KSB 077 Die Herausforderungen vom Bauherrn beim Stallbau – Interview mit Tobias Schiller

In dieser Folge habe ich einen Gast, der zurzeit einen Stall für 85 Kühe baut. Wir sprechen über sein Vorhaben, die Herausforderungen vom Bauherrn und du bekommst einen Einblick in den Kuhstallbau-Onlinekurs.

Mein heutiger Interviewgast aus der Nähe von Passau in Niederbayern hält derzeit 45 Kühe im Anbindestall aus dem Jahr 1980 und 200 Mastbullen. Gebaut wird gerade ein Laufstall als 2-Reiher mit 2 x 8 Side-by-side Melkstand im Melkhaus daneben für 85 Kühe.

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    Du warst im Kuhstallbau-Onlinekurs dabei, ich freue mich dass du hier ist, Willkommen Tobias Schiller!

    Was wird gebaut?

    Wie würdest du deinen Stall beschreiben?

    Der Stall besteht aus zwei Hallen. Eine Halle hat 57 x 18 m und ist ein zweireihiger Liegeboxenlaufstall mit Tiefbuchten und einem Güllesaugroboter zur Entmistung. Die Halle daneben hat 30 x 16 m, dort ist der Melkstand, eine Selektion mit Sonderbereich und alles was zum Melkstand dazu gehört untergebracht. Verbunden sind die beiden Ställe mit dem Vorwartebereich für die Kühe. Durch die Aufteilung in zwei Gebäude konnte der Status „Sonderbau“ vermieden werden, der ab 1.600 qm greift.

    Warum habt ihr euch für einen Güllesaugroboter entschieden?

    Der erste Plan war eine klassischer Schieberbahn und wir waren skeptisch auf den Roboter. In der Planung sind viele Stellen aufgetaucht, die nicht abgeschoben werden. Der Vorwartebereich ist 90° gedreht zur Laufbahn, dort wäre ein Viehtreiber mit Abschiebefunktion sehr teuer gewesen. Durch die vielen Möglichkeiten wurde der Güllesaugroboter interessant. Alle Übergänge werden direkt mit abgeschoben. Wir haben uns das System angeschaut und uns für einen JOZ entschieden. Der Stall konnte komplett ebenerdig gebaut werden, was auch noch praktisch ist.

    Auf was muss beim Güllesaugroboter im Stallbau geachtet werden?

    Die Besonderheit ist, dass es sehr einfach ist. Es hat nicht lange gedauert, bis wir die Bodenplatte betonieren konnte. Es gibt einen Abwurfschacht für den Roboter, der in der Nähe der Güllegrube ist. Man spart sich den Querkanal und Spalten. Auf der Güllegrube sind Abwurfschächte, die zur Not für die Entmistung mit dem Radlader geöffnet werden können. Im Winter wird wohl kein System so richtig funktionieren, man kann sich zumindest noch mechanisch helfen.

    Es soll ein 2 x 8 Side by Side eingebaut werden, was war euch bei der Entscheidung wichtig?

    Ich habe schon in mehreren Systemen gearbeitet. Uns gefällt am SbS zum einen die Kotrinne, dadurch ist es ein sauberes Melken. Außerdem ist es ein sicheres Melken und man hat kurze Wege. Durch den Frontaustrieb sind die Kühe schnell raus. Man soll alleine noch gut arbeiten können. Der Stall ist so ausgelegt, dass man zu zweit schön arbeiten kann. Das Standgerüst ist für einen 2×10 ausgelegt.

    Warum wird ein Melkstand und kein AMS eingebaut?

    Am Anfang war ein Roboter geplant, weil es ja irgendwie klar war, dass ein neuer Stall einen Roboter braucht. Irgendwann haben wir uns mal gefragt, warum eigentlich ein Roboter im Plan ist, obwohl wir gerne melken? Wir möchten unsere Arbeiten 2 x täglich erledigen und dazwischen nicht gestört werden. Wenn über 70 Kühe auf einem AMS sind, darf der Roboter nicht stehen. Die laufenden Kosten sind auch eher höher.

    Herausforderungen vom Bauherrn

    Wann habt ihr mit dem Bau begonnen und wie weit seit ihr aktuell?

    Die Baggerarbeiten haben im März begonnen. Mitte Oktober zum Stand des Interviews stehen beide Hallen. Die Melktechniker stehen in den Startlöchern. Begonnen wurde mit der Güllegrube, dann gab es eine größere Auffüllung. Im Juni haben wir die Leitungen im Boden verlegt und Mitte Juni sind die Maurer gekommen.

    Was waren bisher die größten Herausforderungen?

    Eine große Herausforderung war die große Erdbewegung. Es sind um die 5.000 cbm hergefahren worden, um das Gelände anzugleichen. Das Material wurde stabilisiert und Schicht für Schicht verdichtet. Hier muss man gut aufpassen, dass alles ordentlich gemacht wird. Wir haben für das Material etwas verlangt, dass es entsorgt werden darf. Die Stabilisierung haben wir selber übernommen. Unterm Strich hats mehr gekostet als ursprünglich gedacht.

