KSB 010 Änderungen durch High Sense Hemmstofftest – Dr. Baumgartner vom MPR Bayern im Interview

In diesem Interview mit Herrn Dr. Baumgartner erfährst du was es mit dem neuen Hisense Hemmstofftest auf sich hat, wie du positive Tankproben vermeiden kannst und was du baulich dafür tun kannst, um weiterhin nur negative Hemmstoffproben zu haben.


Interview mit Herrn Baumgartner

Gusti Spötzl: Ich darf heute Herrn Dr. Christian Baumgartner begrüßen. Herr Baumgartner ist Fachtierarzt für Rinder war lange beim TGD tätig und ist seit 1995 Geschäftsführer beim Milchprüfling in Bayern. Er ist damit ein absoluter Profi auf diesem Gebiet. Hier gleich die erste Frage zum High-Senstest. Was ändert sich für uns Milcherzeuger?

Hr. Baumgartner: Grüß Gott zusammen. Als Milcherzeuger werden Sie es vermutlich nicht merken, dass sich der Test geändert hat in der Hemmstoffüberwachung. Grundsätzlich wird in Zukunft etwas empfindlicher auf Antibiotika untersucht mit diesem Test. Ursache ist aber, dass wir die gesetzlichen Bestimmungen einhalten können.

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Warum die Änderung des Hemmstofftests?

Gusti Spötzl: Warum gibt es diese Änderungen?

Hr. Baumgartner: Es ist so, dass sich das EU-Recht schon 2006 geändert hat und sich die Anforderungen an die Lebensmittelunternehmer – sie als Milcherzeuger sind ja auch Lebensmittelunternehmer – geändert haben bezüglich der Rückstände in den Lebensmitteln. In der Milch muss eine Reihe an Antibiotika mit einer bestimmten Höchstmenge nachgewiesen werden.

Gusti Spötzl: Und das war bis jetzt nicht gegeben?

Hr. Baumgartner: Das war bis jetzt nur zum Teil gegeben. Es gibt seit 2015 einen Test der diese Bestimmungen besser erfüllt. Das Ganze soll auch umgesetzt werden mit einer neuen Milchgüteverordnung. Das hat sich aber aus verschiedenen Gründen immer wieder verzögert, sodass sich jetzt die Verbände in Bayern geeinigt haben, den neuen Test ab 1. Juli 2020 verpflichtend einzuführen, um diese gesetzlichen Bestimmungen besser zu erfüllen verpflichtend einzuführen um diese gesetzlichen Bestimmungen besser zu erfüllen.

Gusti Spötzl: Was kann ich als Milcherzeuger jetzt genau tun um keinen positiven Test bei den schärferen Kriterien zu haben?

Hr. Baumgartner: Im Endeffekt können Sie gar nichts anderes tun als sie jetzt auch schon tun, d. h. die gute landwirtschaftliche Praxis einhalten, wenn es um die Anwendung von Antibiotika geht. Wir sehen immer wieder, wenn es zu hemmstoff-positiven Fällen kommt, sind es im Wesentlichen zwei Dinge die schief gehen: Zum einen, dass Kühe in den Tank gemolken werden, die behandelt sind – die nicht gemolken werden dürfen. Das passiert, weil die Kühe nicht richtig gekennzeichnet sind und der Informationsfluss im Betrieb nicht funktioniert. Der eine behandelt und schreibt es nicht gleich auf, der andere melkt und weiß es nicht; der Klassiker. Das andere sind Verschleppungsprobleme, man weiß, dass eine behandelte Kuh gemolken worden ist mit einem Melkzeug. Aber man unterschätzt es, dass kleine Reste von Milch zurückbleiben, macht das Melkgeschirr nicht richtig sauber und selbst da können kleine Mengen von dieser kontaminierten Milch einen ganzen Tank verunreinigen und man hat dann ein positives Ergebnis. Das sind die beiden Hauptursachen.

Gusti Spötzl: Gibt es auch einfach falsche Tests die nicht richtig interpretiert oder ausgelesen werden, wo ich als Landwirt auch keine Schuld habe, sondern später etwas mit der Probe passiert, dass diese verunreinigt oder falsch ausgelesen wird?

