KSB 034 Warum ein Ziegeldach? 2.000 qm Stalldach in 8 h gedeckt

Heute geht es um die Arten vom Stalldach und meiner Beurteilung. Auch die Wirtschaftlichkeit und meine Erfahrungen kannst du hier lesen. Zur Dachkonstruktion gibt´s irgendwann eine eigene Folge.

Wenn man sich zum Thema informiert hört man die unterschiedlichsten Geschichten. Je nach dem, was man selbst favorisiert wird gern die eigene Sache hoch gelobt. Und von anderen hört man die wildesten Geschichten.

    Stallbaupost

    In meiner Nähe hat vor rund 15 Jahren jemand einen Stall gebaut. Es ist eine Holzkonstruktion mit einfachem Blechdach. Die ständige Kondenswasserbildung auf der Unterseite führte zu ständig feuchten Stellen auf dem Holz. Bereits nach gut 10 Jahren wurden einige Pfetten morsch. Wenn man sich so eine Situation vorstellt ist die logische Folge, dass nach 15 Jahren das Dach erneuert werden muss. Oder man muss nach weniger als 25 Jahren die komplette Konstruktion erneuern. So etwas will keiner.

    Jedes System hat seine Vor- und Nachteile. Ich muss mir vor dem Bau im Klaren sein, welche Ansprüche ich habe. Dazu sollte man verschiedene Meinungen hören. Eine Meinung dazu kommt jetzt von mir.

    Vorher kommt noch eine Aufstellung verschiedener Dacharten:

    Aufstellung häufiger Dacharten

    • Trapezblech ohne Dämmung
      • – günstige Lösung
      • – Schwitzwasser ist ein großer Nachteil
      • – kann auf die Konstruktion gehen, wie im Beispiel vom Anfang
    • Sandwichblechdach
      • – Schaum als Dämmung zwischen den Platten
      • – Sondermüll auf dem Dach
      • – gute isolierende Wirkung vor Sonneneinstrahlung
      • – hat eine Helle Unterseite, macht den Stall dadurch heller
      • Durch Dehnung (warm/kalt) werden aus den Löchern bei den Befestigungsschrauben Langlöcher
      • – Gefahr von Wassereintritt
      • Tipp vom Zimmerer: Alle 5 Jahre jede Schraube kontrollieren. Lockere Schrauben nachziehen und Kontrolle, ob alles Dicht ist
    • Foliendach
      • – günstige Alternative
      • – sehr hell
      • – einfache Konstruktion
      • – Optik muss einem egal sein
    • Faserzementplatten
      • – früher bekannt als Eternit mit Asbestfasern
      • – häufiger im Osten und Norden Deutschlands verbreitet
      • Vorsicht bei Lichtplatten: Die Sonne sollte nicht auf die Liegeboxen strahlen können
    • Gründach
      • – mögliche Alternative
      • – sehr flaches Stalldach
      • – verschweißte Teichfolie auf der Konstruktion
      • – Dach mit Bewuchs
      • – stärkere Konstruktion notwendig
    • Ziegeldach
      • – teurer
      • – langlebig
      • – Ziegel, also gebrannter Ton ist ein natürliches Produkt
      • – stärkere Konstruktion notwendig
      • – Widerstandsfähig gegen Hagel

    Meine Einschätzungen zu einzelnen Arten:

    • Trapezblech ohne Dämmung kommt für mich nicht infrage
      • – Schwitzwasser kann auf die Konstruktion gehen
      • – zusätzliche Strahlungswärme erhöht im Sommer den Hitzestress
    • Sandwichblechdach ist in der Region der Standard
      • – funktioniert gut
      • – haben wir auf dem Melkhaus verbaut
        • 6° Neigung wäre mit Ziegel nicht möglich
        • isolierende Wirkung ist vor allem im Melkstand vorteilhaft
      • – hält deutlich weniger lange als ein Ziegeldach
      • – ich habe von einigen Problemen gehört, z. B. der Verbund von Schaum zum Blech und von der Oberfläche vom Blech, deshalb bin ich hier vorsichtig
    • Foliendach
      • – vor kurzem gesehen
      • – könnte ich mir vorstellen vom Prinzip
      • – gefällt mir optisch nicht
      • – wie steht´s um den Hitzestress?
    • Faserzementplatten
      • – Eigenschaften ähnlich wie Trapezblech
      • – damit habe ich mich nicht beschäftigt, war für uns kein Thema
    • Gründach
    • Ziegeldach
      • – mein Favorit
      • – teurer, aber sehr lange Haltbarkeit
      • – beim alten Kuhstall waren die Platten 40 – 60 Jahre alt, als wir das Stalldach saniert haben (älterer und neuerer Teil)
      • – ich möchte möglichst lange keinen Ärger
      • – Ziegel ist relativ Hagelfest, laut Angabe bis 5 cm
      • – es passt optisch sehr gut in die Gegend und zum Hof

    Man muss sich gut überlegen, was einem wichtig ist. Nur billig ist nicht immer wirtschaftlich.

