KSB 003 Mein weg durch die Planung und was du daraus mitnehmen kannst

Was war bei unserem Stallbauvorhaben schon, was wurde in der Planung beachtet und wie wird es die nächste Zeit weiter gehen?


Es kommt immer wieder die Frage bei mir, wie geht es voran? Wo steht man gerade? Wo hakt es gerade? Wie sieht es im Güllegrubenbau aus?



Bisheriger Verlauf der Baumaßnahme

Anfang/Mitte Januar 2018

haben wir mit dem ersten Entwurf für die Bauvoranfrage begonnen. Hier wurde noch mit einem Hofcafé geplant, welches in den Stall gebaut werden sollte. Die Idee haben wir aber aus verschiedenen Gründen wieder verworfen.

Mir ist es wichtig, Verbrauchern die moderne Landwirtschaft näher zu bringen. Vielleicht findet sich da mal eine Möglichkeit.

Ende 2018

haben wir dann den konkreten Plan entworfen. In der Zwischenzeit waren noch Änderungen bezüglich der Umsetzung der überarbeiteten Anlagenverordnung nötig. Was uns gestört hat, war die Aufstauhöhe im Kanal, die auf das zur Entmistung notwendige Maß begrenzt sein muss. D. h.:

  • Maximal 1 Meter Aufstauhöhe mit 3 % Neigung und Gefälle (in Bayern)
  • Maximale Kanallängen von 20 – 25 Metern kann man auf einer Höhe realisieren
  • An dem tiefsten Punkt darf man max. rechnerisch 1 Meter Aufstauhöhe haben. (kann man ausrechnen)

    Stallbaupost

    Das hat uns gestört, da wir den hinteren Außenbereich mit Spalten und den inneren Bereich mit Schieber machen wollten. Die Abwürfe sollten entsprechend tief werden, damit die 2,5 Meter der Empfehlungen erreichen. Gleichzeitig sollte die Gülle noch frei in die Güllegrube laufen. Die Höhen wurden somit entsprechend angepasst und die Güllegrube ist nun 1 Meter tiefer als der Stall später stehen wird. Die Unsicherheit war durch die neuen Gegebenheiten vorhanden. Unser Ziel war es ohne Pumpe auszukommen, da das Gelände so ist, dass es frei in die Güllegrube laufen kann, die erdig mit dem Boden versenkt ist.

    Gespräche mit Herstellern von Schieber und Melkstand, Berufsgenossenschaft und Haltungsberatung sind abgehalten worden.

    Frühjahr 2019

    haben wir dann den Plan mit der Firma Landplan Bayern eingereicht. Obwohl wir bereits die genehmigte Bauvoranfrage vorliegen hatten, hatten wir mit einigen Problemen zu kämpfen:

    Brandschutz

    • 3 Hydranten sind im Umkreis von 230 Metern, da zählt aber nur einer, da diese auf einer Leitung sitzen. Ein Löschwasserbehälter mit über 100 m³ reicht auch nicht, da im Umkreis von 70 Metern um den Stall zusätzlich ein Erstversorgungslöschwasserbehälter errichtet werden muss. Dieser muss mind. 12 Meter vom Stall entfernt sein. Da wir über 10.000 m³ Volumen im Stall haben, bräuchte man einen Brandabschnitt (in manchen Bundesländern bereits Standart), bei uns reicht aber die F 30 Bauweise. Hier müssen die Technikräume sowie die Melkkammer mit Betondecke eingezäumt sein.

    Regenwasser

    • Eine Versickerung (sowie eine breitflächige Versickerung) ist aufgrund unseres Lehmbodens nicht möglich. Das Regenwasser soll daher in den direkt anliegenden Kanal, der in ein Gewässer mündet, eingeleitet werden. Die Gemeinde hat ihr Einverständnis erst gegeben, nachdem eine hydraulische Berechnung von einem Fachkundigen durchgeführt wurde.

    Erdbewegung

    • Da um die 10.000 m³ Aushub anfallen werden, wird das umliegende Gelände aufgefüllt und soll nach der Anpassung wieder einwandfrei bewirtschaftet werden können. Eine Senke sollte direkt neben der Baustelle befüllt werden. 5 Vertreter der unteren Naturschutzbehörde haben dies begutachtet und es als einen Eingriff in das Landschaftsbild und eine Verringerung der Retentionsfläche eingeschätzt. Wir haben jedoch eine Lösung gefunden.

    Ausgleichsfläche

    • Diese wurde frühzeitig und vor dem Plan schon festgelegt (sehr empfehlenswert). So wird nun ein Waldumbau zu einem lichten Kiefernwald realisiert und in einem ehemaligen Torfstich werden Wasserstellen eingebaut.

    Eingrünung

    • Hier wurden Bäume um den Stall herum festgelegt.

    Sommer 2019

    wurden die Angebote für die Güllegrube eingeholt. Eine große Unsicherheit wegen der Leckageerkennung war vorhanden. Es gab schon Systeme die einen oberirdischen Behälter umsetzbar machten. Unsere Wasserbehörde möchte aber immer noch keine Sondergenehmigung nach § 16 Abs. 3 AwSV ausstellen, die notwendig ist wenn man nicht zugelassene Systeme einbauen möchte. Die Güllegrube ist daher immer noch nicht gebaut. Erstmalig war Herbst 2019 angepeilt, jetzt wird sie im Frühjahr 2020 realisiert. Es gibt immer noch kein System das vollständig mit allen Kleinigkeiten zugelassen ist. Ein System das fast alles erfüllt ist im Vergleich deutlich aufwendiger und teurer als die von uns bevorzugte einfachere Variante.