Hr. Baumgartner: Also die offizielle Probe in der Milchgüteuntersuchung, so wie wir die untersuchen, möchte ich das ausschließen. Die Probe selber wird auf Verschleppung in allen Bereichen überwacht, d. h. sollte bei uns ein positives Ergebnis auftauchen, dann wird für diese eine Probe an allen Stellen wo die behandelt, untersucht und überprüft ob eine Verschleppung möglich gewesen sein kann. Das ist klar, diese Antibiotika werden so sensibel nachgewiesen, dass eine Verschleppung ein Problem sein kann. Wenn also bei Ihnen in der Milch Antibiotika ist, im Sammelwagen könnte auch der nächste Lieferant noch kontaminiert werden, aber wir schließen das in einer Verschleppungsprüfung aus. Also wenn Sie als Milcherzeuger einen Abzug kriegen, dann dürfen Sie sicher sein, dass in Ihrer Milch Antibiotika drin war. Natürlich, wenn man selber Tests macht und ansetzt, kann es immer wieder vorkommen, dass aufgrund einer nicht korrekten Bebrütungstemperatur Ergebnisse die nicht korrekt sind. Aber da muss man sich immer an die Vorgaben des Herstellers halten, wenn es um den Test geht.

Unterscheidung Einzelkuhprobe zur Sammelprobe

Gusti Spötzl: Wie unterscheidet sich die Einzelkuhprobe von der Sammelprobe? Einmal die Sammelprobe wird mit dem High-Senztest beprobt? Das ist ab 1. Juli 2020 so fest?

Hr. Baumgartner: Ab 1. Juli 2020 werden alle Milchgüteuntersuchungen, die bei uns im Labor des Milchprüfring Bayern laufen mit dem BRT hi-sense gemacht, auf dem sensitiveren, gesetzlich vorgeschriebenen Niveau. Wenn man selber Milchproben testet, empfehlen wir ganz klar die Sammelmilch auch mit dem BRT hi-sense zu testen, damit das vergleichbar mit der Güteuntersuchung ist. Für die Untersuchung der einzelnen Kühe ist der BRT hi-sense nicht erforderlich, da empfehlen wir nach wie vor den herkömmlichen Test anzuwenden.

Gusti Spötzl: Das heißt ich kann davon ausgehen, wenn ich eine einzelne Kuh mit dem herkömmlichen Test bebrühte und hier auch ein negatives Ergebnis habe, dann hätte ich durch das, dass der neue Test genauer ist, zum Beispiel ich habe 100 Kühe, 2 Kühe habe ich jetzt beprobt, dann habe ich die allermeisten Kühe unbeprobt und somit habe ich die möglichen mehr Hemmstoffe soweit vermischt, dass es für den empfindlichen Test kein Problem mehr ist.

Hr. Baumgartner: Genau. Es gibt Unterschiede in der Sensitivität der Testsysteme gegenüber verschiedenen Antibiotika. Aber die sind nicht so groß, dass durch den Versmischungseffekt den man in der Tankmilch hat nicht ausgeglichen wird. Das ist nur für ganz spezielle und ungünstige Konstellationen denkbar, dass sowas passiert. In erster Linie – ich möchte nicht zu speziell werden – betrifft es die Cephalosporine, das ist eine gewisse Gruppe von Antibiotika, wo die beiden Tests unterschiedlich empfindlich sind. Wenn man also Cephalosporine anwendet und nur 5 oder 7 Kühe im Bestand hat, müsste man hier aufpassen. Das wird aber in den wenigsten Fällen eine Rolle spielen. Wäre eine Kuh aus solch einem kleinen Betrieb mit Cefalosporinen behandelt, könnte es theoretisch sein, dass der herkömmliche Test Rückstände grad nicht mehr nachweist, aber der Tank aufgrund dieser wenigen Vermischung trotzdem mit dem BRT hi-sense positiv reagiert.

Gusti Spötzl: Wenn ich den Test mir selber kaufe und selbst bebrühte, gibt es hier unterschiedliche Hersteller oder Tests die möglich sind. Mache ich einfach die Angaben die angegeben sind und habe alles erfüllt?