    Wirtschaftlichkeit beim STalldach

    Im Grunde ist am wirtschaftlichsten, was den Zweck erfüllt und am kostengünstigsten ist. Der Zweck vom Stalldach ist erstmal einfach: Schatten im Sommer und Schutz vor Regen und Schnee. Entscheidend sind die Kosten pro Jahr, hier spielt die Haltbarkeit mit. Ein schweres Dach setzt zwar eine stabilere und damit teurer Konstruktion voraus, Material wird in Zukunft aber teurer und hier hat eine lange Haltbarkeit einen Vorteil.

    Hier habe ich ein kleines Rechenbeispiel für den Vergleich von kurzer und langer Haltbarkeit. Es wären die Kosten für ein Annuitätendarlehen bei einer Laufzeit so lange wie die Haltbarkeit. Wenn man etwas auf lange Zeit sieht hat der Zins einen entscheidenden Vorteil:

    ZinssatzKosten im Jahr bei 100.000 € Kosten für den Dachaufbau und 25 Jahre HaltbarkeitKosten im Jahr bei 150.000 € Kosten für den Dachaufbau und 40 Jahre Haltbarkeit
    1 %4.500 €4.500 €
    4 %6.500 €7.500 €
    8 %8.000 €12.500 €

    Von dem Gesichtspunkt aus kann es durchaus wirtschaftlich sein, sich für eine längere Haltbarkeit zu entscheiden. Man muss nur eines beachten:

    MAN MUSS ES IN DER KREDITLAUFZEIT ZURÜCK ZAHLEN KÖNNEN!!!

    Und auf 40 Jahre sollte man wirklich keinen Kredit planen. Umso höher der Zins ist, umso höher ist die jährliche Belastung durch länger haltbare Qualität.

    Materialkosten für ein Ziegeldach und Sandwichblechdach sind ähnlich hoch. Mehrkosten beim Ziegeldach entstehen durch zusätzliche Arbeitszeit und etwas stabilere Ausführung der Konstruktion.

    Aufbau bei unserem Ziegeldach

    1. 1. Auf den Pfetten die Sparren
    2. 2. 24 mm raue Schalung
    3. 3. diffuisionsdichte 4-lagige Dachbahn
    4. 4. Nageldichtbahn unter der Luftlattung
    5. 5. 4×6 mm Luftlattung, soll für bessere Hinterlüftung sorgen
    6. 6. 4×6 mm Lattung
    7. 7. Dachziegel und außen rum Sturmklammerung
    8. 8. Vogelschutzgitter unten und oben beim Pultdachabschluss
    9. 9. 16° Dachneigung

    Unser Stalldach eindecken

    Nachdem der Dachaufbau vorbereitet war und schon die ersten Platten verlegt waren kam der große Tag. Mit 17 motivierten Helfern ging es los. Dabei waren 2 Kranfahrer, 2 Kranfahrerhelfer, 2 x 4 Austeiler und alle anderen haben sofort Platten verlegt. Noch vormittags waren die Platten vom hinteren Kran (Reichweite 1/3 des Gebäudes) fertig ausgeteilt. Wichtig war, dass immer ein paar Helfer voraus Platten mit der Sturmverklammerung verlegen. Man muss immer wieder darauf achten, dass jeder richtig legt. Mit dem kleinen Anbau auf der Südseite haben wir etwas zu spät begonnen, auch ein so kleines Dach macht doch eine Menge Arbeit. Insgesamt hat alles sehr gut geklappt und nach 8 Stunden war das ganze Stalldach eingedeckt.

    Wenn du also vor der Entscheidung stehst, für was du dich entscheiden sollst, schaue dir mehrere Möglichkeiten an und mache dir dein Bild. Lass dir genug Zeit für deine Überlegungen und wäge die Vor- und Nachteile ordentlich ab.

    Fazit

    • – Jedes System hat seine Vor- und Nachteile
      • – Ich muss mir im Klaren sein, welche Ansprüche ich habe
        • – Lange Haltbarkeit vom Stalldach ist wirtschaftlich oft sinnvoll

    Neues vom Stallbau

      Stallbaupost

      Kommentar verfassen