den Kühen und Sichtkontrolle | je nach Ausführung längere Arbeitszeiten |
| 3 x melken im Familienbetrieb schwierig |
Für viele stellt sich die Frage gar nicht mehr, weil nichts anderes als ein AMS infrage kommt. Das ist in Ordnung. Für viele, vor allem kleine Betriebe ist die Frage nicht so einfach zu beantworten. Es hängt auch davon ab, wie wirtschaftlich die Milchproduktion sein soll. Die nächsten Entscheidungen sind wahrscheinlich schneller getroffen:
Fressgitter oder Nackenrohr?
Beim Fressgitter lassen sich alle Kühe gut fixieren. Das ist zwar nur selten notwendig, beispielsweise bei Bestandskontrollen. An diesen Tagen ist man mit Sicherheit froh, wenn man die Möglichkeit hat. Aber an den allermeisten Tagen im Jahr ist es nicht notwendig, sofern eine Selektion der Kühe nach dem melken möglich ist.
Es stellt sich also die Frage: Braucht man es? Und ist die Futteraufnahme vielleicht beim Nackenrohr höher, weil die Kuh weniger beengt ist? Diese Entscheidung muss jeder für sich individuell treffen. Wenn es für die regelmäßige Arbeit ein Vorteil ist, sollte es einfach eingebaut sein.
Lichtfirst oder Sheddach?
Ein Lichtfirst kostet erstmal mehr, bringt aber mehr Licht in den Stall. Gleichzeitig muss man aufpassen, dass es nicht zum Treibhaus wird. Die Teilnehmer vom Kuhstallbau-Onlinekurs (verlinken) waren schon öfter überrascht, wie viel Sonne plötzlich auf den Liegeboxen sein kann. Und da darf diese im Sommer einfach nicht hin.
Ein Sheddach kann hier eine Alternative sein. Natürlich gibt’s noch mehr Möglichkeiten. Alles ist wie überall: Jede Lösung hat ihre eigen Vor- und Nachteile.
Integrierter oder extra Auslauf?
Ein innenliegender Laufhof kann eine günstige Lösung für den Auslauf sein. Man braucht dann vielleicht nur noch einen kleinen Bereich außerhalb vom Stall oder bringt die Fläche komplett in den Fressgang. Damit hat man gleichzeitig viel Platz an einer Stelle, an der es gern zu eng ist.
Aber wie steht´s um die Sonneneinstrahlung in der Liegebox? Das muss unbedingt vor dem Bau abgeklärt sein. Wenn du dich hier nicht sicher bist, melde dich bei mir.
Baue ich einen Stall oder lieber nicht?
Hier darf man je nach betrieblicher Situation abstufen zwischen einem Umbau, Umbau mit Anbau und einem Neubau. Es hilft vielleicht der Gedanke, was passiert, wenn man einfach in den nächsten Jahren nicht baut.
Es kann sein, dass gar nichts passiert. Was sind die Vor- und Nachteile daraus? Der Betrieb bleibt wie er ist und das kann ja durchaus so in Ordnung sein. Wenn man aber selber nicht zufrieden ist, muss man etwas verändern!
Häufig ist der Generationenwechsel ein guter Zeitpunkt für ein Stallbauprojekt. Wenn die jungen weiter machen möchten und die ältere Generation den Bau unterstützt. Weil was kann passieren, wenn man baut?
Welche Vor- und Nachteile entstehen daraus? Oft bringt es eine Perspektive mindestens für die nächsten 10 Jahre. Vielleicht geht die Arbeit viel leichter? Natürlich sollte vorher geklärt werden, ob man sich den Stallbau leisten kann.
Wenn man Freude an seiner Arbeit hat macht man seine Arbeit meistens auch überdurchschnittlich gut und hat deshalb auch entsprechende Ergebnisse. Und dann darf man sich an eine Planung auch herantrauen.
Wir müssen immer beide Seiten vernünftig abwägen!

Ein Kommentar zu „KSB 111 | 7 wichtige Entscheidungen vor dem Stallbau“