Hr. Baumgartner: Ja, der Test ist nach Herstellerangaben durchzuführen. Es gibt im Wesentlichen von zwei Herstellern solche sensitiven Tests. Der eine ist der in Bayern produzierte BRT hi-sense der Firma Analytik in Milch in München. Außerdem gibt es von der Firma DSM aus den Niederlanden einen Test der ganz ähnlich empfindlich ist, den Delvotest T. Diese beiden Tests erfüllen die Anforderungen der neuen Milchgüteverordnung. Egal welchen Test Sie nehmen, sie müssen immer aufpassen, dass die Testdurchführung stimmt und unbedingt auch immer eine Negativ-Kontrolle mitführen. D. h. Milch, die ganz sicher keine Hemmstoffe enthält parallel mit ansetzten, weil man an der Negativ-Kontrolle sieht, wenn der Testkeim wächst und die Farbe des Tests von blau nach gelb umschlägt, dann ist der Test fertig zur Ablesung. Wenn ich diese Negativkontrolle nicht dabei habe ist es schwierig zu entscheiden, ob der Test fertig ist oder nicht.

Gusti Spötzl: Letztendlich, sobald ich in der Tankmilch bin muss ich sehr präzise werden und wenn ich der Einzelkuhprobe bin reicht der nicht so genaue Test und den kann ich auch Zuhause ansetzten.

Hr. Baumgartner: Beide Tests können Sie Zuhause machen. Ich möchte jetzt gar nicht so diesen Unterschied machen, präzise oder weniger präzise. Es geht um die Sensitivität der Testsysteme. Für die Untersuchung der Tankmilch sollte aufgrund der gesetzlichen Vorgaben, der BRT hi-sense angewendet werden. Für Einzelkuh proben ist dies nicht erforderlich.

Ablauf des Tests im Labor

Gusti Spötzl: Wie läuft denn der Test im Labor ab, wenn jetzt die Probe vom Milchfahrer mit rein kommt, ganz kurz und knapp geschildert?

Hr. Baumgartner: Der Test ist ein sogenannter mikrobiologischer Test, d. h. wir haben einen Test-Keim, ein Bakterium. Dieses hat die schöne Eigenschaft, dass es bei 65 °C, also bei heißen Temperaturen wächst. Alle anderen Keime die in der Milch sind können bei dieser Temperatur nicht mehr wachsen und stören deshalb nicht. Nachdem der Test-Keim hier das Nachweissystem ist, funktioniert der Test indem der Test-Keim wächst. Es braucht Zeit bis der Test-Keim gewachsen ist, im günstigsten Fall sind es 2 – 3 Stunden. Bei dem neuen, sensitiven Test dauert es etwas länger, hier sind es mindestens 3,5 Stunden. Wenn der Test-Keim wächst, sieht man das an einem Indikator, das ist der blaue Farbstoff der zugesetzt ist. Der Indikator schlägt am Ende der Bebrütung von seiner blauen Farbe in eine gelbe Farbe um. Der Farbumschlag ist der Nachweis, dass der Test-Keim gewachsen ist und die Probe somit hemmstofffrei ist. Wenn Hemmstoffe in der Milch sind, wird der Test-Keim – wie der Name sagt – am Wachstum gehemmt und gibt es keinen Farbumschlag nach Gelb, dann bleibt der Test blau. Das ist eine relativ einfache Möglichkeit die Anwesenheit von Hemmstoffen nachzuweisen. So funktionieren alle mikrobiologischen Tests vom Prinzip her.

Gusti Spötzl: Wir haben jetzt schon angesprochen, die Hauptfehler die passieren, dass überhaupt Hemmstoff in die Milch kommt, ist entweder versehentlich die eine Kuh reingemolken oder Verschleppung. Das sind praktisch die Punkte und nichts anderes, kann man so sagen?

Hr. Baumgartner: Kann man so sagen, es gibt da verschiedene Varianten, aber im Endeffekt laufen sie immer auf diese beiden Punkte raus. Kleine Mängel, die sich irgendwo verstecken oder nicht aufgepasst bzw. versehentlich eine Kuh in den Tank gemolken, die behandelt war.

Gusti Spötzl: Dann gehen wir doch direkt zum normalen Melkstandbetrieb. Was kann der Betrieb machen um keinen Hemmstoff in der Sammelmilch zu haben?

