KSB 022 Halbzeit beim Unterbau – meine 3 größten Learnings

Wie geht es dir mit Baustellen? Kannst du es kaum erwarten oder bist eher schnell wieder froh, wenn das Projekt vorbei ist? Ich freu mich zurzeit auf jeden Tag. Jeden Tag kann man wieder was dazu lernen. Und jeden Tag sieht man Fortschritte beim Unterbau zum neuen Milchviehstall.

    Stallbaupost

    Jeder hat seine Sicht

    Ganz einfach ist es oft nicht. Es reden viele mit und du hast deine Vorstellung im Kopf, wie es werden soll. Der Maurer sieht dein Vorhaben aus der Sicht der Machbarkeit und Umsetzung. Schon bei der Planung sind viele Entscheidungen zur Umsetzung zu treffen. Auch auf der Baustelle werden noch viele kleine Details geklärt.

    Gehörst du zum Typ der alles bauen lässt oder dem der viel selber machen möchte? In jedem Fall ist die Zeit meistens knapp. Entscheidungen muss auch beim Unterbau aber unbedingt selbst treffen und das Ruder in der Hand halten.

    Was bisher gemacht und gebaut wurde

    • Ende 2019: Oberbodenabtrag mit archäologischer Begleitung
    • Winter 2020: Leitungen verlegen zwischen Anschlussraum im Haus und neuem Stall
    • Frühjahr 2020: Große Erdbewegung, da der neue Stall in den Hügel gebaut wird
    • Mai 2020: Bau der Güllegrube (mehr dazu in der Folge)
    • Juli 2020: Beginn mit dem Unterbau
    • 1. Woche: Aushub aller Kanäle, Teil der Fundamente und Bodenplatten wurden betoniert
    • 2. Woche: Melkstandgrube wurde ausgebaggert, Kanalwände und Melkstandgrube wurden betoniert
    • 3. Woche: Starkregen: Die Bodenplatte wurde vom Schlamm befreit, Löschwasserbehälter und tiefe Kanäle sind betoniert worden
    • 4. Woche: Zwischen Wasserbehälter und Melkstand wurde aufgefüllt, Fundamente für Melkstand betoniert bis Unterkante vom Hubfenster
    • 5. Woche: Güllerohre wurden verlegt und geschweißt, Kanäle gereinigt und geflutet, Dichtheitsprüfung der Kanäle wurde bestanden, Fundament für Anbau gemacht, Decke vom Wasserbehälter ist gekommen, Eisenkörbe für Köcherfundamente wurden geflechtet
    • 6. Woche: Köcherfundamente wurden ausgebaggert und betoniert, Bodenplatte der Räume vorbereitet und ebenfalls betoniert, die Wand zum Melkstand ist betoniert worden

    1. Learning: Genau arbeiten

    Schnurgerüst bauen

    Ich dachte ich habe bei Bauprojekten auch schon genau gearbeitet. Mein Maurer legt vorallem beim Unterbau Wert auf wirklich genaue Maße halten getreu dem Motto: Ungenau wird’s von selbst.

    Als erstes wurde von einer Vermessungsfirma das Schnurgerüst aufgebaut. Achte dabei unbedingt auf die Entfernung zum Kanal und denke an den Böschungswinkel. Wir mussten zwei Gerüste versetzen, weil ich zu wenig darauf geachtet habe. Passe auch gut darauf auf!

    Damit kann man nun auch die Kanäle relativ genau ausbaggern. Genaues arbeiten spart dir dabei Zeit, Beton und später Material zum auffüllen. Wir haben oft eher zu großzügig ausgebaggert. Eine Ausnahme war die Melkstandgrube. Ich habe mich 20 cm beim Maß vertan. Dadurch war der Arbeitsraum eher zu knapp.

    Mehr zum Bau der Güllekanäle findest du in KSB 020!

    Schnurgerüst nach unten übertragen

    Es wird immer von der Schnur gemessen. Für alle Kanäle und dem Wasserbehälter haben wir das Schnurgerüst nach unten übertragen. Dies macht momentan Arbeit, spart später aber mehrfach die Zeit wieder ein. Wenn man auch später immer von der Schnur das Maß abnimmt, vermeidet man Folgefehler. Schwierig wird’s nur bei starkem Wind. Bevor man eine Wand auf eine Bodenplatte baut, rechnet man die Diagonale aus und kontrolliert nach. Wie wichtig abnehmen vom Maß von der Schnur ist haben wir bei einem Köcherfundament gemerkt. Die Kanalwand daneben und das Maßband haben auf 3 cm nicht gestimmt. Stimmt nun das Maßband bei 85 m oder die Kanalwand? Von der kürzeren Seite war das Schnurgerüst durch eine Schalung versperrt. Tatsächlich war die Kanalwand nicht ganz genau im Lot.

    Höhenverhältnisse genau messen

    Gleiches Prinzip gilt für die Höhenverhältnisse. Hier hilft ein Nagel mit der Höhe 0. So kann man die Laserlatte darauf abstellen und den Laser sauber einstellen. Das Maß muss dann immer vom gleichen Punkt abgenommen werden, sonst hat man wieder Folgefehler. Bei der schrägen Bodenplatte vom Melkstand ist es mir so gegangen. Durch das Gefälle bin ich vom falschen Punkt ausgegangen und jetzt ist die Grube etwas zu tief. Wir bekommen einen Hubboden, deshalb hält sicher der Nachteil in Grenzen. Mehrmaliges kontrollieren hätte geholfen.