    Herbst/Winter 2019

    wurden Archäologische Grabungen durchgeführt, da Tuffplattengräber des früheren Mittelalters vermutet wurden, da wir den Stall auf eine Verdachtsfläche bauen wollen, der Oberbodenabtrag muss somit archäologisch begleitet werden. Im Detail sah das so aus, dass wir mit dem Bagger den Humus abgetragen haben, würden Rechtecke eins neben dem anderen auftauchen, in der die Farbe des gewachsenen Boden verändert ist und wäre etwas gefunden worden, wäre die Baustelle erst einmal beendet worden, die Archäologen hätten mit den Grabungen begonnen und der Baufortschritt auf unbestimmte Zeit gestoppt werden sollte.

    Wegen der Größe von über 1.600 m² und der freitragenden Bauweise mit über 12 Metern Spannweite wird die Statik geprüft. Diese rechnet sich entweder mit Durchschnittswerten, was wahrscheinlich viel Eisen im Beton nach sich zieht, da von eher schlechteren Böden ausgegangen wird. Oder durch ein Bodengutachten, das wir erstellen lassen haben. Unser Lehmboden ist dicht und somit benötigen wir hoffentlich voraussichtlich weniger Eisen im Beton.

    Thema Angebote

    Viele Angebote wurde bereits angefragt und eingeholt um in diesem Winter alle Angebote für den Stall zu haben und zu darüber entscheiden, sodass im nächsten Frühjahr 2020 die Güllegrube beginnen kann, diese ist bereits eingekauft. Das Leckageerkennungssystem dazu noch nicht. Im nächsten Jahr soll über alle Angebote entschieden werden, sodass im Juni der wirkliche Stallbau beginnen kann.


    Was kannst du jetzt aus meiner Planung mitnehmen?

    Vor der Planung gut überlegen was man haben möchte und das ganze möglichst konkret. Viele kommende Folgen drehen sich um einzelne Bereiche. Hier kannst du dir viele Tipps holen und meinen Blickwinkel ansehen.

    Eine Voranfrage hat mir nichts gebracht, hatte keinen Vorteil in der Bearbeitungszeit, hat aber 3.000 € gekostet.  Die Meinungen dazu waren vorher unterschiedlich, die einen ja, dass es schneller geht und die Behörden würden nicht überrannt werden mit dem Plan. Ich würde keine mehr machen, da ich keinen Vorteil darin gesehen habe. Mit der konkreten Planung zu kommen bedeutet, dass alle Punkte die für die Planung wichtig sind abgefragt werden.

    In der Planung unbedingt Zeit nehmen, um verschiedene Lösungen anzuschauen. Oft funktionieren Konzepte von Großbetrieben oft auch im kleinen. Einzelne Funktionsbereiche (Kühe, Jungvieh, Kälber) kann man je nach Betriebsgröße in einem Stall gut unterbringen oder getrennte Bereiche verwirklichen. Den Blick solltest du, wenn du etwas ansiehst immer auf das Tierwohl lenken. Wie sauber und wie gut sehen die Kühe aus? Gibt es Abriebstellen von den Liegeboxen oder Verletzungsstellen? Gibt es Dinge die man auf jedenfall vermeiden sollte? Auch auf die Arbeit dahinter lenken solltest du gut schauen.

    Nur auf notwendige Kompromisse eingehen und keine K.O. Kriterien zulassen. Die Kuh braucht einfach Ihren Platz und die Gülle muss laufen, sonst hat man ständig Ärger.

    Der Plan wurde mit:

    • der Berufsgenossenschaft durchgegangen. Ist sehr empfehlenswert, da neue Dinge aufkommen. Es haben sich dadurch Fluchtmöglichkeiten ergeben. Wo sollen Durchgänge sein (Personenschlupf im Absperrgitter), hier sind 35 cm Durchlässe praktisch, da man direkt durchgehen kann ohne Öffnung der Tors. Auch das Thema Schieberumzäunung und die dazugehörigen Möglichkeiten dazu und Rutschfestigkeit von Böden in der Milchkammer waren Thema, neben der Abfließfähigkeit muss auch die Rutschfestigkeit beachtet werden.
    • der Haltungsberatung des LKV Bayern wurde alles durchgesprochen. Es wurde eingegangen auf verschiedene Dinge, die die Kuh und den Stall betreffen, da jeder einen anderen Ausgangspunkt hat (Anbindehaltung, Laufstall) : Liegeboxenmaße und Pflege, Bodenbeschaffenheit, Tränken, Curtains und Steuerung, Ventilatoren, Selektion, Melkstand/Roboter und vieles mehr
    • dem zuständigen Amt für Landwirtschaft vor der Einreichung des Plans im Landratsamt einzuweihen, da die Stellungnahme eines Sachverständigers für das Landratsamts sollte positiv ausfallen sollte. Schau dir viel an und entscheide bewusst!

    Bei der Bearbeitung des Planes geduldig sein, da die Mitarbeiter des Landratsamts eine gewisse Zeit benötigen. Lieber reinfahren wie zu telefonieren, da man schneller und besseren Erfolg hat. Man kann die Probleme anhand des Plans sofort vor Ort klären. Druck machen ist erst sinnvoll, wenn nichts mehr vorwärts geht, hier macht es Sinn ein Datum zu setzten z. B. um die Förderung zu bekommen (Geldsumme).


    1. Wenn du dir nur einen Punkt mitnimmst, dann nimm dir für deine Planung Zeit. Überstürze nichts. Einmal in Beton gegossen ist nur sehr teuer Rückkehrbar.
    2. Schaue dir gezielt die Dinge an, wo du dir noch unsicher bist und schreibe dir laufend mit, was dir gefallen hat!

      Stallbaupost

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