Hr. Baumgartner: Manchmal denkt man, das sind ganz komplizierte Probleme, sind es aber gar nicht. Es sind die einfachsten Dinge die funktionieren müssen. Nummer eins ist immer, wenn eine Kuh behandelt wird, muss sie gekennzeichnet sein. Damit – wie ich es immer sage – auch ein Blinder mit Gehstock schon sieht ob eine Kuh gemolken werden darf oder nicht.

Gusti Spötzl: Am besten ist meine Erfahrung erst kennzeichnen und dann behandeln!

Hr. Baumgartner: Ja auf jeden Fall, denn in der Hektik des Alltags passiert es einfach immer wieder! Man gibt eine Tube ins Euter, will das schnell aufschreiben oder im Computer austragen und dann geht z.B. der Feuerwehralarm los. Da passieren die seltsamsten Sachen und dann vergisst man das Tier zu markieren und ein anderer muss melken und weiß es einfach nicht, dass das Tier behandelt wurde, ganz klassisch. Kennzeichnen, aufschreiben und wenn es irgendwo geht das Tier im technischen System sperren, dass wirklich nicht gemolken werden kann, das wäre das sicherste.

Gusti Spötzl: Und dann ist es ja praktisch noch so, den eigenen Eimer der unbedingt durchsichtig ist dann würde ich sehen wenn es überläuft und der Überlauf an der Pulsator Leitung, dann hätte ich auch die Kontamination mit der Milch getrennt, sollte es wirklich überlaufen oder ein Tropfen da rüber kommen, dann hätte ich das zumindest getrennt.

Hr. Baumgartner: Auf jeden Fall! Bitte behandelte Kühe, die man in einen Melkeimer melkt, nie an die Milchleitung, sondern immer nur an die Vakuumleitung anschließen. Wie Sie es gerade erwähnt haben, reicht schon der Milchschaum der überschlägt. Oft werden auch frischmelkende Kühe behandelt. Man unterschätzt z. B. die Milchmenge oder der Eimer hat eine recht kleine Kapazität, dann reicht der Milchschaum- oder nebel, der dann in die Milchleitung kommt aus, dass der Tank kontaminiert wird. Vielleicht ist das auch so ein Punkt, dass man sich einfach nicht vorstellen kann, welche kleinen Mengen ausreichen, um einen ganzen Tank zu kontaminieren, da kann man gar nicht vorsichtig genug sein.

Antibiotika in der Milch – wie viel reicht aus?

Gusti Spötzl: Wie viel ist ungefähr, wenn ich jetzt sage ich habe 2000 L im Tank, wie viel wäre das ungefähr?

Hr. Baumgartner: Wenn Sie eine Kuh frisch behandelt haben und sie kriegen da 1 ml von diesem Gemelk in einen 3000 L Tank dann reicht das, dass der ganze Tank positiv ist.

Gusti Spötzl: Wirklich wenig!

Hr. Baumgartner: Das ist absolut wenig, ja.

Gusti Spötzl: Thema Roboterbetrieb. Ich habe mit meinem Melktechnikhersteller gesprochen. Letztendlich ist in über 99 % der Fälle schlicht einfach ein Haken im Comuputer falsch gesetzt, dass letztendlich dazu führ, hier sind wir wieder: Erst markieren im Roboter natürlich am Computer markieren, dann reinmelken und was auch schon passiert ist, dass praktisch eine Gruppe zusammengetrieben wird, die dann nacheinander gemolken werden  und dann erst nach dieser Gruppe läuft die Reinigung. Da an sich die Reinigung einfach Zeit ausmacht die gebraucht wird um dann wieder die ganzen Leitungen Hemmstofffrei zu halten und dass dann wieder ein Bedienungsfehler passiert, ein Haken am Computer, dass die Kuh dann wieder später kommt, und der Haken noch nicht gesetzt ist, dass dann nach dieser Kuh später die Spülung sein muss und letztendlich die Kuh weggemolken wurde aber die Spülung nicht passiert ist. Anscheinend technisch bedingt fast gar nicht, weil speziell in der Wartung der Technik ganz normal mitläuft wie andere Wartungsteile auch und anscheinend es technisch fast noch nie passiert ist. Fast, weil es nicht ausgeschlossen werden kann, einfach Systembedingt, aber da sollte anscheinend der Fehler im Menschen liegen.