    Plan für Aussparungen

    Ich würde mir beim nächsten Mal gleich zu Beginn einen Plan für Aussparungen bei Wänden vorbereiten. Ein paar Kernbohrungen hätten wir dadurch vermieden. Man denkt zwar ständig mit, vergisst aber dann doch noch das eine oder andere.

    2. Learning: Viel praktisches und nützliches für die Umsetzung

    Einiges ist für dich selbstverständlich, an das andere hättest du vielleicht nicht sofort gedacht. Nimm einfach das für dich passende mit.

    Was viel Zeit braucht

    Jedes zusätzliche Teil im Unterbau braucht Zeit. Besonders halten viele Ecken auf. So auch die Kanäle in unsere Vorgrube. Durch die Platzierung der Strohbox ist ein zweiter kleiner Querkanal im Unterbau notwendig. Dadurch waren viele Ecken notwendig, was einiges an Zeit gekostet hat. Wäre es anders zum gewollten Ergebnis bekommen, wäre es natürlich besser.

    Ein Fundament für die Giebelwand haben wir zuerst neben dem Kanal geplant. Durch eine kleine Änderung kann nun die Säule auf die Wand gestellt werden und wir sparen uns ein extra Fundament. Dies sind Kleinigkeiten, die in der Summe aber doch was ausmachen. Wichtig sind auch genug Holzbretter, vor allem in den Stärken der Wand. Bei uns sind Wände 24 cm und 30 cm breit. Diese braucht man immer wieder zum abschallen. Deutlich mehr als ich gedacht habe. Wenn man genug da hat spart man sich wieder Zeit.

    Baustellenzufahrt

    Man braucht einen Stellplatz für den Kran, ganz klar. Was man nicht unterschätzen sollte sind die ganzen Materiallieferungen. Ist der Platz dann auch immer befahrbar oder sind Kanäle oder Fundamente im Weg? Achte auf genug Platz um den Kran für das Ablegen von Eisen, Fertigteilen, Schalung und vielem mehr. Der Betonmischer sollte nahe an den Kran fahren können, sodass die Hubkraft für eine große Betonbombe reicht. Praktisch ist ein großer Kiesplatz. Wir haben 30 m x 40 m auf der Stirnseite vom Stall, die wir ständig gebrauchen. Ein Teil davon ist für den Kran erreichbar.

    Unwetter

    Wir hatten an einem Wochenende rund 150 mm Niederschlag, 95 mm davon in 12 Stunden. Abgesehen von zwei Tagen Pause kamen wir ohne Schäden davon. Solche Tage können einfach kommen. Um einen vorhandenen Ablauf war ich sehr froh.

    3. Learning: Den Betrieb und mich am Laufen halten

    Routinen für den Betrieb

    Routinen halten dich am Laufen. Man muss nicht erst überlegen, ob man dies und jenes noch machen sollte. Es gibt einige Aufgaben, die man auch lassen kann und trotzdem wichtig sind.

    Ich habe einige Routinen, die ich täglich mache:

    • – Tägliche Frischmelkerkontrolle
    • – Wöchentlich TM-Aufnahme messen
    • – Täglicher Mitschrieb in zwei Evernote Notizen und einer Excel-Tabelle
      • – Bautagebuch
      • – Offene Abrechnungen
      • – Stunden aller Helfer

    Damit weiß ich auch, wie viel ich dabei war. Die letzten 6 Wochen waren es im Schnitt 45 Stunden pro Woche.

    Wichtige Aufgaben nicht vergessen

    Ich habe alle meine Aufgaben in Todoist. Man ist oft in der Arbeit auf der Baustelle und denkt nicht an andere, wichtige Aufgaben. Mit Todoist kann man sich daran erinnern lassen und auch Prioritäten festlegen. Ich markiere mir in rot jeden Tag die wichtigste Aufgabe des Tages. Diese soll dann möglichst schon Vormittags wegbekommen. Damit vergisst man nichts auch neben dem Trubel auf dem Bau.

    Genug Schlaf

    Warum komme ich jetzt mit genug Schlaf um die Ecke? Ganz einfach: Ausgeruht sein ist sehr wichtig. Aber auch wegen den ganzen Entscheidungen, die zu treffen sind. Jede Entscheidung braucht Willenskraft. Und die Willenskraft muss man sich vorstellen wie einen Akku. Im Schlaf wird dieser Akku aufgeladen. Wenn man also gut und genug geschlafen hat ist der Willenskraft-Akku voll aufgeladen und man kann gute Entscheidungen schnell treffen. Mit jeder Entscheidung wird der Akku leerer und du kennst es vielleicht, dass man sich Abends auch nicht mehr so gut zu unangenehmen Dingen entscheiden kann. Ich versuche deshalb genug zu schlafen, dass ich jeden Tag fit bin und gute Entscheidungen treffen kann.

    Was gebe ich dir mit?

    • Denke dich schon vorab genau in die Details rein und lasse es möglichst detailliert zeichnen.
    • Wichtig ist auch schon genau zu wissen, was man möchte.
    • Gehe am besten den Plan für den Unterbau mit deinem Maurer durch.
    • Gib Aufgaben für diese Zeit ab. Ein großer Dank geht an meine Frau und Eltern, die viel abnehmen. Ich bin nur noch 2 – 3 Stunden täglich im Stall.

    Fazit

    • Arbeite sehr genau. So vermeidest du Abweichungen.
    • Halte die Augen offen, wo es einfacher geht.
    • Baue für Sachen die man machen sollte Routinen in den Tag ein.

    Wie geht oder ging es dir in der Stallbauzeit? Schreib mir gern an gusti@kuhstallbau.com

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