    Im nächsten Schritt sind die Maurer gekommen. Als Tipp kann ich hierbei mitgeben, dass man jeden Tag auf der Baustelle ist und immer darauf achtet, dass alles ordentlich abläuft. Es wären einige Kleinigkeiten anders geworden, als es nun sinnvoll gebaut ist. Nicht alles ist immer so ganz eindeutig im Plan und nur man selbst hat den späteren Ablauf im Kopf.

    Trotzdem sind im Unterbau Fehler passiert, die im Oberbau aufgefallen sind. Der Unterbau soll deshalb unbedingt so genau wie möglich werden.

    Wo waren Unstimmigkeiten beim Unterbau?

    Wir haben im Melkbereich zwei hohe Gibelmauern gemauert. Eine hat gepasst und die andere war um 6 cm zu hoch. Dadurch kann man kein Sandwich-Blech drauf machen. Ein Mitarbeiter der Maurerfirma hat dann mit der Motorflex bis um 9 Uhr abends den Fehler korrigiert. Man bekommt vieles noch hin, besser ist es wenn so etwas nicht passiert.

    Wie schaffst du es, dass die einerseits voll auf der Baustelle dabei bist und dich gleichzeitig nicht auslaugst?

    Mich fragen manchmal meine Eltern, wie ich die Energie aufbringe. Ich glaube es ist die Motivation. Wir hatten sehr viel Lust auf das Projekt. Wenn man sieht, was man alles schafft, möchte man am nächsten Tag weiter machen. Man möchte fertig werden und daher glaube ich kommt die Energie.

    Wann ist der grobe Zeitpunkt, wann ihr fertig werden wollt?

    Wir haben uns mal Ende November überlegt. Ich finde es wichtig, dass man sich ein Ziel setzt. Aber man sollte sich nicht dazu zwingen. Und auch wenn man irgendwie einziehen kann muss man nicht unbedingt schon rein. Lieber ist möglichst alles fertig gestellt.

    Der Nutzen durch den Kuhstallbau-Onlinekurs

    Du warst im Kuhstallbau-Onlinekurs dabei. Wo oder wie hat er dir bei der Umsetzung geholfen?

    Durch den Kuhstallbau-Onlinekurs habe ich eine sehr detaillierten Plan. Und auch im Kopf habe ich sehr genau gewusst, was ich will. Die Vertreter waren oft schon sehr verwundert, dass wir so genau Wissen, was wir wollen. Auch auf der Baustelle müssen Umsetzungen oft gar nicht lange überlegt werden, was man wie wo macht, weil die Vorstellung schon sehr genau da ist. Das ist mit dem Kurs rausgekommen. Ich hatte vorher schon eine genaue Vorstellung, wie es werden wird und hatte vorher schon bedenken, ob ich beim Kurs mitmachen soll. Es hätte passieren können, dass ich den ganzen Plan umwerfe, was zum Glück nicht passiert ist. Einige Sachen haben sich bestätigt oder sind bekräftigt worden, andere sind abgeändert und verfeinert worden.

    Erst habe ich gezweifelt, ob ich beim Kurs mitmachen soll. Ich habe den Kurs trotzdem gemacht und kann es weiter empfehlen.

    Wie war dein Gesamteindruck vom Kurs?

    Der Gesamteindruck ist sehr positiv. Ich habe mich auch immer auf die Treffen gefreut, selbst wenn man vom ganzen Tag arbeiten erschöpft war. Der Austausch mit den anderen Teilnehmern ist ebenfalls sehr wertvoll. Man lernt neue Leute kennen und hat neue Kontakte.

    Hat sich die Investition für dich gelohnt?

    Auf alle Fälle. Es ist nur schwer, ich kann es nur schwer in Zahlen fassen. Es bedeutet ja, dass man das gezahlte Geld wieder rein bekommt. Ich glaube, dass ich durch den Kurs wieder Zeit sparen werde. Im Bau habe ich einen genauen Plan und wahrscheinlich ist das Geld jetzt schon wieder rein gekommen.

    Hast du ein Beispiel, wo dir die detaillierte Planung geholfen hat?

    Man sollte alle seine Arbeitsabläufe von vorne bis hinten durch gehen. Beim Füttern war der Gedanke, wie man das Restfutter vom Futtertisch bekommt. Da hat sich eine schräge Wand am Ende vom Futtertisch angeboten. Das ist ein Detail, was ich direkt übernommen habe und wir uns in Zukunft viel Zeit und körperliche Arbeit sparen werden.

    Was möchtest du Landwirte für Ihre Planung mit auf dem Weg geben?

    Für die Planung kann ich nur empfehlen, früh genug damit zu beginnen. Man sollte sich auch nicht auf seiner Planung versteifen. Wenn man andere Ideen hat, sollte man sich dafür nicht verschließen. Man kann einfach wieder von vorne anfangen und sich anschließend die Pläne nebeneinander legen. Vielleicht ist der neue Plan viel besser. Der vermeidliche Rückschritt kann vielleicht viel besser sein. Das gleiche ist beim Bau. Man hat zwar seinen Plan, nach dem arbeiten die Maurer. Aber vielleicht stellt man fest, dass eine Mauer vielleicht ein bisschen wo anders sein sollte. Da sollte man unbedingt optimieren.

    Vielen Dank an Tobias für die Einblicke euren Bau und viel Erfolg für die weitere Bauzeit!

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