Hr. Baumgartner: Wir erfassen die Roboterbetriebe von der Milchqualität schon seit etlichen Jahren separat und vergleichen diese mit Nicht-Roboterbetrieben ähnlicher Größe. Im letzten Jahr hat sich eine deutliche Verbesserung eingestellt. Wir haben ja keine klaren Hinweise oder Beweise für die Ursache eines Hemmstofffalls. Früher hatten wir öfter mal die Rückmeldung von Landwirten, dass sie vermuten, dass ein Technikfehler vorliegt, z.B. das Ventil nicht richtig geschlossen hat. Wie gesagt, bis vor ca. 1,5 Jahren haben die Roboterbetriebe in der Tendenz häufiger hemmstoff-positive Ergebnisse gehabt als die Vergleichsbetriebe. Das hat sich jetzt im letzten Jahr umgekehrt. Im Durchschnitt haben die Roboterbetriebe jetzt weniger hemmstoff-positive Ergebnisse als die Vergleichsbetriebe. Daraus könnte man schließen: Entweder hat sich an der Technik etwas verbessert, klar die Hersteller arbeiten stetig an der Optimierung. Oder auch das Management der Roboterbetriebe hat sich verbessert bzw. man hat die Abläufe immer sicherer gemacht. Z.B. wurden Fehlermöglichkeiten erkannt und abgestellt, dass Kühe die behandelt sind trotzdem aus irgendeinem Grund zum Melken kommen. Aktuell ist es so, dass Roboterbetriebe in der Tendenz eher weniger hemmstoff-positive Fälle haben als die Vergleichsbetriebe mit herkömmlichen Melksystemen.

Abschließende Fragen

Gusti Spötzl: Gibt es zum Abschluss des Interviews noch irgendwelche häufigen Meinungen die kursieren, oder auch aus der Unwissenheit was vermutet wird wie das zusammenhängt: Beispiel Spülmittel in der Milch oder ähnliches auf positiven Hemmstofftest. Gibt es noch irgendetwas, das zum Abschluss noch ganz gut los werden könnte?

Hr. Baumgartner: Da bin ich ja dankbar für die Frage, denn das ist ein Klassiker, dass man sagt Hemmstoffe: das kann alles Mögliche sein. Wir wissen, da wir Versuche dazu gemacht haben, dass unter heutigen Bedingungen Hemmstoffe immer Antibiotika sind, die irgendwie in die Milch gelangen. Desinfektionsmittel oder Dippmittel sind nicht so aktiv oder nicht so „kräftig“, dass der Hemmstofftest unter normalen Bedienungen positiv wird. Unser Versuch hat gezeigt, dass das kräftigste oder wirksamste Desinfektionsmittel in der Verdünnung 1:100 gerade noch hemmstoff-positiv im Hemmstofftest ist. Praktisch gesehen würde das heißen, dass man in einen 1000 L (Milch)Tank 10 L von diesem Mittel kippen müsste, damit der Hemmstofftest positiv wird. Das kommt natürlich unter realen Bedingungen nicht vor. Jeder kann sich vorstellen, dass die Milch dann nicht mehr normale Milch ist, sondern verändert ist durch diese Masse an Desinfektionsmittel. Jeder der Bedenken hat Dippmittel anzuwenden braucht sich zum Thema Hemmstoffe keine Gedanken machen. Dass man natürlich trotzdem möglichst sauber und optimal arbeiten soll ist ganz klar. Hemmstoff-positive Ergebnisse werden Sie mit Desinfektionsmittel am Euter nicht hervorrufen. Ich glaube das kann man sehr deutlich sagen.

Gusti Spötzl: Fallen Ihnen noch weitere Anekdoten ein, oder letztendlich Sachen die manchmal behauptet werden, von denen manche ausgehen?

Hr. Baumgartner: Anekdoten vielleicht nicht, aber zum Abschluss wäre mir wichtig darauf hinzuweisen, dass gerade die Hemmstoff-Thematik oft sehr problematisiert und problematisch gesehen wird. Eigentlich gibt es da keine großen Wissenschaften dahinter, sondern das sind ganz normale Ursachen und Dinge die ein hemmstoff-positives Ergebnis hervorrufen. Ich kann nur immer appellieren, sobald man Antibiotika in der Hand oder im Betrieb hat, alle Vorsicht walten zu lassen! Antibiotika sind ganz hoch aktive Substanzen, die auch schon in Spuren nachweisbar sind. Wenn man Trockensteller anwendet oder selber mal was auf die Hand bekommt, sofort die Hände ganz konsequent mit Seife und allem „Drum und Dran“ reinigen. Die Gefahr, dass man Antibiotika auch mal über die Hände verschleppt, ist gegeben. Deswegen immer „Achtung“ wenn man Antibiotika in Betrieb hat. In Bayern sagen wir ja „das ganze fürchten wie der Teufel das Weihwasser“, dann glaube ich hat man alles richtig gemacht.

Gusti Spötzl: Dann möchte ich das noch kurz zusammenfassen: Letztendlich ändert sich für uns Milcherzeuger im praktischen Leben nichts. Wir müssen wissen, dass die Änderung notwendig geworden ist aufgrund Beschlüsse der Molkereien und letztendlich auch der Milchhygieneverordnung.

Hr. Baumgartner: Vor allem auf Grund der gesetzlichen Vorgaben!

Gusti Spötzl: Und gesetzlichen Vorgaben. Ich als Micherzeuger muss penibelst aufpassen, dass ich Verschleppung vermeide, oder auch versehentlich eine Kuh melke, weil diese nicht  markiert ist und hier eben die einfachsten Sachen wie beispielsweise an der Vakuumleitung und nicht an der Milchleitung anschließen. Einen durchsichtigen Eimer verwenden, in dem ich sehe wie viel drin ist, sollte es wirklich mal zu voll werden, dass es nicht zu einem Unglück kommt und wenn ich am zweifeln bin, habe ich versehentlich etwas reingebracht oder nicht: Entweder mache ich selbst den Test und kann es testen, oder dann noch besser eine kurze Probe zur Molkerei und somit kann ich ausschließen dass der Milchsammelwagen die Milch einsammelt. Ich möchte mich herzlich Bedanken für die Zeit die sie sich genommen haben! Ich wünsche Ihnen weiterhin alles gute und dem Milchprüfling Bayern eine gelungene Umstellungsphase dann, dass alles gut funktioniert und freue mich auf unser nächsten Gespräch!

Hr. Baumgartner: Dann sage ich auch Danke und viel Glück für deinen Block!


Hemmstofftest Selber machen

Es gibt Hemmstofftests, die man am Hof durchführen kann. Einerseits gibt es die offiziell beschriebenen Hemmstofftests (BRT) mit dem man die Hemmstoffuntersuchung schnell und sicher am eigenen Betrieb durchführen kann. Diese Tests setzt auch der Milchprüfring Bayern für Hemmstoffnachweise im Rahmen der Milchgütebewertung ein.
Zu kaufen gibt es diese Tests hier www.aim-bayern.de.

Etwas aufwendiger in der Handhabung, dafür der gleiche Test wie im Labor kann man hier beziehen.

Andererseits gibt es Schnelltests. Bei denen muss man aufpassen, weil es Antibiotika gibt, die er nicht abdeckt. In der Regel funktioniert so ein Test sehr zuverlässig und gut. Zu kaufen gibt es diesen Test beispielsweise hier.

Aktuelles vom Stallbau

Es hat sich in der Leckageerkennung für die Güllegrube etwas getan. Wir hatten ein Treffen mit dem Landrat und dieser hat nun sein Personal angewiesen, eine Ausnahmegenehmigung in der Leckageerkennung zu akzeptieren unter ein paar Voraussetzungen. Wir sparen uns somit Kosten im Vergleich zu einer beim DiBT zugelassenen Lösung. Einfachere Systeme mit einer dünneren sind in der Praxis viel besser umzusetzen.

Für den Unterbau haben wir uns für Bernhard Kleinmaier entschieden. Eine kleine Firma, bei dem man selbst gut Eigenleistung bringen kann und schon viele Ställe in der Umgebung gebaut hat.

Für Fullwood haben wir uns beim Melkstand entschieden. In einer eigenen Folge möchte ich meine Entscheidungskriterien und Überlegungen teilen.

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